Mit Frauenpower empfingen die Sängerinnen des „Chörle“ die Gäste im Foyer des Gemeindesaals der Liebfrauen-Kirche. „Mir sin sozusage das Warmup, zu Deutsch „Die Stimmungseinheizer“, erklärte Ute Fischer, „des mache mir seit Johr un Dag scho.“ Zutritt war nur Frauen gewährt, geduldet waren aber Männer für die Technik und klerikale Amtsträger. Mit „Hoorig isch de sell“ drängten sich die Schättere durch die voll besetzten Reihen und rissen mit gymnastischen Übungen das närrische Publikum von den Plätzen. „Das Läbe isch bewägig“ war ein Motto des Abends. Die Gäste erfuhren, was das Leben und der Alltag noch so mit sich bringen. Sei es beim Schuhkauf oder im Nahkauf, wo sich so manch eine Kundin mit nur einem Teil in der Hand vorbei an den wartenden Frauen mit vollen Einkaufswägen an die Kasse drängt.

Doris Bruhn, die mit Hilde Graf durchs Programm führte, hatte die zwei Jahre Pause sinnvoll genutzt. Sie war digital und Open Air auf Bildungstour unterwegs und hatte Gehirnjogging gemacht. Nach dieser Zeit hatte sie Hilde Graf kaum wiedererkannt, denn die hatte ihre Haare rot gefärbt. Rot sei doch völlig out, Grau sei jetzt in und hipp. Hilde meinte aber, dass die Strähnen im Haar nicht mehr zu ihrem Outfit passen. Weil die Uhlandstraße im letzten heißen Sommer wie leergefegt war, sei auch sie ins Aachbad gegangen. Aber nicht zu den „Nüne-Schwimmern“, Hilde ging zu den „Zehne-Gehern“, den Gemütlichen.

Auch der Leerstand der Kirchen beschäftigt die Frauen: „Mehr Mantra statt Rosenkranz, lasst mal die Frauen ran“, machten sie auch gleich Vorschläge. Damit die Leute wieder in die Kirche kommen, muss eine neue Nutzung her, Wellness und Fitness zum Beispiel. Das Weihwasserbecken könnte zum Handwaschbecken werden, das Taufbecken wird zum Fußwaschbecken. Denn wie sie meinen: „Mit schönen Händen und Füßen sollst du deinen Herrn begrüßen.“ Die Frauen sind sich sicher: „Mir wisset, wa mir mache könnt, dass jeder i de Kirche rennt.“

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