Schon vor der Garagentür beginnt die Baustelle. Transporter haben Baumaterial geladen und am Eingangsbereich lehnen alte Holzplatten, die bald entsorgt werden. Es herrsch eifriges Treiben von einigen Handwerkern und drei fleißigen Rentnern. Im Oktober konnte der Verein SKG 77 Singen sein neues Heim erstmals betreten, nachdem der vorherige Pächter die Räume nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung verlassen hat. Im März begannen dann die Arbeiten: „Wir konnten nicht warten. Wenn wir zum Saisonbeginn nicht starten können, gibt es unseren Verein nicht mehr“, erklärt Vereinsvorsitzender Frank Altenau. Mit seinem Stellvertreter Bernd Kienzler zeigt er dem SÜDKURIER die Baustelle.

Noch ist unklar, ob diese Treppe zum Obergeschoss bleiben wird.
Noch ist unklar, ob diese Treppe zum Obergeschoss bleiben wird. | Bild: Arndt, Isabelle

Hier wurde 40 Jahre lang nichts gemacht

Über den Kegelbahnen sieht es schon fast fertig aus: Die Decke ist mit einem Schallschutz erneuert und quadratische LED-Lampen sind montiert. Die hat ein Vereinsmitglied extra aus Nürnberg geholt, weil sie dort günstig zu haben waren, erklärt Frank Altenau. Er steht inmitten der Baustelle, abgesehen von der Decke ist noch viel zu tun: Das Untergeschoss wird quasi entkernt, außer vier Bahnen sind auch neue Umkleiden und Sanitäranlagen nötig. „Die Anlage war in einem sehr schlechten Zustand, hier hat man 40 Jahre lang nichts gemacht“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Vor den Umbauarbeiten war die Kegelbahn in die Jahre gekommen. 40 Jahre wurde hier nichts gemacht, sagt Vereinsvorsitzender Frank Altenau.
Vor den Umbauarbeiten war die Kegelbahn in die Jahre gekommen. 40 Jahre wurde hier nichts gemacht, sagt Vereinsvorsitzender Frank Altenau. | Bild: SKG 77 Singen
Sanitäranlagen mit Charme vergangener Jahrzehnte: Hier wird alles erneuert.
Sanitäranlagen mit Charme vergangener Jahrzehnte: Hier wird alles erneuert. | Bild: SKG 77 Singen

Technik zum Zählen der Kegel, dazu zählen zum Beispiel auch Bildschirme, und der Belag der Kegelbahnen fehlen noch. Doch die charakteristische Form ist bereits erkennbar und die Farben kündigen sich an: Es wird blau-gelb, passend zu den Singener Stadtfarben.

Die Farben kündigen sich schon an: Es wird passend zu Singen gelb-blau.
Die Farben kündigen sich schon an: Es wird passend zu Singen gelb-blau. | Bild: Arndt, Isabelle

Nicht jeder Wunsch ist beim ersten Bauabschnitt bezahlbar

Beim Umbau beschäftigen den Verein viele Fragen, die Bauherren kennen werden: Gleich alles machen, damit es nicht zweimal dreckig wird, oder lässt das Budget das nicht zu? Diese Frage stellt sich beispielsweise bei der Treppe zum Obergeschoss, die am besten entfernt werden soll, damit keine Unbefugten die Bahn betreten.

Hobbykegler sind willkommen, betonen die beiden, sie können die Bahn mieten. Doch der Kegelverein wünscht einen pfleglichen Umgang mit dem neuen Herzstück des Vereins: „Wenn man die zum Beispiel nicht mit weißen Sohlen betritt, geht sie schnell kaputt“, erklärt Altenau. Klar ist, dass die Fenster im Bahnbereich erst im zweiten Abschnitt getauscht werden können, wenn es die finanzielle Situation des Vereins wieder zulässt.

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Drei Rentner sind täglich vor Ort – und drücken die Kosten

Einige Baumaßnahmen sind nur dank der Eigenleistung von Mitgliedern möglich – und bezahlbar. Bernd Kienzler rechnet vor: Für das Entfernen der Decke habe ein Angebot von 12.500 Euro vorgelegen, durch Eigenleistung waren letztlich nur Schutzanzüge und knapp 600 Euro für die Entsorgung nötig. „Wir wussten am Anfang nicht, ob wir das selbst machen können“, sagt er, doch nach Rücksprache mit dem Landratsamt hätten sie es gewagt und gemeistert. Dass das die Ehrenamtlichen viel Zeit kostet – geschenkt. Rolf Schürmeister, Micky Hirt und Bernd Kienzler sind die drei Rentner, die besonders engagiert mitarbeiten.

