Die grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger lässt derzeit ihre Beziehungen nach Stuttgart spielen und hat im Rahmen ihres Wahlkampfs Verkehrsminister Winfried „Winne“ Hermann zum Gespräch gebeten. Rund 30 Teilnehmer, in erster Linie Mitglieder der Grünen, diskutierten in einer Videokonferenz. Dabei stellte Hermann auch seine persönliche Verkehrsbiografie, sein Buch mit dem Titel „Und alles bleibt anders“, vor.

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Die Verkehrswende haben sich die Grünen auf die Fahne geschrieben. Dabei gehe es nicht darum, Mobilität einzuschränken, sondern neue Wege zu finden, so Wehinger. Doch im Gespräch wurde deutlich, dass es noch viele Baustellen auf dem Weg zur Wende gibt. Bis 2030 soll sich zum Beispiel der Nahverkehr verdoppeln. Ein Baustein ist die Reaktivierung von stillgelegten Bahntrassen. Zwei dieser Strecken betreffen den Wahlkreis Singen/Stockach: die Etzwiler Bahn und die Ablachtalbahn. Der Bund unterstütze eine Reaktivierung, wenn sie wirtschaftlich sei, mit 90 Prozent, so Hermann. Die Entscheidung, ob man sich eine so hohe Förderung entgehen lassen wolle, liege aber bei den Gemeinden. „Die Kommunalpolitik muss der Treiber sein“, erklärte Hermann. Dagmar Eisenhart, grüne Gemeinderätin in Rielasingen-Worblingen, plädierte auch im Hinblick auf die Gegner der Etzwiler Bahn dafür, die Bürger noch besser aufzuklären. Zu den Gegnern sagte Hermann: „Wir müssen alternative Verkehrsmittel anbieten, sonst schaffen wir die Verkehrswende nicht.“

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Eine Bahnverbindung, an deren Verbesserung „wir schon seit Jahrzehnten rummachen“, sei die Gäubahn von Singen nach Stuttgart, so Wehinger. Hier konnte Hermann eine gute Nachricht der Deutschen Bahn übermitteln: durch Einsatz eines anderen Zugtyps, der auch für die Schweiz sicherheitstechnisch kompatibel ist, komme man ab 2022 umsteigefrei stündlich von Stuttgart über Singen nach Zürich. Zum gesamten Ausbau der Strecke sagte Hermann: „Wenn die Bahn sagt, da soll was passieren, braucht es Jahre bis zur Umsetzung.“ Das Land sei da nur Bittsteller. Für ihn sei aber klar, dass die Singener Kurve nur für den Güterverkehr infrage komme.

Radmitnahme im Bus: Fehlanzeige

Auch die Themen E-Mobilität und Radmitnahme im Nahverkehr wurden von Wehinger und Diskussionsteilnehmern angesprochen. Hermann meinte, im ländlichen Raum werde man weiterhin auf das Auto angewiesen sein. Hier könne die E-Mobilität und Car-Sharing stärker zum Tragen kommen. Michael Gangotena vom ADFC Sigmaringen wies auf die mangelnde Möglichkeit hin, Räder im Bus mitzunehmen. Die Radmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln sei noch ausbaufähig, wie die Radverkehrsbeauftragte des Landkreises, Sandra Sigg, ebenfalls feststellte.