Frau Jürgens, warum hat der Wolf in der öffentlichen Meinung so ein schlechtes Image?

Wölfe haben nicht generell ein schlechtes Image. Menschen reagieren sehr unterschiedlich! Einige romantisieren Wölfe, andere verteufeln sie geradezu. Die Frage ist also eher, warum der Wolf so sehr polarisiert. Meine Forschung zeigt: Es geht oft gar nicht in erster Linie um den Wolf, sondern um tiefgreifende Werte zur Natur, für die er als Symbol steht. Sehen wir uns Menschen als Herrscher über die Natur oder als Teil davon? Meinen wir, dass Tiere Verfügungsmasse des Menschen sind, oder sehen wir sie als eigenständige Lebewesen mit einem grundsätzlichen Lebensrecht? Wollen wir gerne Kontrolle über natürliche Phänomene oder erfreuen wir uns daran, wenn Natur sich frei entfalten kann? Die verschiedenen Antworten, die Menschen auf diese Fragen geben, haben großen Einfluss auf ihre Einstellungen zum Wolf.

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Wie gefährlich sind Wölfe wirklich?

Die Forschungslage ist eindeutig: Für den Menschen stellen Wölfe hierzulande keine Gefahr dar. Wölfe sind scheue Wildtiere, die den Menschen meiden. Damit das so bleibt, ist entscheidend, dass sie sich nicht daran gewöhnen, in menschlicher Umgebung Nahrung zu finden: Müll oder eben auch ungesicherte Nutztierherden dürfen keine leicht verfügbare Futterquellen sein. Auch deshalb ist Prävention im Herdenschutz so wichtig.

Diese beiden Lämmer hat Jürgen Engesser mit der Milchflasche aufgezogen. Wenn solche Tiere gerissen werden, blutet ihm das Herz besonders.
Diese beiden Lämmer hat Jürgen Engesser mit der Milchflasche aufgezogen. Wenn solche Tiere gerissen werden, blutet ihm das Herz besonders. | Bild: Trautmann, Gudrun

Was kann getan werden, um den Konflikt zwischen Weidetierhaltern und dem Wolf zu entschärfen?

Die meisten Weidetierhalter haben eine gesunde differenzierte Haltung zu Wölfen. Sie leben tagtäglich mit der Natur und sind Anpassungskünstler. Für Schäfer ist das Wichtigste, der Verantwortung für ihre Tiere gerecht werden zu können. Aber Herdenschutz kostet! Das Grundproblem ist nicht der Wolf, sondern die Tatsache, dass nur wenige Verbraucher bereit sind, anständige Preise für Tierprodukte aus artgerechter Haltung zu bezahlen. Regionale Produktion, die zugleich Landschaftsschutz ist, muss wertgeschätzt werden und sich lohnen! Nicht der Wolf gefährdet die traditionelle Lebens- und Wirtschaftsweise der Tierhalter, sondern die prekäre wirtschaftliche Lage. Deshalb ist es essenziell, dass Tierhalter in einem Gebiet wie unserem, durch das Wölfe sporadisch durchziehen, ebenso von der finanziellen Unterstützung für präventive Maßnahmen im Herdenschutz profitieren wie diejenigen in ausgewiesenen Fördergebieten.

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