Singen – Fröhliche Kinder sitzen auf dem Rasen vor dem MAC Museum. Fleißig hämmern und meißeln sie an Blöcken aus Ytong-Beton herum und kreieren im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Singen ihre eigenen Skulpturen. Ob das möglich sein würde, war lange unklar.

Einige Veranstaltungen abgesagt

Normalerweise ist die Anmeldung für die verschiedenen Aktionen ab den Osterferien möglich. Doch im März kam der Lockdown. „Wir haben die Entscheidung hinausgezögert“, erzählt Tobias Hennes von der Stadt Singen. „Erst im Juli haben wir dann die Programmliste veröffentlicht.“ Wichtig war zunächst die Entwicklung eines Infektionsschutz-Konzepts. Ob die jeweiligen Veranstalter dieses umsetzen könnten, war das nächste Problem. Trotz einiger Absagen kamen so immerhin noch 71 Veranstaltungen zusammen. Nicht alle hatten sich die Herausforderung zugetraut.

Ramona Diem, die Programmleiterin im MAC, konnte glücklicherweise ihr Angebot mit ein paar kleinen Änderungen anpassen: „Eigentlich hätten wir den ganzen Tag ausnutzen wollen für die Skulpturen-Herstellung. Wegen der neuen Verordnungen konnten wir aber leider nicht zusammen zu Mittag essen“, erklärt sie. Die Eltern-Vernissage zum Abschluss musste deshalb auch gestrichen werden. Stattdessen schafften es die kleinen Künstler nun, ihre Werke an zwei Nachmittagen zu vollenden.

Ersatz für Familienurlaub

Bei dem 12-jährigen Gideon ist es das Zelda-Symbol aus einem seiner Lieblings-Videospiele geworden. Seine jüngere Schwester Veyla hat dagegen Herzen geformt. „Das Material war gar nicht so einfach zu bearbeiten. Da brauchte man viel Kraft“, meint sie. „Wir hatten aber auch viel Spaß dabei.“ Schon in den vergangenen Jahren haben die beiden gerne an den Sommerferien-Aktionen der Stadt Singen teilgenommen.

Gideon und Veyla sind froh, dass das Ferienprogramm stattfinden kann: „Eigentlich wären wir in den Sommerferien mit der ganzen Familie nach Korsika gefahren. Das haben wir wegen Corona aber abgesagt.“
Gideon und Veyla sind froh, dass das Ferienprogramm stattfinden kann: „Eigentlich wären wir in den Sommerferien mit der ganzen Familie nach Korsika gefahren. Das haben wir wegen Corona aber abgesagt.“ | Bild: Saskia Biehler

Dieses Jahr waren sie besonders froh, dass die Veranstaltungen doch stattfinden konnten. „Eigentlich wären wir in den Sommerferien mit der ganzen Familie nach Korsika gefahren. Das haben wir wegen Corona aber abgesagt“, erläutert Veyla ernst. „Weil wir jetzt doch zuhause geblieben sind, sind wir froh, diese Aktivitäten machen zu können“, fährt ihr Bruder fort. Aus diesem Grund haben sie es sich auch nicht nehmen lassen, die verschiedenen Ferienprogramm-Angebot ausgiebig zu nutzen.

Maskenpflicht vor allem im Bus

In den vergangenen Ferienwochen waren sie bereits zusammen beim Klettern und auch im Wildtierpark Bodanrück. Eingeschränkt durch die Infektionsschutzauflagen haben sie sich dabei nicht gefühlt. Sachlich bemerkt Gideon: „Nur auf der Hin- und Rückfahrt im Bus mussten wir eine Maske tragen.“ Da viele Aktivitäten im Freien stattfinden, gilt die Maskenpflicht kaum. Bei der Arbeit mit dem Ytong-Beton mussten die Kinder trotzdem eine Maske tragen. Das hatte allerdings erstmal nichts mit Viren zu tun, sondern nur mit dem Staub, der dabei entsteht.

Kunst-Managerin Ramona Diem erklärt: „Lediglich gestern mussten wir aufgrund des schlechten Wetters drinnen bleiben. In unseren Räumen hat eine Maskenpflicht für die Kinder gegolten.“ Aber bei der interessanten Führung durch die beiden Museumsgebäude scheint das kaum gestört zu haben. „Vor allem die Autos waren spannend anzusehen. Davon hatte ich schon vorher gehört. Das war ein Grund, wieso ich mich für diese Veranstaltung entschieden hab“, erzählt der 12-jährige Gideon begeistert und gerät regelrecht ins Schwärmen.

Eine willkommende Abwechslung

Für Corinna Hertrich und ihre Söhne war das Ferienprogramm der Stadt in diesem Jahr ebenfalls eine willkommene Abwechslung. Auch sie sind langjährige Teilnehmer. Dass einige Aktionen ausgefallen sind empfinden sie nicht als schlimm. „Es stand ja schon vor der Anmeldung fest, was nicht stattfinden würde“, meint die Mutter. Einziger Wermutstropfen für ihre Söhne war die fehlende Sportwoche.

Corinna Hertrich bedauert: „Das war bisher immer ihr Favorit, deswegen ist uns halt gleich aufgefallen, dass es diesmal fehlt.“ Trotzdem hat die Familie sogar noch mehr Programmpunkte ausgewählt als sonst. Der geplante Sommerurlaub war der aktuellen Situation zum Opfer gefallen. „Jannis und Lennart haben schon zusammen den Schäferhundeverein und die Straußenfarm in Stockach besucht. Demnächst geht es noch zu einer Bonbonmanufaktur und zum Adventure-Golf. Da ist die Vorfreude schon groß“, schildert die 44-Jährige.

Mit Maske und Desinfektionsmittel

Sorgen wegen einer Ansteckungsgefahr hatte sie nicht. „Vorab haben wir eine E-Mail erhalten, dass die Kinder Masken und Desinfektionsmittel mitnehmen sollen. Auch auf genügend Abstand wurde hingewiesen“, sagt sie. Da viele Angebote im Freien stattfinden, spielt das ohnehin kaum eine Rolle. Nur im Bus auf dem Weg zur Straußenfarm musste die Maske getragen werden.

„Vermutlich waren manche Eltern ängstlicher als sonst“, mutmaßt Tamara Flad. Ihre Tochter Emma wäre gerne zu einem Tanz-Workshop gegangen. Weil sich allerdings zu wenige Teilnehmer gefunden haben, ist dieser ausgefallen. „Ich selber sehe keinen Unterschied, ob die Kinder beispielsweise ins Schwimmbad gehen oder eben zum Ferienprogramm. Es gelten ja auch die Abstandsregeln“, erläutert die Mutter von vier Kindern.

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Glücklicherweise gab es bei anderen Aktionen noch genug freie Plätze. So konnte Emma am Fotoaction-Workshop der Schulsozialarbeit oder auch im MAC Museum dabei sein. Ihr absoluter Favorit steht ihr aber erst noch bevor, denn auch am Ausflug zum Wasserskipark in Pfullendorf kann Emma teilnehmen. „Wir haben uns auf jeden Fall gefreut, dass das Sommerferien-Programm trotz allem doch noch stattfinden kann“, bekräftigt ihre Mutter.