Der Schreck war groß: Vor gut zwei Wochen stand als Vorschlag für den Ferienbeginn plötzlich das Datum 16. Dezember im Raum. Eine Falschmeldung wie sich herausstellte, aber auch das von Ministerpräsident Winfried Kretschmann vorgeschlagene Datum, 19. Dezember, brachte Verunsicherung in Lehrer-, Schüler- und Elternschaft. „Das Hin und Her ist belastend“, so Konrektorin Meike Dietrich von der Grundschule Engen. Die Meldung an die Eltern sei schon verschickt worden, das wirke dann ziemlich unglaubwürdig. „Eine Aussage des Ministerpräsidenten rechtfertigt hier noch kein definitives Vorziehen der Ferien“, machte Alexander Windt, Rektor der Tengener Grundschule vor der endgültigen Entscheidung des Kultusministeriums deutlich.

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Diese fiel dann am Dienstag: Ferienbeginn (erster Ferientag) wird der 23. Dezember sein. Die älteren Schüler ab Klasse 8 werden am 21. und 22. Dezember per Fernunterricht beschult. Die Klassen 1 bis 7 haben Präsenzunterricht, können aber auf Wunsch der Eltern auch zuhause bleiben und Arbeitsaufträge erhalten. „Für uns ist es aber wünschenswert, dass die Kinder in der Schule sind“, betont Claudia Bier von der Grundschule Engen. Die Zweigleisigkeit sei die schlechteste Lösung.

Entscheidung ist problematisch

Anja Claaßen, geschäftsführende Schulleiterin in Singen, hält die Entscheidung ebenfalls für problematisch: Dass am 21. und 22. Dezember Unterricht abgehalten werden dürfe, sei für Familien, die ein Betreuungsproblem hätten, sicher eine erfreuliche Nachricht. „Allerdings ist es schwierig, den Schulen nun die Dopplung aufzuerlegen. Kollegen sollen gleichzeitig im Präsenzunterricht sein und nebenher Fernlernunterricht abhalten“, sagt sie. Die jetzige Regelung bedeute ja faktisch: Die Weihnachtsferien werden verlängert. „Aber dadurch, dass Eltern entscheiden dürfen, ob sie das Angebot annehmen oder nicht, gibt es praktisch eine Notbetreuung für alle, die das wünschen“, so Claaßen weiter. Die Gruppe der Lehrkräfte an allen Schulen hätten selbst auch Kinder, die Weihnachten mit der Familie oder den Großeltern verbringen wollen. Claßen: „Für diese Gruppe gibt es aber kein Entscheidungsrecht.“

„Es ist schwierig, den Schulen nun die Dopplung aufzuerlegen. Kollegen sollen gleichzeitig im Präsenzunterricht sein und nebenher Fernlernunterricht abhalten.“Anja Claaßen,  Leiterin der Waldeck-Schule und geschäftsführende Schulleiterin in Singen
„Es ist schwierig, den Schulen nun die Dopplung aufzuerlegen. Kollegen sollen gleichzeitig im Präsenzunterricht sein und nebenher Fernlernunterricht abhalten.“Anja Claaßen, Leiterin der Waldeck-Schule und geschäftsführende Schulleiterin in Singen | Bild: Matthias Güntert

Die Schulen in Engen, Tengen und Aach hatten sich übrigens schon vor der Diskussion auf den 23. Dezember geeinigt. Schulleiter und Elternbeiräte hätten die Planungssicherheit des veröffentlichten Ferienplans erhalten wollen, schildert Sabine Scheck, Leiterin der Grundschule Aach. Andreas Mayer, Gesamtelternbeiratsvorsitzender und Elternbeiratsvorsitzender des Gymnasiums Engen, zitiert eine E-Mail des Kultusministeriums an die Elternbeiräte vom 17. November, nach der man keine längeren Weihnachtsferien „von oben“ anordnen wolle. „Eine solche Maßnahme könnte organisatorische Fragen auslösen und zahlreiche Eltern vor Betreuungsprobleme stellen.“ Nun kam die Verordnung doch. Mayer äußert zwar Verständnis, die Pandemie sei bisher einzigartig und habe eine extreme Dynamik. Die Regelung hätte aber früher getroffen werden können.

Zuhause bleiben, oder in die Schule gehen – eine schwierige Entscheidung in den Tagen vor dem Ferienbeginn.
Zuhause bleiben, oder in die Schule gehen – eine schwierige Entscheidung in den Tagen vor dem Ferienbeginn. | Bild: Kinderchancen Singen