Die drei Rentner Rolf Schürmeister (von links), Bernd Kienzler und Micky Hirt bringen viel Eigenleistung ein, um die neue Vereinsstätte umzubauen.
Die drei Rentner Rolf Schürmeister (von links), Bernd Kienzler und Micky Hirt bringen viel Eigenleistung ein, um die neue Vereinsstätte umzubauen. | Bild: Arndt, Isabelle

Jeden Tag sind sie vor Ort, Kienzler arbeitet nach eigenen Angaben von 8 bis 18 Uhr. „Ohne unsere Rentner würden wir das nicht schaffen“, sagt Altenau. Und nach Feierabend oder am Wochenende kommen weitere Helfer dazu. Kühlräume haben schon dem künftigen Ausschank Platz gemacht, auch die Fliesen in den Sanitäranlagen sind entfernt.

Die bisher schlimmste Arbeit? Die Antwort ist eindeutig

Den Betonboden entfernen, sagen die beiden Männer wie aus einem Mund. Beton war unter den bisherigen Bahnen, musste im hinteren Bereich aber für den Kegelrücklauf weichen. „Allein das hat uns viele Tage gekostet“, sagt Frank Altenau und verweist auf das Bautagebuch, das schon über 1000 Einsatzstunden verzeichnet. Kienzler wird auch künftig viel vor Ort sein: Er ist für die Wartung der Bahnen zuständig. Einmal pro Woche kümmert er sich dann darum, dass die Kugeln lange exakt laufen.

Jens Wallraff (von links), Dusan Lukes und Miroslav Dolezal von Pauly-Bowling bringen weltmeisterliche Kegelbahnen nach Singen.
Jens Wallraff (von links), Dusan Lukes und Miroslav Dolezal von Pauly-Bowling bringen weltmeisterliche Kegelbahnen nach Singen. | Bild: Arndt, Isabelle

Profis aus Sachsen bauen eine Bahn wie für Weltmeister

Doch nicht alles können die Mitglieder selbst machen, bei Sanitär und Elektrik helfen professionelle Handwerker. Auch das Herzstück des neuen Heims, die vier Kegelbahnen, wird von Profis gefertigt. Dafür kam Jens Wallraff mit seiner Truppe eigens aus Leipzig nach Singen. „Kegeln ist heute nicht mehr so antiquiert wie noch vor einigen Jahren“, erklärt der bauleitende Ingenieur bei Pauly-Bowling. Die in Singen eingebaute Technik sei vor einem Jahr erstmals bei der Weltmeisterschaft getestet worden. Eigentlich waren die offiziellen Weltmeister-Ausstatter auch jetzt wieder bei der WM in Polen gefordert. Doch weil diese wegen Corona erstmal verschoben wurde, konnten die Spezialisten früher in Singen arbeiten.

Bernd Kienzler zeigt den Bauplan. Noch ist Einiges zu tun.
Bernd Kienzler zeigt den Bauplan. Noch ist Einiges zu tun. | Bild: Arndt, Isabelle

Spiele dauern künftig länger. Doch Hauptsache, sie können wieder spielen

Wenn die Bahn offiziell abgenommen ist, sind wieder Training und Wettkämpfe möglich. „An unserem bisherigen Standort in Twielfeld hatten wir sechs Bahnen, hier sind es vier“, sagt Altenau. Das bedeutet, dass ein Spiel künftig drei statt zwei Stunden dauern wird. Die alte Bahn des ESV-Clubheims zu übernehmen, sei aber nicht möglich gewesen: Diese wäre nicht für heutige Spiele zugelassen worden.

Ohne neues Heim hätte der Verein keine Zukunft

„Wir haben natürlich gebangt, ob der Verein weiter bestehen kann“, blickt Bernd Kienzler zurück. Der Mietvertrag im Twielfeld sei gekündigt worden, in Abstimmung mit der Stadt sei eigentlich nur das ESV-Clubheim als neue Vereinsstätte in Frage gekommen. Nachdem der Gemeinderat in einer ersten Sitzung im Mai einem Zuschuss über 154.000 Euro nicht zugestimmt hat, gab es zuletzt eine klare Zusage. Also können die Kegelsportler weiter an ihrem neuen Heim bauen. Altenau gefällt auch die neue Lage: In der Südstadt seien die Kegler mittendrin. Und beim nächsten Besuch soll es schon einen neuen, richtigen Haupteingang geben.

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