Christoph Wagner

Émile Parisien ist einer der Musiker, der in den letzten Jahren dem französischen Jazz wieder zu Achtung auf dem internationalen Parkett verholfen hat. Der 40-jährige Sopransaxofonist aus Paris hat es zu einer derartigen Reputation gebracht, dass er die hochkarätigsten Musiker aus dem Mutterland des Jazz, die USA, für sein aktuelles „Louise“-Sextett gewinnen konnte.

Neben dem Schlagzeuger Nasheet Waits, dessen Vater Freddie Waits schon ein renommierter Jazzschlagzeuger war, und dem Kontrabassisten Joe Martin ist es insbesondere der Trompeter Theo Croker, der den Ton im Ensemble von Parisien bestimmt.

Es beginnt lyrisch

Zusammen mit dem Italiener Roberto Negro am Piano und Parisiens Landsmann Manu Codjia an der E-Gitarre entwirft der Bandleader einen solistisch geprägten Jazz, der mit Kraft, Dynamik und Intensität daherkommt und trotzdem voller Komplexität ist, dabei aber auch Momente subtiler Versonnenheit kennt.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Auftritt begann lyrisch, ja fast meditativ, wobei Parisiens weiche Saxofontöne sich über einem Klangteppich aus schillernden Gitarrenakkorden erhoben. Mehr und mehr nahm die Musik an Fahrt auf, wobei das Muster, sich von einer ruhigen Elegie zu einem kraftvollen Power-Play zu steigern, mehrfach während des Abends in der Gems zum Tragen kam.

Hier Soli, dort Klangeinheit

In beeindruckenden Soli demonstrierten die Musiker der Combo immer wieder ihre Klasse, wobei vor allem das Schlagzeugsolo durch eine atemberaubende Virtuosität beeindruckte. Die Zugabe, eine Komposition von Theo Croker, entpuppte sich als modernstes Stück des Abends, das den Jazz in eine Drone-Musik (Drone bezeichnet ein Klangbild, das auf langen Haltetönen aufbaut) minimalistischer Art verwandelte: Über einem konstanten Dröhnen von Gitarrensounds legten die Bläser ihre langen Töne, wobei die Gruppe in diesem Stück von einem Ensemble von Solisten zu einer einzigen Klangeinheit verschmolz.