250 Demonstranten hatte die indische Gemeinde Singens bei der Stadtverwaltung für einen friedlichen Protest gegen drei neue Agrargesetze in ihrer Heimat angekündigt. Tatsächlich kamen am Samstagnachmittag aber nur 40 Teilnehmer. Einige waren extra aus Tübingen oder Stuttgart angereist.

Millionen Inder demonstrieren seit Monaten

Unter der Aufsicht von zwei Polizeibeamten versammelten sie sich auf der Kreuzung von August-Ruf- und Hegaustraße, wo sie auf die Problematik hinwiesen: Seit Monaten demonstrieren drei Millionen Menschen in Indien friedlich gegen die neuen Gesetze, die den Landwirten die Lebensgrundlage zu nehmen drohen.

Weil die Regierung sich von Großmärkten und garantierten Mindestpreisen für die Ernte verabschiedet, könnten private Großunternehmer einen ruinösen Preiskampf anzetteln, fürchten die Bauern. Sie haben sich vor den Toren Neu Delhis versammelt und wollen nicht weichen, bevor die Gesetze zurückgenommen sind.

„Stirbt der Bauer, stirbt das Land“

Aus Solidarität mit den Menschen in ihrer Heimat gehen Inder, die im Ausland leben, in vielen Städten der Welt ebenfalls auf die Straßen, halten Plakate hoch und erklären das Dilemma der Bauern, die heute schon am Existenzminimum leben.

50 Prozent der Inder leben von der Landwirtschaft. Die meisten sind Kleinbauern. „Stirbt der Bauer, stirbt das Land“, heißt es auf einem Plakat in der Singener Fußgängerzone, in der wegen des Corona-Lockdowns nur wenige Menschen unterwegs sind.

„Möglichst viele Menschen wachrütteln“

Was aber kann ein Protest der kleinen indischen Gemeinde in Singen bewirken? Lakhwinder Singh erklärt das am Rande der Kundgebung: „Wir wollen weltweit möglichst viele Menschen wachrütteln. Wir möchten erreichen, dass die Welt das Dilemma erkennt und die Politik diplomatischen Druck auf die Regierung Modi ausgeübt.“ Letztendlich gehe es um Menschenrechte.

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In Deutschland haben größere Demonstrationen bisher in Stuttgart, Hannover, Frankfurt, Berlin und Hamburg stattgefunden.