Dienstleister, die mit Menschen arbeiten, sind von der Corona-Pandemie stark gebeutelt. Kulturanbieter machen da keine Ausnahme. Immerhin sind sie vom Publikum und seinem Zuspruch abhängig. Und wo viele Menschen zusammenkommen sollen, gibt es in den Corona-Wintern vor allem eines: Einschränkungen.

Über die Lage beim kommunalen Kulturbetrieb berichten Roland Frank, Leiter von Kultur und Tagung Singen (KTS), und Magdalena Steinebach, die dort für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung zuständig ist. Und diese Lage lässt sich grob gesagt so beschreiben: Bei der KTS ist man froh, überhaupt Kulturveranstaltungen anbieten zu können. Das geht allerdings nur durch Fördermittel und Corona-Hilfen. Und das Geschäft ist in diesen Tagen stark von Absagen und Verschiebungen geprägt.

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Doch der Reihe nach: „Wir sind gerade stolz wie Bolle, dass es mit einem Wahnsinns-Zuspruch weitergeht“, sagt Roland Frank. Und Magdalena Steinebach ergänzt, dass fast alle Aufführungen ausgebucht seien. „Die Leute sind froh, dass es Veranstaltungen gibt“, ist ihr Eindruck. In der Stadthalle gilt derzeit aufgrund der Corona-Verordnung des Landes die 2G-plus-Regel – Besucher müssen ausreichenden Impfschutz oder eine kürzliche Genesung von einer Corona-Infektion und einen aktuellen negativen Test nachweisen. Dies werde vor dem Einlass von einem Sicherheitsdienst überprüft – und bedeute zusätzlichen Aufwand. Außerdem sind in der aktuell geltenden Alarmstufe II höchstens 500 Besucher zulässig. Für die Stadthalle bedeutet das, dass weniger als die Hälfte der regulär etwa 1100 Plätze belegt werden dürfen, sagt Frank: „Die Vorsicht ist richtig am Platz.“

Geld fließt aus einem Bundesprogramm

Trotzdem bedeutet die Vorsicht auch, dass weniger Eintrittsgelder fließen können. Die KTS habe sich daher beim Bundesprogramm „Neustart Kultur“ um Fördergelder bemüht, sagt Roland Frank. Schon im Winter 2020/2021 habe man daraus Geld bekommen, nun sei das Programm bis Ende 2022 verlängert worden. Die KTS bekomme Mittel speziell aus einem Teil des Förderprogramms, der Gastspieltheater und damit auch die auftretenden Ensembles unterstützen soll: „Das ermöglicht uns, auch mit halber Auslastung zu spielen“, sagt Frank.

Die Jon Lehrer Dance Company war kürzlich in der Singener Stadthalle zu Gast, um der Musik von Leonard Bernstein ein tänzerisches ...
Die Jon Lehrer Dance Company war kürzlich in der Singener Stadthalle zu Gast, um der Musik von Leonard Bernstein ein tänzerisches Denkmal zu setzen. Es war einer von 17 Auftritten der Truppe in Deutschland und Österreich. | Bild: Sandra Baindl

In Corona-Zeiten auch Teil des Geschäfts von Kulturveranstaltern: Umplanungen, Verschiebungen und Absagen. Im Oktober 2021 sei man zunächst mit einem vollen Haus gestartet, nachdem das Kreisimpfzentrum (KIZ) wieder ausgezogen ist, erzählt Frank. Stück für Stück habe es dann mehr Einschränkungen gegeben, als das Infektionsgeschehen wieder zunahm. Beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie aus Konstanz hatten diese Beschränkungen einigen Organisationsaufwand zur Folge. Denn es seien schon 675 Karten verkauft gewesen, als die neuen Regelungen in Kraft traten. So sei es dann zu dem Zusatztermin gekommen, den das Orchester in Singen angeboten hat, sagt Frank. Doch im ersten Corona-Jahr, 2020, hat es die Stadthalle, genau wie andere Veranstalter, deutlich schlimmer erwischt: „Wir hatten Veranstaltungen bis zum 13. März“, sagt der KTS-Chef. Dann sei es erst im Oktober weitergegangen, nur damit im November 2020 wieder Schluss gewesen sei.

