Herr Sonntag, Sie stehen seit über 30 Jahren auf der Bühne. Wie entwickeln Sie Ihre Programme, woher nehmen Sie die Ideen?

Die schönsten Ideen liefert immer das Leben, das ich aufmerksam beobachte. Dazu kommt, dass ich ja übers Jahr viel für Radio, Fernsehen und auch Printmedien arbeite. Das liegt alles in der Schublade und viele Ideen daraus finden sich dann auch im Live- Programm wieder. Mein „Wörldwaid“-Programm bildet einen Plan ab, den ich hege, seit ich vor vielen Jahren in New York zweimal vor Auswanderern aus dem Schwabenland gespielt habe: Ich wollte mal all diese Menschen besuchen, die schwäbischen Background in aller Welt implantieren. Das habe ich 2019 gemacht und das fließt in das Live-Programm ein.

Was ist für Sie auf der Bühne ein Tabu-Thema?

Ich glaube nicht, dass es im Kabarett ein Tabu-Thema geben kann, es ist ja auch immer die Frage, wie man es aufarbeitet und mit welcher Weltanschauung man ran geht. Ich sage immer: was meine Mama gerade noch ertragen könnte, ist noch im Rahmen.

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Im Jahr 2007 haben Sie Ihre Stiphtung (mit „PH“!) Christoph Sonntag gegründet. Sie sind studierter Landschaftsökologe, vierfacher Vater, damit erklären sich wohl auch die Schwerpunkte. Was genau macht Ihre „Stiphtung“?

Wir erfinden und entwickeln zahlreiche Projekte im ökologischen und vor allem sozialen Bereich und setzen sie dann auch um. Mein Team und ich, wir hatten alle schon viel Glück im Leben und geben mit dieser Arbeit ein bisschen was davon zurück.

Es gab in den letzten Monaten einige Anschuldigungen und Gerüchte um Sie – nicht als Künstler, sondern als Privatmensch. Auch wenn Sie in allen Bereichen komplett rehabilitiert sind, bleibt ein „Geschmäckle“. Wie gehen Sie damit um?

So gelassen, wie es geht. Was mich allerdings schon erstaunt ist, wie weit man in diesem Land mit falschen Anschuldigungen kommen kann. Ich habe tatsächlich ganz neu gelernt, wie die Politik, die Presse und auch die neue Öffentlichkeit im Internet funktioniert. Menschlich kann man das niemandem wünschen, für einen Künstler war es eine wertvolle Erfahrung.

Seit März gab es ja keine kulturellen Veranstaltungen mehr. Wie haben Sie die Corona-Zwangspause genutzt?

Wir haben eine neue Online-Sendung `Back to live‘ entwickelt und auch auf YouTube veröffentlicht. Außerdem haben wir noch weitere zwei Sendungen in petto, da kann man gespannt dabei bleiben. Insgesamt soll die Sendung ein neues Fernsehformat werden.

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Wo kann man das Format anschauen?

Online im Internet auf dem Youtube-Kanal unter dem Link: https://bit.ly/2ZzYjzf

Sie sind der Einladung für eine Open Air Veranstaltung der Singener Gems gefolgt. Wegen der Hygiene- und Abstandsregeln kann nur eine begrenzte Zuschauerzahl von 120 Personen teilnehmen. Normalerweise füllen Sie große Hallen.

Corona hat unser Leben auf den Kopf gestellt, manche Dinge, die man nicht ändern kann, muss man eben annehmen. Die Gems und mein Singener Publikum sind alte Freunde, die lasse ich nicht im Stich, schon gar nicht in so schwierigen Zeiten!

Fragen: Nicola M. Westphal

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