Die Zweifel an einigen Vorschlägen der Landesregierung zur Einsparung von Energie in öffentlichen Einrichtungen sind unverkennbar. In den Gesichtern der Ratsmitglieder im Gottmadinger Bürgersaal stehen Fragezeichen. „Ist das wirklich ernst gemeint?“, fragt auch Bürgermeister Michael Klinger, nachdem Alexander Kopp vom Bauamt im Ausschuss für Technik und Umwelt die Inhalte aus der „Kurzfristenergieversorgungssicherungmaßnahmenverordnung“ vorgetragen hat.

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Alleine der Name der Verordnung sprenge jeden Rahmen, weshalb Klinger darauf nur noch mit Galgenhumor reagieren kann: Alexander Kopp habe längere Zeit geübt, um das Wort fehlerlos vortragen zu können. Zum Lachen ist den Räten allerdings nicht zumute. Zu ernst ist die Situation, seit die Energiekosten in Folge des russischen Gaslieferstopps in die Höhe geschnellt sind.

Dass in den öffentlichen Haushalten gespart werden muss, ist allen klar. Schon vor der Sommerpause hatte der Gottmadinger Gemeinderat beschlossen, die Schwimmbecken im Höhenfreibad nicht mehr zu heizen. Doch wozu ist die Gemeinde verpflichtet? Das steht in der neuen Landesverordnung, die nun im Ausschuss genauer beleuchtet wurde.

Sonderurlaub mit dicken Pullovern

Da ist zum Beispiel die 19-Grad-Regel. Im Herbst und Winter dürfen Büros und Klassenräume nicht stärker geheizt werden. Flure, Treppenhäuser, Lager bleiben kalt. Dazu kommen auch Vorschläge vom Land unter dem Motto: „Warm wird‘s auch ohne Heizung“.

Und hier beginnen die Zweifel der Gottmadinger Räte. Den kostenfreien heißen Tee können sie sich noch vorstellen; aber fünf Minuten Gymnastik pro Arbeitsstunde, sorgen für zynisches Gelächter bei der Vorstellung, wie Mitarbeiter in 1200 deutschen Kommunen in ihren Büros Kniebeugen machen. Ungläubigkeit löst der nächste Vorschlag aus, wonach einen Tag Sonderurlaub bekommen soll, wer im dicksten Pullover im Büro erscheint.

Dass Heizenergie und Strom in allen Gebäuden gespart werden müssen, stehe außer Zweifel. Manche Vorschläge seien in kleineren Gemeinden wie Gottmadingen aber schlicht nicht umzusetzen, weil dafür das Personal fehle. Da werde zum Beispiel die Einrichtung eines Krisenstabes gefordert. „Dafür sind wir zu klein“, sagt der Bürgermeister.

Kalte Duschen für Sportler

Eine kommunale Wärmestube für Menschen, die sich das Heizen im Winter nicht mehr leisten können, will die Gemeinde stundenweise in der Mensa der neuen Eichendoff-Realschule einrichten. „Durch die moderne Technik brauchen wir hier kein Gas“, erklärt Alexander Kopp. Deshalb schlägt er auch vor, dass die Bläsermusikschule aus dem Feuerwehrhaus in die Schule umzieht.

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Alle Räume, die nur am Abend von Vereinen genutzt werden, stehen jetzt unter Kontrolle und könnten schon bald in den Winterschlaf geschickt werden, weil das Heizen zu teuer wird. Man müsse mit den Vereinen über Ersatzlösungen sprechen. Sportvereine müssten mit 17 Grad Raumtemperatur in den Hallen auskommen. Warme Duschen werden abgestellt.

Rathäuser und Hallen länger geschlossen halten

Längere Schließzeiten von Hallen oder Rathäusern in den Ferien oder an Brückentagen können sich die Ausschussmitglieder vorstellen. In dieser Zeit würden die Hallen auf zehn Grad gedrosselt, sodass Sportvereine trotzdem trainieren könnten. Beschließen muss das aber der Gesamtgemeinderat. Erst wenn die Außentemperatur fünf Tage lang unter 15 Grad liegt, sollen die Heizungen in den öffentlichen Gebäuden angestellt werden.

Die Hallen sind nicht nur für die Sportvereine wichtig, sondern auch in der Fasnacht. Die Sorge von Bianca Fleischmann (FWG), dass nach den quälenden Jahren der Corona-Pandemie, die Fasnacht wieder ausfallen könnte, zerstreute Michael Klinger. „Für einzelne Veranstaltungen wie den Narrenspiegel oder den Frühschoppen werden wir die Hallen hochheizen“, sagt er.

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Um von zwölf auf 17 Grad zu kommen brauche man eine Woche, wie Florian Schönle (FWG) in seinem eigenen Betrieb festgestellt hat. Walter Beyl (FWG) appellierte an die Verwaltung, die Hallen in allen Ortsteilen gleich zu behandeln.

Räte sorgen sich um Fasnachtsveranstaltungen

Auch ums Stromsparen ging es in der Ausschusssitzung. Dass die Flure und Treppenhäuser in den Rathäusern nachts nicht mehr beleuchtet werden, ist dabei das geringste Problem. Die Frage stellte sich, wie mit den Straßenlaternen verfahren werden soll. Diese umzuprogrammieren und nur jede zweite Laterne leuchten zu lassen, sei aufwendig und teuer, warnte Hans-Dieter Restle vom Bauamt. Die Lampen selbst sind schon auf LED-Technik umgestellt, was zu einer Einsparung von 72 Prozent geführt hat.

Den Räten ging es aber um die Weihnachtsbeleuchtung, die mit den Laternen gekoppelt ist. Der Vorschlag an den Gemeinderat lautet deshalb, dass nur im Ortskern Sterne aufgehängt und vier beleuchtete Weihnachtsbäume aufgestellt werden sollen. Michael Klinger schlug noch vor, die Ampelanlage im Dorfkern schon um 20 oder 21 Uhr abzuschalten. Bisher wird sie um 22 Uhr ausgeschaltet.