Das Nachtleben in Singen ist wieder zurück: Seit Kurzem darf in Diskotheken wieder getanzt und gefeiert werden. Auch im Top10, der Großraumdisko im Singener Süden, ist das Feiervolk wieder zurück. Dort ist man mit den ersten Wochenenden nach über 18 Monaten im Lockdown zufrieden, wie Betriebsleiter Dominik Dilger bestätigte: „Die ersten Wochenenden waren eigentlich sehr gut, es war richtig voll.“ Vor allem bei jungen Menschen merke er einen Nachholbedarf, was das Feiern und Tanzen anbelange. „Viele Gäste waren auch schon mehrmals da“, so Dilger weiter. Allerdings läuft nicht alles glatt: Die strengen Corona-Vorgaben für Clubs sorgen für lange Warteschlangen.

Marja Jorilj, Larissa Maucione, Angelo Maucione, Marion Lang, Verena Zimmermann, Tiziana Salanitri und Syria Grizzanti freuen sich auf die Partynacht.
Marja Jorilj, Larissa Maucione, Angelo Maucione, Marion Lang, Verena Zimmermann, Tiziana Salanitri und Syria Grizzanti freuen sich auf die Partynacht. | Bild: Tesche, Sabine

Am Samstagabend ist es vor dem Top10 brechend voll. Auf den Parkplätzen tummeln sich Autos mit Kennzeichen aus Waldshut-Tiengen, Villingen-Schwenningen und Tuttlingen. Die Disko öffnet normal um 22 Uhr. Doch bereits um 21 Uhr hat sich ein Warteschlange gebildet, die bis auf die Straße reicht. Marja Jorilj, Larissa Maucione, Angelo Maucione, Marion Lang, Verena Zimmermann, Tiziana Salanitri und Syria Grizzanti stellen sich ebenfalls an. Sie freuen sich auf einen schönen Abend: Endlich mal wieder zusammen feiern und tanzen.

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Auch die Mitarbeiter des Top10 sind froh, dass sie endlich wieder Gäste empfangen dürfen. Der Empfang und die Abwicklung wirken eingespielt und zügig. Eine Mitarbeiterin läuft herum, bei der sich die Gäste schon mal registrieren können. An der Absperrung wird dann noch der Impfnachweis oder der PCR-Test geprüft. Die Menschen in der Schlange verhalten sich ruhig und ertragen die Wartezeit geduldig.

Mehr Security am Einlass: Aufgrund der strengen Corona-Vorschriften mussten die Clubs in Singen die Anzahl der Mitarbeiter erhöhen.
Mehr Security am Einlass: Aufgrund der strengen Corona-Vorschriften mussten die Clubs in Singen die Anzahl der Mitarbeiter erhöhen. | Bild: Tesche, Sabine

Auch Dilger lobt: „Alle akzeptieren die Regeln und zeigen sich verständnisvoll, wenn man sie auf die ein oder andere Sache hinweist.“ Die Singener Polizei berichtet Ähnliches. Auf SÜDKURIER-Nachfrage, ob es viele Verstöße gegen die Corona-Regeln beim Partyvolk gegeben habe, erklärt Michael Tieke vom Singener Revier: „Es gibt keine vermehrten Einsätze der Polizei aufgrund von Corona-Verstößen in Clubs.“ Auch Anzeigen von Privatpersonen seien bislang keine bei der Polizei eingegangen.

Nicht alle Partygänger kommen zurück

Auch Yvonne Zimmermann, Betriebsleiterin der anderen Disko in Singen, dem Erdbeermund, ist mit der ersten Resonanz nach der Corona-bedingten Zwangspause zufrieden: Während es an Freitagen noch etwas schleppender laufe, seien die Samstage fast wieder so gut besucht wie vor der Pandemie. Aber sie könne eine gewisse Zurückhaltung ausmache: „Viele Leute haben sich daran gewöhnt, dass lange zu war und feiern jetzt vielleicht lieber privat“, so Zimmermann.

Bis auf die Straße erstreckt sich die Warteschlange vor dem Top10.
Bis auf die Straße erstreckt sich die Warteschlange vor dem Top10. | Bild: Tesche, Sabine

Um in den Club zu kommen, müssen die jungen Menschen vor allem eines mitbringen: jede Menge Geduld. Denn ohne längere Wartezeiten geht in den ersten Wochen nichts. Bis zu zwei Stunden Schlangestehen machen am ersten Wochenende nach dem Lockdown in sozialen Netzwerken die Runde. Diese Zahl hält Betriebsleiter Dominik Dilger zwar für übertrieben – er spricht vielmehr von einer Stunde bis maximal eineinhalb – aber auch er bestätigt längere Wartezeiten. „Der zeitliche Aufwand ist einfach durch die Kontrollen viel mehr geworden, aber wir halten uns zu 100 Prozent an die Vorgaben“, sagte er. Yvonne Zimmermann gibt ihrem Kollegen Recht: „Die zusätzlichen Kontrollen am Eingang kosten eben Zeit, sind aber nötig.“

3-G ist in Clubs wie 2-G

Obwohl die Freude über die Wiedereröffnung überwiegt, ein Umstand sorgt bei den beiden Betriebsleitern für Unverständnis: der erforderliche PCR-Test, sollten Gäste nicht geimpft oder genesen sein. Dominik Dilger spricht davon, dass dadurch eine eigentliche 2G-Regelung für Diskos und Nachtclubs gelten würden.

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Denn ein normaler Schnelltest reicht nicht, man benötigt einen PCR-Test, der wesentlich teurer ist und mehr Zeit für die Auswertung in Anspruch nimmt. „Wer nicht geimpft ist, geht weniger feiern“, sagte Dilger. Was er damit meint: In Deutschland kostet ein PCR-Test zwischen 60 und 100 Euro. „Das ist für einmal tanzen und feiern zu viel“, so Dilger weiter. In Zahlen bedeutet dies: Lediglich vier bis fünf Gäste pro Abend kamen bislang mit einem negativen PCR-Test.

Yvonne Zimmermann sehe keine Verhältnismäßigkeit etwa zu einem Konzertbesuch, bei dem ein einfacher, negativer Corona-Schnelltest genüge. „Für Clubs gelten andere Regeln, dass ist nicht ganz fair“, kritisiert sie. Aber sowohl Dilger als auch Zimmermann wollen nicht schimpfen. Sie seien froh, dass in Singen nun endlich wieder gefeiert werden könne.