Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) des Landkreises Konstanz möchte 2022 ihr Projekt „Perkos“ gern weitermachen. In diesen Tagen wird entschieden, ob eine Förderung für ein weiteres Jahr durch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds bewilligt wird. Dieser ist eine Einrichtung der Europäischen Union, die halfen soll, Arbeitslosigkeit zu verringern und soziale Teilhabe zu fördern.

Das Kürzel Perkos steht für „persönliche Kompetenzen stärken“. Die Teilnehmer sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 17 bis etwa 28 Jahren, die vom Jobcenter an die AWO vermittelt werden. Alle Teilnehmer erhalten Arbeitslosengeld II oder sind Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft, rund die Hälfte hat keinen Schulabschluss.

Individuelle Hilfen

Häufig haben die jungen Erwachsenen auch noch mit anderen Dingen wie Obdachlosigkeit, Sucht oder Überschuldung zu kämpfen. „Wir schauen ganz individuell, welche Maßnahmen für die einzelnen Teilnehmer in Betracht kommen“, sagt die Seminarleiterin Sophie Wolfersdorff. Im Unterricht geht es auch darum, zu lernen, konstruktiv mit anderen zu diskutieren. Dabei lernen die Teilnehmer wichtige soziale Kompetenzen und Toleranz gegenüber anderen.

Nach den Vorgaben des Jobcenters sollen die Teilnehmer auch fit für Arbeit und Beruf gemacht werden. Dabei geht es anfangs oft erst einmal um das Gewöhnen an eine Tagesstruktur. „Ich hatte jahrelang keine Struktur. Dass ich das nun hier habe, ist sehr schön“, sagt der 18-jährige Kevin.

„Ich war erst skeptisch, doch es bringt mir sehr viel“

Der 24-jährige Petrit hat einen Hauptschulabschluss und eine Lehre abgebrochen, bevor er zu Perkos kam. „Ich war erst skeptisch, doch es bringt mir sehr viel. Ich möchte noch länger im Projekt bleiben, um herauszufinden, in welche Richtung es für mich gehen kann“, sagt der junge Mann. Kevin und Petrit sind in der dritten Stufe und kommen somit fünf Mal in der Woche in den Unterricht. Andere Teilnehmer sind in den ersten beiden Phasen nur zwei beziehungsweise drei bis vier Mal die Woche im Unterricht.

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Im laufenden Jahr sei Perkos eine sehr dynamische Gruppe, in der sich alle sehr gut verstehen, sagt Wolfersdorff. Für die Teilnahme könne in Absprache mit dem Jobcenter auch eine Verlängerung beantragt werden. „Damit sie nicht auf halbem Weg verloren gehen“, sagt AWO-Geschäftsführer Reinhard Zedler.

Im Unterricht geht es auch darum, dass die Teilnehmer ihre Stärken und Schwächen erkennen und dass die Stärken dann besonders gefördert werden. „Bei der Berufsfindung stellen wir fest, dass die Jugendlichen oft nur wenige Berufe kennen und auch in der eigenen Familie oft keine Vorbilder haben“, so die Erfahrung von Andreas Syré.

Wichtige Bildungsthemen

Im nächsten Jahr wollen Sophie Wolfersdorff und die Mitarbeiter Farah Zeiner und Andreas Syré neue Dinge aufgreifen. So sollen Themen wie Digitalisierung, Ökologie und Klimawandel im Unterricht und in Workshops mehr berücksichtigt werden. In einem Unterrichtsblock in Sozialkunde will man die Europäische Menschenrechtskonvention und ihre Charta der Grundrechte thematisieren. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit den Eltern der Teilnehmer intensiviert werden.