Die Taxifahrer am Singener Bahnhof sind sauer. Der Bahnhofsvorplatz ist fertig und noch immer stehen über 30 Taxis gegenüber des Cineplex-Kinos in der Bahnhofstraße hinter dem Kreisel Richtung Hauptstraße. „Viele finden uns gar nicht“, sagt Gabriel Mastel, der seit 1985 selbstständiger Taxiunternehmer mit zwei Taxis in Singen ist. Was als vorübergehende Lösung während der Umbauarbeiten am Platz geplant war, wurde zum Ärger der Taxifahrer seit über zwei Jahren zur festen Einrichtung. Die Fahrgäste, die am Bahnhof aus dem Zug steigen, wüssten nicht wohin. Kein Schild verweise auf den Taxistandort. Die Fahrgäste müssten einen Fußmarsch in Kauf nehmen, um zu den Taxis zu kommen. Das sei gerade für ältere Menschen, die nicht gut zu Fuß seien, oder für Reisende mit viel Gepäck – also die typischen Taxi-Kunden – ein Problem.

Helga Jagode (rechts) fährt oft nach dem Einkaufen mit dem Taxi nach Hause. Fahrer Haji Hassan hilft ihr mit den Taschen.
Helga Jagode (rechts) fährt oft nach dem Einkaufen mit dem Taxi nach Hause. Fahrer Haji Hassan hilft ihr mit den Taschen. | Bild: Tesche, Sabine

„So etwas habe ich in all den Jahren hier nicht erlebt“, erklärt Taxiunternehmer Mastel, während er die Koffer eines Kunden in sein Auto hievt. Die Fahrgäste müssten zudem über ein von Wurzeln durchzogenen Grünstreifen einsteigen, der bei Regen zu Schlamm wird und auf dem oft Hundekot liegt. So brächten sie den Dreck auch in die Fahrzeuge. Auf der Straßenseite ist es für die Fahrer beim Einsteigen gefährlich: Wenn Lastwagen vorbeifahren, wird es eng. Die Folge des Standorts sei, dass weniger Fahrgäste kommen und die, die mitfahren, unzufrieden sind. Durch Corona hätten die Fahrer sowieso schon weniger Kunden und der Standort verschlechtere ihre Situation. „Taxis gehören an den Bahnhof“, sagt auch Taxiunternehmer Jakob Huhn. Es habe geheißen, dass die Taxis wieder an den Bahnhof kommen und jetzt warte er darauf, dass sie einen „anständigen Platz“ zugewiesen bekommen.

Am Taxistand an der Bahnhofstraße geht es eng zu. Die Fahrer müssen beim Ein- und Aussteigen aufpassen.
Am Taxistand an der Bahnhofstraße geht es eng zu. Die Fahrer müssen beim Ein- und Aussteigen aufpassen. | Bild: Tesche, Sabine

„Wir hatten einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Stadtverwaltung – jetzt hoffen wir darauf, dass sich bald etwas bewegt und warten, was die Stadt uns vorschlägt“, berichtet Gabriel Mastel. Die Taxifahrer wollen sich nicht gegen die Verwaltung stellen, sondern, wenn möglich, zu einer konstruktiven Lösung beitragen. Denkbar wäre für sie auch, dass einige Taxis direkt am Bahnhof stehen und die anderen am jetzigen Standort bleiben und aufrücken.

Taxikundin Helga Jagode steigt bei Haji Hassan ins Auto. Sie nutzt häufig das Taxi, um nach Besorgungen von der Stadt nach Hause zu kommen. Eigentlich findet sie den Standort ganz in Ordnung, nur wenn ihr Mann mit dem Rollator dabei sei, bereite ihm der hohe Bordstein Probleme.

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Die Stadtverwaltung sei sich darüber bewusst, dass die jetzige Situation am Bahnhof für Taxis nicht wirklich befriedigend ist, erklärt Pressesprecher Achim Eickhoff nach Rücksprache mit OB Bernd Häusler. „Um eine Verbesserung zu erzielen, sind bereits mehrere Gespräche mit den Singener Taxiunternehmen geführt worden“, erklärt Eickhoff. Derzeit werde geprüft, welche künftigen Standplätze für Taxis möglich wären. Eine Entscheidung sei bislang noch nicht getroffen worden, doch sie werde nicht auf die lange Bank geschoben. „Dabei gilt es am begrenzten Bahnhofsplatz die Bedürfnisse der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer abzuwägen“, so Eickhoff.

Hol- und Bringplätze für Bahnreisende sind jetzt da

Bisher gab es auch keine Hol- und Bringplätze für Bahnreisende am Bahnhof. Bezüglich dieser Plätze habe die Stadtverwaltung in Absprache mit der Deutschen Bahn eine bahnhofsnahe Lösung am Kreisel an der ehemaligen Thurgauerstraße eingerichtet, berichtet Eickhoff. Die Beschilderung für die zehn bewirtschaftete und überwachten Kurzzeitparkplätze werde demnächst montiert. Zugleich sei die Stadt in der Planung für einen Aufzug am südlichen Ausgang der Bahnhofsunterführung zur Julius-Bührer-Straße. Auch hier stünden mehrere Hol- und Bringplätze zur Verfügung.