Jan Epple (19) aus Singen-Friedingen: Ab nach Afrika

Bild: Privat

„Direkt nach dem Abitur war ich erst einmal für vier Wochen in Ghana und habe dort im Zuge des Projekts „Unterrichten mit Kindern“ freiwillige Arbeit mit afrikanischen Schulkindern und deren Lehrern betrieben. Völlig involviert in diese für mich neue und fremde Kultur, konnte ich meinen Horizont erweitern und das, was ich im Geografie-Unterricht über die Dritte Welt gelernt hatte, praktisch und lebensnah erfahren – ein prägendes Erlebnis.

Im Anschluss daran hatte ich noch zwei Praktika bei zwei verschiedenen Wirtschaftsprüfern, ein Praktikum bei der Sparkasse und habe zudem bei meinem Onkel gearbeitet. Als nächstes steht für mich eine Woche Berufspraktikum an – bei einer Firma, bei der ich dann voraussichtlich auch dieses Jahr eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen beginnen kann. Optional kann ich dann noch ein dual verlaufendes Studium absolvieren – das würde mich für Führungspositionen qualifizieren.

Wenn ich die Zeit nach dem Abitur Revue passieren lassen, habe ich definitiv dieses eine Jahr nach dem Abi gebraucht, um mehrere Sachen auszuprobieren, etwas von der Welt zu sehen. Und um letztendlich entscheiden zu können, was ich aus meinem Leben machen möchte. So finde ich nach und nach meinen Platz in der Gesellschaft und kann dann auch von mir behaupten, dass ich so etwas wie einen Plan fürs Leben habe.“

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Anina Kemmerling (19) aus Jestetten: In den Beruf schnuppern

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„Ich fand es schwierig, mich mit 18 Jahren festzulegen, was ich mein weiteres Leben beruflich machen möchte. Direkt nach der Schulzeit eine derartig wichtige Entscheidung zu treffen, ist nicht einfach. Direkt studieren gehen oder eine Ausbildung anfangen? Beides konnte ich mir kaum vorstellen.

Also tat ich nach dem Abitur erst einmal das, was so ziemlich jeder Abiturient tut: feiern und die neu gewonnene Freiheit auskosten, ohne ständigen Druck und stundenlanges Lernen. Trotzdem blieb die Frage nach meiner Zukunft stets in meinem Kopf. Glücklicherweise hatte ich zumindest ansatzweise eine Ahnung davon, wie mein Berufsweg aussehen soll.

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Da mich der Journalismus schon immer sehr gereizt hat, entschied ich mich nach den Sommerferien dazu, ein Praktikum in der SÜDKURIER-Lokalredaktion Singen zu machen. Ich hatte viel gehört und viel im Internet gelesen, doch ich wollte selbst erfahren, wie die Arbeit eines Redakteurs aussieht. Mir war es wichtig, mich als Schulabgänger langsam in das vollkommen anders ablaufende Arbeitsleben einzufühlen.

Ich denke, im jungen Alter ist es wichtig, sich erst einmal auszuprobieren und seine Stärken und Schwächen kennenzulernen, um seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und besonders hilfreich hierfür ist es, praktische Erfahrungen zu sammeln, bevor man sich erneut in stundenlanges, schulisches Auswendiglernen stürzt.“

Jan Sacha (19) aus Singen-Friedingen: Erst Student, bald Tutor

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„Nach dem Abitur habe ich mich nach langem Hin und Her, ob ich ein Jahr aussetze oder doch anfange zu studieren, schließlich dazu entschieden, mich an einer Uni einzuschreiben. Bereits während der Pause nach den Abiturprüfungen bekam ich den Wunsch, wieder ein getaktetes Leben mit Verpflichtungen und Aufgaben zu führen. Eben ein Stück weit mehr zur Gesellschaft zu gehören.

Ich studiere derzeit Mathematik an der Universität Konstanz. Dort habe ich neben meinen alten Schulkameraden auch neue Gesichter kennengelernt. Sie motivieren mich beim Lernen, helfen aber auch den manchmal trockenen Unialltag etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Da mir das Erklären von Lehrinhalten liegt und Spaß macht, plane ich zukünftig Tutor zu werden.

Über die Frage, wie man nach dem Schulabschluss seinen Platz in der Gesellschaft findet, muss man – finde ich – nicht besonders nachdenken. Wenn man einmal anfängt, etwas zu machen, das einem liegt und einem Freude bereitet, dann entdeckt man nach und nach Fähigkeiten, die man einbringen kann. Mit der Zeit übernimmt man so immer mehr Verantwortung.

Das geschieht, wenn man sich anstrengt, ganz automatisch. Ohne es wirklich zu merken, wird man so zu einem Teil der Gesellschaft beziehungsweise eines Gesellschaftsbereichs – wenn man es vorher nicht ohnehin schon war (Kirchengemeinde, Kommunalpolitik, Sportverein...).“

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Daniel Bartl (18) aus Steißlingen: Helfen in Tirol

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„Nach meinem Abitur habe ich mich entschieden, für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Innsbruck zu ziehen, wo ich einen Platz in einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigung fand. Viele meiner Freunde haben sich nach ihrem Abschluss direkt eine Ausbildung oder einen Studienplatz gesucht. Für mich war der Freiwilligendienst die richtige Entscheidung, weil ich mir schlicht nicht sicher genug war, in welche Richtung es gehen soll.

Die Arbeit in einer sozialen Einrichtung war die beste Möglichkeit, mich einzubringen und zu orientieren. Es war die beste Entscheidung für mich, weil hier ein so bunt zusammengewürfelter Haufen lebt und arbeitet, wie man ihn selten findet. Der Dienst bringt Aufgaben mit sich, auf die man nicht vorbereitet ist. Das kann super kraftspendend, aber auch wahnsinnig ernüchternd sein. Man lernt völlig ungewohnte Lebensentwürfe kennen und trifft Menschen, die Beeindruckendes leisten, während einem schnell die eigenen Grenzen aufgezeigt werden.

Sich nicht zu übernehmen, ist eine Aufgabe, die die meisten in der Schule nicht so sehr kümmert, weil das oft für einen übernommen wird. Wenn das aber wegfällt, ist das mit eine der anstrengendsten Sachen, die man lernen muss. Eines ist mir jedenfalls klar geworden: Die Frage, wie man seinen Platz in der Gesellschaft findet, ist wahnsinnig schwer zu beantworten und stellt sich im Lauf des Lebens sicher wieder.“

 

 

 

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