Die Kaufpreise für Immobilien schießen weiter in die Höhe. Dies gilt sowohl für Häuser als auch für Eigentumswohnungen. In den vergangenen zehn Jahren gab es laut Erhebungen von Experten der Branche im Landkreis Konstanz und in Singen eine durchschnittliche Wertsteigerung der Immobilien, wie Häuser und Wohnungen, um etwa 90 Prozent. Besonders steil verläuft die Kurve seit 2017. In Gottmadingen sind die Immobilien im Schnitt seit 2010 sogar mehr um das Doppelte wert (110 Prozent). Analog der Entwicklung steigen auch die Mietkosten weiter an.

Großer Ansturm auf günstige Wohnungen

Städte und Gemeinden des Hegaus setzen nun wie über Baugenossenschaften auf ein Landesprogramm, das günstige Mieten ermöglicht. Dabei sind nicht minder bemittelte soziale Härtefälle die große Zielgruppe, sondern Familien, Paare und Einzelpersonen, die über ein vergleichsweise normales Einkommen verfügen. So kommt eine Familie mit zwei Kindern bei der Vergabe von Mietwohnungen zum Zug, wenn das jährliche Einkommen 66.000 Euro netto nicht übersteigt. Einen großen Ansturm gibt es auf solche Wohnungen beispielsweise in Gottmadingen und Engen.

54 neue geförderte Wohnungen

Die Wohnbaugenossenschaft Gottmadingen (WBG) will bei einem Großprojekt „günstige Wohnungen zu fairen Preisen anbieten“, wie Vorstand Vera Federer betont. Die WBG baue derzeit in der Gottmadinger Hardstraße 54 Wohnungen mit 48 Tiefgaragen-Plätzen. „Dies erhöht den Bestand an eigenen Wohnungen von 292 Mieteinheiten auf rund 350 Wohnungen“, erklärt sie. Es entstünden barrierefreie Wohnungen mit Terrassen oder Balkonen. Ein hoher Standard an Energie-Effizienz soll auch die Heiz-Nebenkosten niedrig halten. 45 der Wohnungen werden mit Mitteln der Landeswohnraum-Förderung erstellt und sollen mit rund 6,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche vermietet werden. Auf dem freien Markt bewegten sich die Mietkosten in Gottmadingen zwischen 9 und 12 Euro pro Quadratmeter, vergleicht Vera Federer. „Wer eine vergünstigte Wohnung anmieten will, muss Mitglied der WBG sein und einen Wohnberechtigungsschein vorweisen, den die Gemeindeverwaltung erstellt.“

Herausforderung und wichtiges Ziel

„Wohnraum für alle zu schaffen, ist auch in Gottmadingen eine Herausforderung und für die WBG ein grundlegendes Ziel“, erklärt Bürgermeister Michael Klinger als Vorsitzender des WBG-Aufsichtsrates. Auch wer zum Beispiel als Altenpfleger oder Verkäuferin kein Spitzen-Einkommen habe, müsse für sich und die Familie Wohnraum finden können. So wie bei einem Wohngebäude der Gemeinde über die Anneliese-Bilger-Stiftung“, betont er. Trotz Corona wird der erste Bauabschnitt von 18 Wohnungen voraussichtlich drei Monate früher als geplant fertig gestellt, sodass eine Vermietung voraussichtlich im Laufe des zweiten Quartal 2021 erfolgen könne. „Uns ist es sehr wichtig, eine gute Quartiersgemeinschaft zusammenzustellen. Menschen mit Kindern, ältere Mitglieder und neu gewonnene Mieter sollen hier ein Zuhause finden. Der Vorstand wird sich persönlich an dem Auswahlverfahren beteiligen“, betont Vera Federer. Zusammen mit dem nebenamtlichen Vorstand Joachim Blatter habe sie das Projekt entwickelt, gesteuert und aktiv begleitet.

„Die WBG investiert jährlich rund 350.000 Euro in die Instandhaltung und innerhalb zwei bis drei Jahren zwischen 1,5 und 3,0 Millionen Euro in die Modernisierung“, berichtete Vera Federer. Die durchschnittliche Grundmiete liege knapp unter sieben Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Es gebe auch viele Miet-Interessenten aus Singen und dem ganzen Landkreis Konstanz.

Auch energetisch auf Topstand

Auch Engens Bürgermeister Johannes Moser setzt bei der Schaffung von günstigem Wohnraum auf Baugenossenschaften. So kooperiert die Stadt seit Jahren mit dem Radolfzeller

Im Welschinger Neubaugebiet Guuhaseln wird derzeit kräftig gebaut.
Im Welschinger Neubaugebiet Guuhaseln wird derzeit kräftig gebaut. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Bodensee. Sie hat in der Seestraße neben dem Stadtpark 36 Mietwohnungen erstellt. „Dort gab es günstige Wohnungen. Die sind energetisch auf einem Top-Stand. Die Mieter können zudem Heizkosten sparen“, zeigt Moser auf. Das Familienheim Bodensee plane ein weiteres größeres Projekt in Engen.

Investor für Krone-Areal gesucht

„Die Stadt Engen ist derzeit auch bemüht, einen Investor für die Bebauung des Krone-Areals im Stadtteil Anselfingen zu finden. Der Gemeinderat hat bewusst dieses Grundstück gekauft, damit dort bezahlbare Wohnungen entstehen können. Dies ist nur auf größeren Flächen möglich“, betont Moser.

