Die Gruppe sitzt am Tisch, Scheren pfeifen beim Schneiden leise, es riecht nach Klebestift. „Die Umrisse habe ich schon auf das Papier aufgezeichnet“, erläutert Betreuungsassistentin Carmen Olbrich und reicht die Bögen mit Tonpapier den Bewohnern in der Bastelgruppe des Emil-Sräga-Hauses. Der Stiefel kann nun ausgeschnitten und beklebt werden.

Carmen Olbrich, Betreuungsassistentin im Singener Emil-Sräga-Haus, beim Basteln von Nikolausstiefeln.
Carmen Olbrich, Betreuungsassistentin im Singener Emil-Sräga-Haus, beim Basteln von Nikolausstiefeln. | Bild: Uli Zeller

Beim gemeinsamen Schneiden, Kleben und Tackern wird nicht nur die Feinmotorik der Hände trainiert. Auch das Erzählen wird angeregt. Eine Frau mit Demenz erzählt, wie sie sich früher selbst als Nikolaus verkleidet hat. Andere berichten, wie der Bischofshut des Nikolauses auf den Boden fiel oder erinnern sich an einen Nikolaus, der wegen seiner beschlagenen Brille nicht aus dem goldenen Buch vorlesen konnte. Gemeinsames Werkeln weckt Erinnerungen.

Auch Zuschauen regt Gehirn an

Ein Mann mit Demenz, der auch in der Bastelrunde dabei ist, gibt nach einer Weile auf. Das Basteln strengt ihn an. „Macht nichts, dann schauen sie eben, dass wir alles richtig machen“, sagt Carmen Olbrich und lacht. Damit trifft sie genau ins Schwarze. Denn wer aufmerksam zuschaut, regt sein Gehirn unter Umständen genauso an wie jemand, der selbst aktiv ist. Die Stiefel werden mit Schokoladenengeln bestückt und an alle Heimbewohner verschenkt.

Serie Leben mit Demenz

Weitere Aspekte, die beim Basteln mit Menschen mit Demenz wichtig sind, ergänzt Susanne Grundler, die die Betreuung in der Lebensstätte Helianthum in Steißlingen leitet. Dort hat gerade ein Basar stattgefunden. „Basteln für den Basar ist für unsere Bewohner wertvoll. Sie haben damit eine Aufgabe.“ Menschen, die scheinbar nur passiv dabei sitzen, würden die entspannte und fröhliche Atmosphäre in der Runde genießen.

Basteleien in der Lebensstätte Helianthum in Steißlingen: Betreuungskraft Gabi Reithinger hat diese mit Kolleginnen und Bewohnern für einen Basar im Außenbereich der Einrichtung gebastelt.
Basteleien in der Lebensstätte Helianthum in Steißlingen: Betreuungskraft Gabi Reithinger hat diese mit Kolleginnen und Bewohnern für einen Basar im Außenbereich der Einrichtung gebastelt. | Bild: Gabi Reithinger

Die Bastelarbeiten wurden dann auf einem Basar im Freien verkauft. An einer Feuerschale sei dabei heimelige Atmosphäre aufgekommen, die zum Erinnern und Erzählen anregte. Eine gemeinsame Erfahrung, die Menschen mit und ohne Demenz mit Nikolausstiefeln in die Vergangenheit reisen lässt und damit ihre Gegenwart verschönert.