Die Ski stehen griffbereit im Keller. Der Schnee wäre optimal, aber eine Ausfahrt kommt für Gunter Stadlbauer trotzdem nicht in Frage. Der Blick zum strahlend blauen Himmel vermischt sich mit einem Funken Wehmut. Aber der Vorsitzende des Ski-Clubs Gottmadingen muss standhaft bleiben. In seiner Funktion hat er nicht nur Verantwortung, sondern muss auch Vorbild für die 880 Mitglieder sein, von denen auch etliche aus Gailingen und Hilzingen kommen.

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Die von Bund und Land verordneten Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie lassen den Skifahrern keinen Spielraum. Obwohl der Sport im Freien ausgeübt wird, gelten auch für sie die Kontaktbeschränkungen. Dass es keine gewöhnliche Saison werden würde, darauf waren die Club-Mitglieder seit dem vergangenen Frühjahr vorbereitet. „Aber als wir unser Programm geplant haben, konnten wir uns den totalen Stillstand nicht vorstellen“, sagt Stadlbauer.

Wenn selbst der heimische Garten weiß ist, müssen die Schneebedingungen in den Bergen perfekt zum Skifahren sein. Doch der Vorsitzende des Gottmadinger Ski-Clubs muss seine gewachsten Ski im Keller stehen lassen. Dass die Saison ganz ausfällt, will er aber noch nicht glauben.
Wenn selbst der heimische Garten weiß ist, müssen die Schneebedingungen in den Bergen perfekt zum Skifahren sein. Doch der Vorsitzende des Gottmadinger Ski-Clubs muss seine gewachsten Ski im Keller stehen lassen. Dass die Saison ganz ausfällt, will er aber noch nicht glauben. | Bild: Trautmann, Gudrun

Kurse werden nach und nach abgesagt

Nach den Erfahrungen vom März 2020 habe man sich ausgefeilte Hygienekonzepte überlegt. Vieles habe man sich vorstellen können: Tagestouren mit individueller Anreise, Verzicht auf den Wirtshausbesuch sowieso und natürlich Masken. Die Freunde des weißen Sports wollten sich nicht entmutigen lassen, zumal das Infektionsgeschehen im Sommer durchaus Anlass für Optimismus gegeben habe.

Sie setzten sich zusammen und planten Skikurse in Elm, Langlaufkurse in Hittisau, Snowboard-Kurse für Kindergartenkinder und für alle Leistungsstufen, Telemark-Kurse, ein Ersatz-Wochenende für den im März 2020 geplanten Workshop in Flumserberg, ein Jugendspezial-Wochenende mit Massenlager und eine sechstägige Ski-Safari in den Dolomiten. 55 Seiten stark ist das Programmheft. Gespickt mit Erinnerungsfotos aus besseren Zeiten soll es Appetit auf Wintersport machen.

Verein schaut immer noch optimistisch in die Zukunft

Über die Homepage des Vereins kann man sich immer noch für Kurse und Ausfahrten im Februar und März anmelden. Um Irritationen vorzubeugen, erklärt Gunter Stadlbauer das Verfahren im Verein. „Wir wollen ein Zeichen setzen und nicht gleich alles absagen“, sagt er.

Erinnerungen an bessere Zeiten: Im Januar 2019 war für den Ski-Club Gottmadingen die Welt noch in Ordnung. Das Gruppenbild zeigt alle Teilnehmer und Übungsleiter.
Erinnerungen an bessere Zeiten: Im Januar 2019 war für den Ski-Club Gottmadingen die Welt noch in Ordnung. Das Gruppenbild zeigt alle Teilnehmer und Übungsleiter. | Bild: Sik-Club

„Wir sind immer noch sehr motiviert und voller Hoffnung und Optimismus, dass die Infektionszahlen runtergehen.“ Denn bei aller Enttäuschung darüber, dass bisher alle Kurse ausfallen mussten, stellt Stadlbauer klar, dass der Gesundheitsschutz Priorität habe.

Vorstand entscheidet auf der Grundlage von vereinbarten Stichtagen

Im Vorstand habe man sich darauf verständigt, auf Sicht zu fahren: „Wir haben für jede Veranstaltung einen Stichtag definiert, an dem wir entscheiden, ob sie abgesagt werden muss oder stattfinden kann“, erklärt der Vorsitzende. Mit dem Ordnungsamt der Gemeinde Gottmadingen wurden die Schutzkonzepte im Detail erarbeitet für den Fall, dass die Veranstaltung stattfinden kann.

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„Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert“, lobt Stadlbauer. „Wenn wir ein Konzept eingereicht haben, kam noch am gleichen Tag die Antwort mit der Genehmigung oder Verbesserungsvorschlägen.“

Großzügige Absprachen mit Hoteliers ermöglichen Flexibilität

Die Familientage für 180 Teilnehmer in Flumserberg mussten abgesagt werden. „Wir konnten mit dieser Entscheidung verhältnismäßig lange warten, weil wir uns schon lange im Voraus mit unseren Beherbergungspartnern über besondere Storno-Konditionen geeinigt hatten“, erklärt Gunter Stadlbauer.

„Die Absage fiel uns ziemlich schwer. Ende September wurde im 15-köpfigen Vorstand in einer Kampfabstimmung so entschieden, weil sich die Teilnehmer ab 1. Oktober hätten anmelden müssen.“ Auch die Woche in den Dolomiten ist abgesagt.

Hoffnung auf eine abgespeckte Saison bleibt

Nun hoffen die Vorstandsmitglieder, dass noch eine sehr abgespeckte Saison im Februar und März möglich sein wird. „Die Lehrgänge für die Übungsleiter Mitte März sollen auf jeden Fall stattfinden“, gibt sich Stadlbauer zuversichtlich. „Wir brauchen schließlich auch nach der Pandemie noch Trainer mit gültigen Lizenzen.“ Alle zwei Jahre müssen die Übungsleiter diese verlängern.

Auch das Renntraining müsse weitergehen. Stolz verweist der Vorsitzende auf Kathrin Reischmann, die als Mitglied der deutschen Telemark-Mannschaft in der Saison 2019/20 am Weltcup teilgenommen hat.

Zuschüsse kommen vom Badischen Sportbund

Der Verein ist Mitglied im Badischen Sportbund und erhält von dort Zuschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit sowie in allen Rechtsfragen. Derzeit werde darüber diskutiert, ob die Verbandsabgabe ausgesetzt werden kann, sagt Stadlbauer.

Er ist auch Bezirksvorsitzender und weiß, dass die Bezirksabgabe ausgesetzt werden soll. Wenn alle Veranstaltungen ausfallen, könne der Ski-Club mit den Mitgliedsbeiträgen gerade mal die Fixkosten decken. Dieses Problem dürften alle Vereine haben.

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