„Die Städte und Gemeinden in der Region plädieren auch dafür, dass das Land Baden-Württemberg neue Strukturen schafft, um ein kommunales Vorverkaufsrecht für den Erwerb solcher Grundstücke erhält. Dabei sollte es möglich sein, den gleichen Kaufbetrag wie den von privaten Angeboten bezahlen zu können“, sagt Moser auch als Kreis-Vorsitzender des Gemeindetags. „Wir wollen weiterhin durch die Ausweisung neuer Baugebiete Engenern und Auswärtigen die Möglichkeit geben, Häuser zu erstellen“, so Moser.

Hilzingen will faire Preise

„Es können derzeit zwar beste Preise für den Verkauf von Immobilien erzielt werden. Unsere gut 2000 Mitglieder machen aber als Eigentümer kaum davon Gebrauch. Sie setzen auf die Sicherheit dieses Eigentums in Zeiten, in denen Geldguthaben kaum Erträge abwerfen“, berichtet Bernhard Hertrich, Vorsitzender des Singener Vereins Haus und Grund. Die meisten Mitglieder, die aus dem gesamten Hegau kommen, verzichteten viele Jahre auf Mieterhöhungen. Das liegt daran, dass sie es schätzen, wenn sie gute und langfristige Mieter haben“, so Hertrich. So betrage die durchschnittliche Miete bei den Mitgliedern von Haus und Grund zwischen 7 Euro und 7,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Um Mietern faire Preise zu ermöglichen, habe die Gemeinde Hilzingen zu günstigen Konditionen ein Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee 24 Wohnungen erstelle.

„Die Mietpreise sollen sich zwischen 8 Euro und 8,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bewegen. Für die Anmietungen sind keine Bedingungen nötig, wie das Vorzeigen von Wohnberechtigungsscheinen“, sagt Hertrich. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender des Familienheims und wohnt in Hilzingen, wo er lange Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreter war.

Gerhard Hammer betreibt seit vielen Jahren ein Immobilien-Unternehmen. Der Markt in dieser Branche ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen.
Gerhard Hammer betreibt seit vielen Jahren ein Immobilien-Unternehmen. Der Markt in dieser Branche ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Pandemie kann den Immobilienmarkt schädigen“

  • Stetiger Anstieg: Der Bankfachwirt und Immobilien-Experte, Gerhard Hammer, gilt aufgrund 50-jähriger Berufserfahrung als alter Hase in der Branche im Hegau und westlichen Bodenseeraum. Er war lange Zeit als Banker tätig, wie als Leiter der Volksbank in Gottmadingen. Hammer erzielt als Inhaber der Firma Immobilien Bodensee mit Sitz in Singen in einem achtköpfigen Team sein Einkommen. Er hat Höhen und Tiefen des Marktes erlebt. Nach der innerdeutschen Grenzöffnung boomte das Geschäft etliche Jahre, dann flaute es ab. Seit 2010 geht es steil bergauf. „Das liegt sicherlich am günstigen Schuldzins von derzeit teils unter einem Prozent. Die Immobilie hat im Gegensatz zum Geld einen sicheren Wert, der sich in den vergangenen drei Jahren überdurchschnittlich gesteigert hat“, erklärt Hammer. „Es gab Zeiten, in denen sich das Zinsniveau zwischen zehn und 15 Prozent bewegte. Es musste oft weit mehr als das Doppelte des Immobilien-Kaufpreises an die Kreditgeber zurückbezahlt werden. Derzeit fallen auch bei langfristigen Verträgen zusätzlich zum Kaufpreis nur überschaubare Zinskosten an“, sagt er.
  • Corona birgt große Gefahr: „Wie sich der Markt bei den Immobilien künftig entwickelt, hängt hautsächlich von den weiteren Folgen der Corona-Pandemie ab. Sollte es soweit kommen, dass Corona große Teile der Wirtschaft lahmlegt, wird auch in unserer Region durch einen drohenden massiven Verlust von Arbeitsplätzen den Immobilienmarkt schädigt“, sagt Hammer.
  • Immobilie als Kapitalanlage: „Wir stellen auch zunehmend fest, dass unsere Kunden ihr Geld in Immobilien investieren, weil sie keine Zinsen für ihre Bank-Guthaben erhalten oder sogar noch mit solchen belastet werden“, schildert Hammer. „Kapitalanlagen in vermietete Immobilien werfen im Vergleich zu Wertpapieren sichere Erträge ab. Zudem gibt es rechtlich gesicherte Möglichkeiten, bei Eigenbedarf später selbst einzuziehen“, Hammer. Er setzte auf eine intensive Kundenbetreuung und einen Rund-um-Service, damit die Geschäfte für alle Kunden passen. Ein Großteil des Geschäftes mache sein Unternehmen bei der Vermittlung von privaten Käufern und Verkäufern. „Wir haben eine Vormerkliste von 6500 Interessenten an Immobilien“, verrät Gerhard Hammer, den ein bekanntes Nachrichtenmagazin vor sieben Jahren als bundesweit einer der besten Immobilienmakler ausgezeichnet hatte. (bit)