Es war eine Diagnose, die Alexander Hasenkampf und dessen Familie den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Von einem Tag auf den anderen hat sich das Leben des Lastwagenfahrers aus Singen auf den Kopf gestellt. Im September wurde klar: Der 62-Jährige leidet an Primärer Myelofibrose. Dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Knochenmarks. Es gibt für diese seltene Krankheit nur eine Heilungschance: Der einzige Weg, um Alexander Hasenkampf zu helfen, wieder völlig gesund zu werden, ist eine Stammzellspende von einem genetischen Zwilling. Der wird nun gesucht.

Sie wollen ihrem Vater und Schwiegervater helfen: Marina Filipczyk und ihr Ehemann Benedikt sind fleißig dabei, Werbung für die ...
Sie wollen ihrem Vater und Schwiegervater helfen: Marina Filipczyk und ihr Ehemann Benedikt sind fleißig dabei, Werbung für die Typisierung zu machen. | Bild: Matthias Güntert

Aus diesem Grund bittet Marina Filipczyk nun, ihrem erkrankten Vater zu helfen. Dafür hat sie zusammen mit ihrer Familie und Freunden eine Typisierungsaktion „Hilf Alexander“ ins Leben gerufen.

Primäre Myelofibrose – zwei Worte, die schwer auszusprechen sind. Umso fieser ist die Krankheit zum menschlichen Körper. „Das Knochenmark vernarbt“, erklärt Benedikt Filipczyk. Er ist der Ehemann von Marina und hilft bei der Organisation der Typisierung. Vereinfacht formuliert, kämpft der menschliche Körper mit einer Fehlfunktion der Stammzellen, die im Knochenmark für die Blutproduktion zuständig sind. Diese Fehlfunktion führe laut dem Selbsthilfeforum für Betroffene von myeloproliferativen Neoplasien zu einer gesteigerten Neubildung von Knochenmarks- und Blutzellen. Im Fall der Primären Myelofibrose habe dies auf Dauer eine Verödung und Faserbildung des Knochenmarks zur Folge, schildern die Filipczyks.

Die Blutwerte sind stabil – mehr aber nicht

Ihren Vater beschreibt Marina Filipczyk als echten Familienmensch. Der dreifache Opa sei für jeden Spaß zu haben und habe immer einen Witz auf den Lippen. Seine Freizeit verbringe er gerne beim Angeln, momentan sei er aufgrund der Erkrankung allerdings zu schwach dafür. „Die Blutwerte sind im Moment stabil“, teilt sie mit. Aber stabile Werte würden eben auch nur bedeuten, dass sich der Zustand nicht merklich verschlechtere.

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Die Tochter erinnert sich: Anfang des Jahres sei ihr Vater immer häufiger krank gewesen. Fast ein halbes Jahr habe der Singener nicht gewusst, was ihm fehle. Dann der Schock im September: Ihr Vater hat Primäre Myelofibrose – eine unheilbare Krankheit. Trotz der niederschmetternden Diagnose sei die ganze Familie laut der 35-Jährigen erleichtert gewesen, endlich zu wissen, was dem Familienvater fehle. „Wenn man nicht weiß, was los ist, ist das auch keine schöne Situation“, sagt sie. Aufgeben sei nicht ihr Ding. „Wir haben uns dann in der Familie überlegt, wie wir helfen können“, sagt sie.

Typisierung als letzte Hoffnung

Nun soll eine Typisierung helfen, den genetischen Zwilling zu finden. Marina Filipczyk weiß, dass die Chancen nicht sonderlich hoch sind: „Natürlich ist Hoffnung da, sonst würden wir das nicht machen. Aber ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass es auch nicht klappen kann.“

Wenn bei der Aktion für ihren Papa ein passenden Spender gefunden werde, sei dies natürlich super. „Mir ist es aber auch einfach wichtig, dass das Thema Stammzellspende bekannter wird. Es soll ins Bewusstsein der Menschen! Es ist wichtig, dass die Leute darüber informiert werden, dass man mit einer Registrierung und wenig Aufwand ein Menschenleben retten kann“, betont die Tochter, die selbst schon seit ein paar Jahren in der DKMS-Datenbank typisiert ist. „Aus der Familie gibt es keine passenden Spender, deswegen brauchen wir jetzt eine Fremdspende“, sagt die 35-Jährige.

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Die häufigste Erkrankung, bei der ein Patient auf eine Stammzellen-Spende benötigt wird, ist der Blutkrebs. Dabei liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine registrierte Person für eine Knochenmarkspende in Frage kommt, bei etwa einem Prozent. Das klingt nach wenig. Aufgrund der im Augenblick fast zehn Millionen Registrierten, können sich die meisten der 12.500 jedes Jahr in Deutschland neu an Blutkrebs–Erkrankten aber realistisch Hoffnung machen, dass für sie ein Spender gefunden wird. „Mittlerweile finden wir in Deutschland für 80 Prozent aller Patienten einen Treffer“, sagt DKMS-Sprecherin Julia Ducardus im September im SÜDKURIER.

Die Chance, für Alexander Hasenkampf jemanden zu finden, steigt, wenn sich viele Menschen typisieren lassen. „Abgesehen davon könnten auch anderen Menschen geholfen werden, die auf eine Stammzellenspende warten“, ermutigt Marina Filipczyk.

Was sie sich von der Typisierung wünscht? „Wir freuen uns alle auf den Tag und wir hoffen, dass viele Menschen kommen“, sagt sie. Sie sei dankbar, dass viele Freunde und Bekannte bei der Aktion helfen wollen. Und sie wünscht ihnen allen, dass sie zwischen 10 und 16 Uhr etwas ins Schwitzen kommen. „Das würde bedeuten, dass richtig viel los ist“, sagt Marina Filipczyk mit einem Lächeln. Und natürlich sei da noch ein Wunsch: „Bei einer passenden Spende kann mein Vater wieder ganz gesund werden!“