Herr Çevikkollu, was bewegt Sie momentan politisch am meisten?

Es geht uns so gut wie noch nie, absolut gesehen ist alles besser geworden. Das Einzige, was heute schlechter ist als früher, ist der Blick in die Zukunft.

Optisch Türke – jedoch mit unverkennbarem Kölner Dialekt. Glauben Sie, dass das Publikum von Ihnen geradezu erwartet, dass Sie sich auf der Bühne mit Themen wie kulturellen Unterschieden oder Rassismus auseinandersetzen?

Eine Regel sagt, dass man das Offensichtliche verhandeln muss, und bei mir ist ganz klar, er sieht aus wie Ali und spricht wie Hans. Das sorgt für eine Diskrepanz, die in diesem Fall für Unterhaltung sorgt.

Sie sind kein Quatschmacher. Ihre Programme sind mit tiefsinnigem Hintergrund, jedoch dabei ebenso unterhaltsam und lustig, wie auch zum Nachdenken anregend. Glauben Sie, wenn man zu politisch ist, dass man weniger Menschen erreicht?

Man kann nicht zu politisch sein. Wenn es nicht lustig ist, erreicht man die Leute nicht. Der Türkei können wir gerade gratulieren, die Türkei hat ihren ersten demokratisch gewählten Sultan.

Viele kennen Sie noch als Murat, aus der RTL-Serie „Alles Atze“, als Angestellter im Kiosk. Sie sollen auch privat mit Atze Schröder befreundet sein. Was unterscheidet Ihren Humor von dem Atze Schröders?

Das kann ich in einem Satz ganz einfach sagen: Atze macht die Volksmusik und ich mache den Jazz. Und das ist auch gut so!

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Kulturschaffende und Künstler beklagen momentan eine Trägheit beim Publikum, insgesamt seien Veranstaltungen schlecht gebucht. Glauben Sie, dass das die Nachwehen von Corona sind?

Ich glaube, das ist ein Ragout aus allem. Auf der einen Seite sind es die vielen Spielarten des Virus, dann die Inflation mit der Unsicherheit, wie sich alles entwickelt. Und dann ist auch noch – das vergisst man ja sehr schnell – ein Krieg am Laufen.

Am Samstag, den 2. Juli gastieren Sie mit ihrem Programm „Fathimorgana“ auf der Open Air Bühne der Gems. Sie kommen auf Einladung der Kriminalprävention Singen und der Abend wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Was glauben Sie, kann Kabarett bewirken?

Kabarett kann für einen wunderschönen Abend sorgen und kann zum Lachen bringen. Und zu lachen ist die schönste Form des Kontrollverlustes. Fast so schön wie Sex.

Kooperation von Kriminalprävention und Kulturzentrum

  • Zur Person: Fatih Çevikkollu, geboren 1972 Köln, absolvierte nach dem Abitur eine Schauspielausbildung an der Ernst-Busch-Schule. Er steht als Schauspieler auf der Bühne und ist aus vielen TV-Produktionen bekannt. Seit dem Jahr 2005 ist er mit seinen Kabarettprogrammen auf Tour. Am Samstag, 2. Juli, gastiert er um 20 Uhr im Kulturzentrum Gems. Die als Open Air geplante Veranstaltung findet bei schlechtem Wetter im Saal statt. Tickets im Vorverkauf und an der Abendkasse.
  • Zum Format: Veranstalter ist die Singener Kriminalprävention gemeinsam mit dem Kulturzentrum GEMS. Im Rahmen dieser Kooperation werden immer wieder Kabarett-Vertreter zu gesellschaftlich relevanten Themen eingeladen. Der Abend wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Eintritt: 23,50 Euro, ermäßigt 17,50 Euro (auch für Fördervereinsmitglieder).
  • Zum Programm: Mit „FatihMorgana“ sticht Çevikkollu in die Wohlfühl-Filterblase der Gesellschaft. Sein sechstes Solo-Programm widmet er dem Schein und Sein, den Nachrichten und Fake-News. Er fragt, was die Digitalisierung mit uns macht, denn die Aufteilung von Inländern und Ausländern ist seiner Ansicht nach von gestern. „Heute unterscheiden wir zwischen digitalen Eingeborenen und digitalen Migranten“, sagt der Kabarettist in einer Welt, die mehr Zugang zum Netz als zu Toiletten bietet. (nic)