„Wir brennen darauf, wieder öffnen zu können“ – das ist der Tenor von fünf Gastronomen aus der Region, die sich per Videokonferenz auf Einladung der grünen Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger im Wahlkreis Singen/Stockach austauschten. Spätestens an Pfingsten möchten die Gastwirte wieder öffnen, natürlich mit Hygienekonzept und unter Einhaltung der weiteren AHA-Regeln.

Eigentlich wäre Ostern für die Gaststätten der Startpunkt für die Sommersaison gewesen. Nun hoffen sie auf Pfingsten. Für den Austausch mit Dorothea Wehinger hatten sich Federica Fele-Schartner vom Gasthaus Sternen in Bohlingen, Sebastian Kopitzki vom Gasthaus Kreuz in Singen, Markus Jäger vom Hotel Restaurant Hegau-Haus in Singen, Jürgen Veeser vom Gasthaus und Hotel Adler in Wahlwies sowie Andreas Gnädinger vom Gasthaus und Hotel Krone in Rielasingen angemeldet. Für die Wiederöffnung sind alle fünf Betriebe vorbereitet, ja sie brennen geradezu darauf, endlich zumindest mit Außengastronomie wieder starten zu können.

Bis wieder geöffnet werden darf, serviert Sebastian Kopitzki in der Wirtshütte beim Gasthaus Kreuz unter anderem Currywurst zum Mitnehmen. Auch eine Take-Away-Karte mit anderen Speisen ist im Angebot.
Bis wieder geöffnet werden darf, serviert Sebastian Kopitzki in der Wirtshütte beim Gasthaus Kreuz unter anderem Currywurst zum Mitnehmen. Auch eine Take-Away-Karte mit anderen Speisen ist im Angebot. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

„Wir möchten endlich wieder normal verdienen“, sagt Markus Jäger. Ohne finanzielle Hilfen wären die letzten Monate gar nicht gegangen, da sind sich alle Fünf einig. Die Auszahlung von November- und Dezemberhilfen sei – teilweise gestückelt – erfolgt. Für die Beantragung habe man aber – weil ein Steuerberater dabei war – in Vorleistung gehen müssen, so Sebastian Kopitzki. „Die Stimmung ist ziemlich angespannt. Wir sitzen auf heißen Kohlen, wollen gern wieder arbeiten“, sagt er. Federica Fele-Schartner wartet derzeit noch auf die Auszahlung der Hilfen für das erste Quartal. „Ohne den guten Sommer 2020 würde es gar nicht gehen“, sagt sie. Da habe man zumindest etwas Rücklagen bilden können.

Ein Tropfen auf dem heißen Stein ist der Take-Away-Verkauf (Mitnahme-Verkauf). Sebastian Kopitzki verkauft von mittwochs bis sonntags auf Bestellung oder – bei schönem Wetter – kleine Gerichte zum Mitnehmen in der Hütte im Wirtsgarten. Auch Federica Fele-Schartner hat kreative Lösungen gefunden. Im Bohlinger Sternen gibt es am Wochenende Gerichte zum Mitnehmen und auch einen Straßenverkauf von Eis, Kuchen und Frühstücksboxen.

Mehrwertsteuersenkung war positiv

Im Hotelbetrieb läuft in den Betrieben nahezu nichts. „Normalerweise wäre unser Hotel an Ostern voll gewesen, doch nun hatten wir nur ein, zwei Übernachtungen“, sagt Andreas Gnädinger. Nur seine drei Auszubildenden sind derzeit nicht in Kurzarbeit. Er sieht aber auch das Problem, dass seine Stamm-Mitarbeiter bei einer Öffnung von zunächst nur der Außengastronomie nicht gleich voll arbeiten können. „Manche meiner Aushilfen arbeiten nun im Impfzentrum“, so Gnädinger. Auch Jürgen Veeser hat schon Mitarbeiter verloren, die nun woanders arbeiten. „Es hat uns 2020 sehr geholfen, dass die Mehrwertsteuer gesenkt war. Das sollte weiter so sein“, so Veeser.

Dass sich die Menschen und vor allem die Stammkunden nach der Öffnung von Restaurants sehnen, ist allen Beteiligten klar. „Wer möchte nicht bei schönem Wetter mal wieder in einem Restaurant bedient werden?“ so Wehinger. Für die Öffnung sollte es endlich mal Strategien geben, wünscht sich Markus Jäger. Die Politiker würden oft nur sehr kurzfristig denken. So sei die Idee, kurz vor Weihnachten noch mal im sogenannten „Lockdown-light“ zu öffnen, schon recht absurd gewesen und dann ja auch nicht so gekommen.

Hoffen auf die Herdenimmunität

Sebastian Kopitzki wünscht sich, dass auch Mitarbeiter in Gastronomiebetrieben – so wie auch Mitarbeiter in Läden – ein Anrecht auf die Impfung bekommen. Denn so langsam gehe die Motivation verloren. „Die Gastronomie ist kein Infektionsherd. Wir habe gute Hygienekonzepte und können Abstände einhalten“, so Kopitzki. Federica Fele-Schartner glaubt auch, dass es Infektionsherde wohl eher bei den zu vielen privaten Partys geben wird, oder wenn dann wieder 15.000 Menschen im Fußballstadion als Zuschauer erlaubt werden.

Markus Jäger ist derzeit noch skeptisch, ob es im Herbst dann wieder zu Schließungen kommen wird. „Ich gehe davon aus, dass die Herdenimmunität dann so weit ist, dass es nicht zu drastischen Schließungen kommen wird“, ist Dorothea Wehinger zuversichtlich. Jetzt geht es aber erst mal in die Sommersaison mit bald wieder möglichen Restaurantbesuchen.