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Und ab Januar 2021 war dann das KIZ in der Stadthalle zu Gast. Wirtschaftlich gesehen sei das eine gute Sache gewesen, weil regelmäßige Mietzahlungen in die Kasse gekommen seien, sagt Roland Frank. In dieser Zeit habe es noch zahlreiche andere Veranstaltungen in der Stadthalle oder in Regie der KTS gegeben, sagt Frank (siehe Text unten). Doch: Kulturveranstaltungen waren in dieser Zeit nicht möglich, was auch OB Bernd Häusler zuletzt in einer Ausschusssitzung bedauerte. „Doch das ging vielen anderen auch so, man konnte fast nichts anderes machen“, blickt Roland Frank zurück – denn ob mit oder ohne KIZ: Im ersten Dreivierteljahr 2021 waren ohnehin kaum Kulturveranstaltungen möglich.

Rückblick auf 2021 und die Pläne für dieses Jahr

  • Rückblick: Das erste Halbjahr 2021 war für die KTS dadurch geprägt, dass das Kreisimpfzentrum (KIZ) in der Stadthalle untergebracht war. Trotzdem zählt KTS-Leiter Roland Frank in seinem Halbjahresbericht, den er kürzlich im Betriebsausschuss der KTS des Singener Gemeinderats vorstellte, 42 Veranstaltungen für diesen Zeitraum auf. Dazu gehören die städtischen Gremiensitzungen, die nach wie vor zwar nicht in der Stadthalle, aber mit Technik und Personal der KTS stattfinden. Zwischen Juli und September, als das KIZ auszog, verzeichnet der Bericht 28 weitere Veranstaltungen. Der Kulturbetrieb startete am 3. Oktober mit einem Auftritt von Kaya Yanar mit knapp 1000 Besuchern. Wie das Jahr wirtschaftlich gelaufen ist, ist noch nicht abgerechnet. Im Halbjahresbericht für die erste Hälfte 2021 geht die KTS laut der Sitzungsvorlage davon aus, dass das Defizit etwa eine Million Euro niedriger ausfällt – aufgrund der Erlöse für das KIZ, der niedrigeren Personalkosten und des verschobenen Leuchtentauschs.
  • Ausblick: Neue Leuchtmittel hätte die Stadthalle schon im Sommer 2021 bekommen sollen, was allerdings wegen der Arbeit des KIZ nicht zustande kam. Nun sollen die Leuchtmittel im kommenden Sommer gewechselt werden, sagt Roland Frank. Die dafür vorgesehenen 400.000 Euro schlagen damit für das laufende Jahr zu Buche. Die KTS erwartet einen Zuschussbedarf von insgesamt etwa 2,4 Millionen Euro. Markus Weber (Neue Linie) sagte dazu im Ausschuss, ohne diese Verschiebung wäre man mit der KTS wirtschaftlich gesehen da, wo man hinwollte. Der Gemeinderat hat den Wirtschaftsplan im Dezember einstimmig gebilligt. Ab der Saison 2022/2023 müssen sich Kulturfreunde zudem auf leicht höhere Abopreise einstellen, können aber auch ein Wahlabo in Anspruch nehmen. Dies hat der KTS-Ausschuss mit einer Enthaltung einstimmig beschlossen.
  • Scheffelhalle: Die Scheffelhalle wurde bis zu dem Brand, bei dem das Gebäude im November 2020 komplett zerstört wurde, ebenfalls von der KTS bewirtschaftet. Laut Roland Frank soll das nach jetzigem Stand der Planung auch nach dem vom Gemeinderat bereits beschlossenen Neubau wieder so sein. Die Scheffelhalle solle wieder eine Heimat für Vereine werden, Stadt- und Scheffelhalle sollen sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen.