1. Überall liest man von Engpässen: Gibt es im Singener Krankenhaus genug Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel?

Nach Angaben der Klinik ist es bislang immer wieder gelungen, ausreichend mit den erforderlichen Bedarfsartikeln versorgt zu sein. Das sei aber mit großem Aufwand, persönlichem Einsatz und hohen Kosten verbunden. Zuständig für die Versorgung ist das Apotheken- und Logistikteam des Hauses. Die ausreichende Ausstattung bedeute nicht, dass man nicht auch in Singen mit dem Material sorgsam umgehen müsse. Man verfüge jedoch über die Erfahrung, mit Engpässen zu leben und sie zu handhaben.

2. Wären die Ärzte in der Klinik froh darüber, wenn mehr Menschen im Hegau Schutzmasken tragen? Könnte dadurch die Ansteckungsrate verringert werden?

Das Kollegium hält das Tragen von Masken prinzipiell für eine gute Idee. Dadurch könnten sowohl der Träger als auch Personen im Umfeld geschützt werden. Eine Gefahr bestehe jedoch in einem falschen Sicherheitsgefühl, das zu Leichtsinnigkeit verführen könnte. Selbstgenähte Masken, die derzeit angefertigt werden, könnten außerdem nicht denselben Schutz bieten wie zertifizierte Masken für den medizinischen Bedarf. Auch müsse gewährleistet sein, dass sie als Kochwäsche gereinigt werden können. Die Diskussion um Schutzmasken ändere aber nichts daran, dass der beste Schutz nach wie vor im Abstandhalten, in der Nies- und Husten-Etikette, im regelmäßigen Händewaschen sowie der Vermeidung sozialer Kontakte bestehe.

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3. Wie viele Corona-Patienten werden im Moment in der Klinik betreut?

Am 9. April befanden sich zehn Personen als bestätigte Fälle und ein Verdachtsfall auf der Intensivstation sowie drei bestätigte und 14 Verdachtsfälle auf den allgemeinen Covidstationen.

Spricht für das Ärzte- und Pflegekollegium: Frank Hinder, Chefarzt und Ärztlicher Direktor.
Spricht für das Ärzte- und Pflegekollegium: Frank Hinder, Chefarzt und Ärztlicher Direktor. | Bild: Lucht, Torsten

4. Gibt es Corona-Patienten aus Frankreich oder Italien?

Ja. Nach Angaben der Klinikleitung ist dies aufgrund der Kapazitäten möglich. Ende März befanden sich fünf an Covid 19 erkrankte Patienten in den Kliniken Singen und Konstanz.

5. Kam es zu Infektionen bei Ärzten oder dem Pflegepersonal?

Bislang haben sich von den Mitarbeitern des Klinikums Singen drei Ärzte infiziert – zwei beim Skifahren in Österreich. Die Angaben der Klinik dazu: Der eine blieb nach seiner Rückkehr gleich zu Hause, war in Quarantäne und ist zwischenzeitlich vollständig genesen. Der zweite kam nicht aus einem Risikogebiet, befolgte aber die Tagebuchregelung und blieb bei Auftreten von Symptomen zuhause. Der zweite Abstrich einige Tage später zuhause erbrachte dann den Nachweis. Eine dritte Ärztin verließ das Klinikum bei den ersten Symptomen und ist ebenfalls genesen und mit negativem Ergebnis inzwischen wieder im Dienst. Sie war mit Personen im häuslichen Kontakt, die sich ihrerseits im Elsass angesteckt hatten. Seit dem 8. April wurden in der Klinik Antikörpertests bei zirka 100 Mitarbeitern vorgenommen, die in den Risikobereichen wie in der zentralen Notaufnahme und den Covid-Stationen arbeiten. In allen Fällen war der Test negativ. Das heißt, dass sich das Immunsystem nicht mit Coronaviren auseinandergesetzt hat. Derselbe Test wurde bei der zuvor infizierten Ärztin sowie den Covid-Patienten eingesetzt. Bei diesen Personen war der Test positiv. Für die Klinik ist das ein Beleg, dass der Test gut funktioniert.

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6. Wie sieht die Betreuung der Patienten aus? Was kann für diese Menschen konkret getan werden?

Die Patienten auf den Allgemeinstationen benötigen teilweise Sauerstoff und werden ansonsten wie jeder andere Patient im Krankenhaus versorgt. Anders als sonst betritt man das Zimmer allerdings nur, wenn es wirklich notwendig ist und nur mit entsprechender Schutzausrüstung. Da die Patienten wenige soziale Kontakte haben, werden sie über Telefon von Mitgliedern des Krankenhaus-Seelsorgeteam kontaktiert. Die Patienten auf der Intensivstation werden wie jeder andere Patient mit kritischer Krankheit mit hohem pflegerischem Aufwand betreut. Typisch in der Behandlung der Patienten mit Covid-19-Lungenentzündung ist, dass ihre Lungenfunktion sehr von der Bauchlage profitiert, sodass die Patienten teils 16 Stunden am Tag in Sedierung (künstlichem Koma) intubiert und beatmet auf dem Bauch gelagert werden. Die Entwöhnung von der Beatmung erfolgt dann beim zunehmend wachen Patienten in Rückenlage. Je wacher die Patienten sind, desto mehr Zuwendung benötigen sie, gerade in der Phase der Entwöhnung von der Beatmung.

7. Wie viele Ärzte und Pfleger haben im Moment direkt mit Corona-Patienten zu tun? Wie viele werden es sein, sobald der von vielen erwartete Peak eintritt?

So viele wie nötig, so wenige wie möglich. Die bestätigten Covid-19-Patienten werden auf einer 20-Betten-Intensivstation und einer 34-Betten-Allgemeinstation rund um die Uhr betreut. Dazu kommen noch zwei Allgemeinstationen mit Verdachtsfällen. Nach Klinikangaben können sowohl die Intensivkapazitäten als auch die Betten auf den Allgemeinstationen je nach Bedarf jederzeit bei Tag und Nacht relevant erweitert werden. Derzeit sind hier bereits mehr als 100 Mitarbeiter eingebunden.

8. Sind auch Hegauer Ärzte mit eigenen Praxen bereit, in einer Ausnahmesituation im Krankenhaus einzuspringen? Hat man solche Szenarien durchgesprochen, vielleicht sogar trainiert?

Es gibt eine ganze Reihe niedergelassener Ärzte, die sich bereit erklärt haben, in Ausnahmesituationen im Krankenhaus Dienst zu tun. Es ist wegen des Risikos aber nicht geplant, von diesem Angebot auch Gebrauch zu machen. Stattdessen wurden im Singener Krankenhaus interdisziplinäre Teams gebildet, in das auch Mitarbeiter aus Radolfzell eingebunden und für die entsprechenden Bereiche geschult sind. Die externen Kollegen würden im Bedarfsfall dann den Routinebetrieb aufrecht erhalten können.

Corona ist nicht zuletzt eine kommunikative Herausforderung. Zuständig dafür ist beim Singener Krankenhaus die Pressesprecherin Andrea Jagode.
Corona ist nicht zuletzt eine kommunikative Herausforderung. Zuständig dafür ist beim Singener Krankenhaus die Pressesprecherin Andrea Jagode. | Bild: Lucht, Torsten

9. Vor einigen Wochen bat das Klinikum darum, dass Pflegekräfte, die diesem Beruf derzeit nicht nachgehen, sich jetzt engagieren und im Krankenhaus mitarbeiten. Was hat der Aufruf gebracht?

Bei der Pflegedirektion in Singen haben sich einige examinierte Pflegekräfte gemeldet, die nicht mehr aktiv ihrem Beruf nachgehen. Für das Hegau-Bodensee-Klinikum hatten sich bis Anfang April 27 Pflegefachkräfte (dreijähriges Examen in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege) direkt bei der Pflegedirektion in Singen gemeldet. Hinzu kamen 14 Personen, zum Beispiel Pflegehilfskräfte und Medizinstudenten.

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