Was haben das Pergamonmuseum in Berlin, das Schloss Neuschwanstein bei Füssen und das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart gemeinsam? Obwohl die Einrichtungen über ganz Deutschland verteilt sind, kommt die Technologie für ihre Führungen aus Singen. Tobias Meder und seine 48 Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Besucher der beliebten Kulturhäuser nicht nur Daten und Fakten erfahren. Mit seinem Unternehmen Meder CommTech gewährleistet er, dass Kulturinteressierte den Aufenthalt im Museum noch lange Zeit in lebhafter Erinnerung behalten – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Besucher wünschen sich mehr Interaktivität und Dynamik

„Immer mehr Besucher von Museen und anderen Kultureinrichtungen aber auch Städtereisende wünschen sich bei entsprechenden Führungen Interaktivität und Dynamik. Sie wollen miteinbezogen werden und ihr eigenes ‚Erlebnis‘ schaffen“, erklärt Tobias Meder, Geschäftsführer des 1981 gegründeten Unternehmens. Sein Vater war es, der in Singen zunächst Funkgeräte verkaufte und reparierte, bevor er wenige Jahre später die ersten sogenannten Personenführungsanlagen auf den Markt brachte.

Meder CommTech leistet einen entscheidenden Beitrag dazu, dass Besucher des Schlosses Neuschwanstein oder anderer Kultureinrichtungen bleibende Eindrücke mit nach Hause nehmen.
Meder CommTech leistet einen entscheidenden Beitrag dazu, dass Besucher des Schlosses Neuschwanstein oder anderer Kultureinrichtungen bleibende Eindrücke mit nach Hause nehmen. | Bild: Meder Commtech

„Diese haben wir über die Jahre weiterentwickelt und bekannte Kunden für uns gewonnen, die wir mitunter seit Jahrzehnten bedienen“, sagt der Singener. Die Führungssysteme, die nicht größer sind und auch nicht anders aussehen als handliche Smartphones, produziert er in Singen. Außerdem gibt es eine Niederlassung in Freiburg. Sein Unternehmen gehört zu den bundesweit führenden Anbietern von Personenführungsanlagen, Tour Guide Systemen und Multimedia Guides.

Virtuelle Realität beim BVB, in der Hauptstadt und dem Audi-Museum

Der BVB in Dortmund nutzt die Geräte für seine Stadionführungen. Der Bootstouren-Anbieter „Stern und Kreis“ in Berlin verwendet das Angebot aus Baden für seine Spree-Führungen durch die Bundeshauptstadt. Die Museumsinsel in Berlin, das Audi Museum in Ingolstadt oder der Hamburger Bahnhof nehmen ihre Besucher dank der Hard- und Software aus Singen mit auf Führungen, die Eindruck hinterlassen. Wie sie das machen? Anhand von virtueller Realität, zum Beispiel. Die Systeme nutzen unter anderem Bilder, Texte und Effekte, um ein regungsloses Ausstellungsstück wie ein Dinosaurierskelett auf dem Bildschirm zum Leben zu erwecken.

Individuelle Infos für Kulturinteressierte: Die Benutzeroberfläche der Führungssoftware ist übersichtlich und leicht zu bedienen.
Individuelle Infos für Kulturinteressierte: Die Benutzeroberfläche der Führungssoftware ist übersichtlich und leicht zu bedienen. | Bild: Mark Frütsche

„Es reicht nicht mehr aus, einfach nur Wissen zur Verfügung zu stellen. Besucherinnen und Besucher haben auch den Anspruch, interessant informiert zu werden“, erklärt Mark Frütsche, der sich als Sales Manager um die Kunden von Meder CommTech kümmert. So kommen in Schloss Neuschwanstein Japaner, Chinesen, Thailänder und alle anderen Besucher, die den 30-minütigen Führungen nicht auf Deutsch oder Englisch folgen können, allein deswegen in den Genuss von detaillierten und authentischen Informationen über Märchenkönig Ludwig II., weil sie die Audioguides von Meder Commtech nutzen.

UHF-Technik stellt die Sicherheit her

„Über die so genannte UHF-Technik übertragen die Geräte Sprache oder Steuerungsbefehle oder lösen multimediale Inhalte aus. Das macht sie besonders sicher“, sagt Matthias Hillert, technischer Leiter für die kabellosen Führungssysteme. Stabile Verbindungen, hohe Reichweiten, schnelles Laden und ein geringer Verwaltungsaufwand sind weitere Vorteile, die die Kunden zu schätzen wissen.

Während das Märchenschloss in Schwangau mit seinen 1,4 Millionen Besuchern pro Jahr einer der unangefochtenen Besuchermagneten der Bundesrepublik ist, müssen andere Kultureinrichtungen einiges dafür tun, um die Menschen für sich und ihr Angebot zu begeistern. Das legen nicht nur die persönlichen Eindrücke von Tobias Meder und seinem Team nahe, sondern auch aktuelle Forschungsergebnisse und Umfragen.

Mehr als 111 Millionen Besuche pro Jahr in deutschen Museen

Doch das Engagement lohnt sich. Für ihren Freizeitmonitor 2020 ließ die Stiftung für Zukunftsfragen beispielsweise jüngst 2000 deutsche Erwachsene dazu befragen, wie sie ihre Freizeit verbringen. In der langen Liste, in der unter anderem „Internet nutzen“, „Fernsehen“, „Musik hören“, „Mit dem Mobiltelefon spielen“ oder „Faulenzen“ auftauchen, fehlt zwar der Verweis auf den Kulturgenuss im Museum. Doch 40 Prozent der Befragten geben auf Nachfrage an, dass sie mindestens einmal im Jahr eine Ausstellung oder Sammlung besuchen.

Bild: Mark Frütsche

Das unterstreicht das Institut für Museumsforschung, das in den deutschen Museen in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 111 Millionen Besuche pro Jahr verzeichnet hat. Der deutsche Museumsbund führt diese konstant hohe Zahl unter anderem darauf zurück, dass viele Kultureinrichtungen ihre Museumspädagogik ständig erweitern und verbessern – unter anderem auch mit interaktiven Führungssystemen.

Geräte seien auch während der Pandemie ein Vorteil

„Mit unseren Guides können sich Besucher aussuchen, ob sie eine Einrichtung auf eigene Faust erkunden, an einer geführten Tour teilnehmen oder zusätzlich mit multimedialen Inhalten wie historischen Audio- oder Videoaufnahmen versorgt werden möchten“, sagt Tobias Meder. Außerdem geben seit Beginn der Covid-19-Pandemie viele Kunden Sicherheitshinweise oder Hygieneregeln über die Führungssysteme an ihre Besucher weiter. Gerade in den vergangenen Monaten haben Meder und seine Kollegen vermehrt Anfragen für ihre Systeme erhalten.

Eine gute Reichweite war schon immer relevant. Jetzt, wo Führungen nur noch in kleinen Gruppen möglich sind und die Teilnehmer Abstand zueinander halten müssen, ist diese noch wichtiger geworden. „Außerdem kommt uns gerade zugute, dass sich die Geräte einfach reinigen lassen. Da hat sich bewährt, dass wir beim Design unserer Produkte schon immer auf eine funktionale Haptik geachtet haben, die auch die aktuellen Hygienestandards erfüllt“, sagt Tobias Meder. Wie die deutschen Museen das schwierige Jahr 2020 überstehen? Das kann auch er nicht sagen. Dass viele von ihnen aber alles dafür tun, um ihre Besucher für sich zu begeistern, kann er nur bestätigen.