Seit fast einem Jahr ruht der Singener Jazzclub in der Zwangspause. Im Oktober 2020 fand unter strengen Hygienemaßnahmen das letzte Konzert des Jazzclubs statt. Einige Tage später war dann klar, dass die restliche Saison abgesagt werden muss. Wie ging es Ihnen damit?

Es sind mittlerweile zehn Monate, in denen nichts passiert ist. Es war frustrierend, allen Musikern absagen und Ersatztermine suchen zu müssen. Die Planung war von Monat zu Monat. Es gab ja immer die Hoffnung, dass es wieder weiter geht. Erst im April beschlossen wir, alles bis und mit Juli abzusagen. Jetzt hoffen wir, dass es diesmal alles länger geht und die Pandemie uns nicht dazwischenkommt. Wir müssen schauen, dass alles gut über die Bühne geht.

War bei Ihnen dann auch Stillstand angesagt? Wie haben Sie die Zeit seitdem verbracht?

Ich war voll beschäftigt mit Absagen, Umbuchungen und Ersatzterminen. Da wir so lange dachten, dass es doch wieder weitergehen könnte, ging das im Monatsrhythmus. Ich hatte gehofft, bereits im März die Veranstaltungen fortführen zu können. Zusätzlich haben wir für die Konzerte ab August Gelder aus dem Fördertopf des Berliner Kulturstaatsministeriums beantragt. Ob das funktioniert, ist aber noch nicht klar. Es werden unglaublich viele Hürden für solche Fördermittel eingebaut. Wir sind aber sehr froh, weiterhin die Zuschüsse der Stadt Singen zu erhalten.

Was erwartet das Publikum nun in der kommenden Saison?

Es werden viele deutsche und europäische Künstler kommen. Im August kann das Publikum erstmal den Kölner Trompeter Frederik Köster und das Quartett der Schlagzeugerin Eva Klesse erwarten. Klesse ist nun bereits das zweite Mal zu Gast bei uns. Im November und Dezember werden aber auch amerikanische Bands kommen. Beispielsweise die Trompeterin Jamie Branch, die dieses Jahr auch den deutschen Jazzpreis gewonnen hat, oder der Pianist Uri Caine. Insgesamt werden wieder ausschließlich Musiker auf Topniveau bei uns spielen. Dieses Jahr sind elf Konzerte inklusive zwei Matineen geplant. Das werden wir möglichst alles durchziehen.

Inwiefern werden die ausgefallenen Konzerte nachgeholt werden können?

Alle abgesagten Konzerte werden nachgeholt werden. Deswegen haben wir auch bereits bis Oktober 2022 schon alles durchgeplant.

Bleibt da im Programm überhaupt noch Platz für neue Künstler?

Das meiste sind wirklich Konzerte, die eigentlich schon stattfinden hätten sollen. Das ist natürlich vor allem für die Musiker schlimm. Es ist bei den meisten Veranstaltungsorten das gleiche, sodass es kaum neue Auftrittsmöglichkeiten gibt. Für uns hat das zur Folge, dass alle, die sich jetzt neu bewerben nach hinten geschoben werden. Allerdings sind nicht alles Nachholtermine. Neu auf unserer Bühne ist beispielsweise das deutsche Ensemble Thärichen‘s Tentett. Der polnische Saxophonist Maciej Obara ist mit seinem Quartett ebenfalls zusätzlich ins Programm gekommen. Er ist in den letzten Jahren richtig gut geworden.

Durch den langen Lockdown sind Konzerte quasi unmöglich gewesen. Wie haben Sie es in dieser konzertlosen Zeit geschafft, sich trotzdem neue Anregungen zu holen?

Wo gibt es denn noch Konzerte! Ich habe mich über Jazzzeitschriften informiert, aber auch über das Radio und CDs. Natürlich erhalten wir aber auch immer Bewerbungen von Künstlern, die gerne bei uns auftreten möchten. So bleibt man auf den laufenden.

Was hat sich durch Corona in der kommenden Saison verändert?

Es hat sich nicht wirklich etwas verändert. Wir haben nicht bewusst mehr deutsche Künstler ins Programm genommen, aber die Reisebeschränkungen zeigen trotzdem ihre Wirkung. Für deutsche und europäische Musiker ist es von Vorteil, dass somit weniger amerikanische Bands gebucht werden. Für uns gilt das allerdings nicht. Das Programm ist weiterhin international. Sollte ein Termin nicht zustande kommen können, werde ich versuchen Künstler von meiner Warteliste zu erreichen. Das sind dann in der Regel eben Deutsche oder Schweizer. Nur sind Organisation und Reservierungen für uns enorm aufwändig geworden. Da die Zuschauerzahlen so begrenzt sind, ist jetzt alles knapper bemessen. Wir können nicht mehr damit kalkulieren, dass 20 Prozent der Reservierungen nicht kommen. Deswegen bin ich viel am Nachtelefonieren. Bei mir zuhause hängen mittlerweile lauter Listen! In der letzten Saison ist es aber nahezu immer ausverkauft gewesen.

Was für Hygienemaßnahmen haben Sie geplant?

Es bleibt bei den Beschränkungen des vergangenen Jahres. Grundsätzlich gilt das Hygiene-Konzept der Gems. 65 Personen mit Abstand können pro Konzert kommen, theoretisch sogar ohne die 3G-Regelung. Da bei steigender Inzident jedoch wieder Test, Impfung oder Genesenenbescheinigung benötigt werden, haben wir uns entschlossen diese immer beizubehalten.

Am 27. August wird Eva Klesse, die jetzt gerade zur Gewinnerin des SWR Jazzpreises 2021 gekürt wurde, bei Ihnen auftreten. Hatten Sie bei der Erstellung des neuen Programms bereits eine Ahnung, dass sie diesen erhalten würde?

Sowas kann man nicht ahnen. Für Eva Klesse ist es nun bereits das dritte Mal im Singener Jazzclub. Ursprünglich hätte sie schon im April auftreten sollen. Durch Corona ist es nun eben erst jetzt. Aber natürlich ist klar, dass sie eine erstklassige Musikerin ist.

Es sind ausgesprochen viele preisgekrönte Künstler im Jazzclub vorzufinden. Wie gelingt es Ihnen stets ein so hochkarätiges Programm zusammenzustellen?

Das ist schwierig zu sagen. Die Musiker wollen eben alle wo spielen und wenn wir die Gage zahlen können, dann ist das bei uns. Wir zahlen im Vergleich zu anderen Veranstaltungsorten gute Gagen. Außerdem hat der Jazzclub sich einen guten Namen gemacht. Da wissen sie, dass sie gut bedient werden, mit Hotelempfang und allem Drum und Dran.