Wie gut, dass am Schmutzige Dunnschtig das Narrengericht tagte und über den Schultes Ralf Baumert urteilte. Ein Schultes, der sich zum Affen machte und der einer ist, der halt "z`viel umenand schwanze tut". Dabei vergaß er fast seine eigene Gemeinde, so der Vorwurf. Elf Narren hatte es gebraucht, um den Schultes aus dem Rathaus zu ziehen und ihn vor das Narrengericht zu führen. Für seine Taten wurde er dann zur Rechenschaft gezogen.

Oft lautet die Frage: Wo ist nur der Schultes abgeblieben?

Das Narrenvolk aus Schaflingen, Katzdorf und Rattlingen hatte sich bei herrlichem Sonnenschein zahlreich auf dem Narrenplatz eingefunden, um dem Schauspiel der Gerichtsverhandlung beizuwohnen. Die Anklage des Burgvogt Spindlers (ein stattlicher Michael Blum) lautete massive Landflucht und wog schwer. Egal ob Wochenende, Urlaub oder Feiertage, es stelle sich immer dieselbe Frage: Wo ist nur der Schultes abgeblieben? Nur noch sein neues Spielzeug, ein riesengroßes Wohnmobil, hätte er im Sinn. Schon auf vielen Campingplätzen in Europa sei er gesessen und musste dies auch noch im Internet anpreisen. Bräuchte man den Schultes im Ort, müsse man ihn in halb Europa suchen. Auf die Idee, das eigene Wohnmobil am Naturbad auf den eigens dafür angelegten Wohnmobilstellplätzen abzustellen, darauf wäre der Angeklagte noch nie gekommen.

Von Mitleid keine Spur, das Narrenvolk verfolgt die Gerichtsverhandlung auf dem Narrenplatz in Rattlingen. Bild: Sandra Bossenmaier
Von Mitleid keine Spur, das Narrenvolk verfolgt die Gerichtsverhandlung auf dem Narrenplatz in Rattlingen. Bild: Sandra Bossenmaier

"Reisen bildet" ist kein überzeugendes Argument

Wie gut, wenn auch zwecklos, dass der affige anmutende Angeklagte als Fürsprech Birgit Steiner hatte. "Reisen bildet, das weiß doch jede Kuh. Wer also viel rum kommt, lernt viel dazu." Die attraktive Schulrektorin weiß, wovon sie spricht. Doch auch das nützte nicht. "Man lernt nie aus, drum zieht's ihn in die Welt hinaus", versuchte die Advokatin zu verteidigen. Doch das Narrenvolk hatte kein Erbarmen, kein Narr hatte Mitleid mit dem reiselustigen Angeklagten. So blieb dem Schultes zu guter Letzt nur die Selbstverteidigung. Andere Länder, andere Sitten, das möge er halt einfach, unumstritten. Damit jeder wisse, wo er sei auf Schritt und Tritt, stelle er doch seine Bilder in das Internet.

Sein Egoismus nach Bestrafung schreit

Ein schweres Amt lastete auf dem hochwohlgeborenen Junker Hans (Andreas Fürst, auch stattlich), ein Urteil musste er fällen. Eindeutig ging des Schultes Verhalten zu weit, sein Egoismus nach Bestrafung schreit. Das Urteil war gefallen, der für schuldig erklärte Schultes erhielt seine gerechte Strafe. Eine ganz besondere Reise wird er am Rosenmontag nach Pfullendorf antreten. Ohne Erbarmen wird er dort die Zigeuner-Gruppe der Rattlinger unterstützen und als Zigeuner mitlaufen.

Der Burgvogt Spindler (links, Michael Blum) und Junker Hans (rechts, Andreas Fürst) sorgen für Recht und Ordnung in Rattlingen. Bild: Sandra Bossenmaier
Der Burgvogt Spindler (links, Michael Blum) und Junker Hans (rechts, Andreas Fürst) sorgen für Recht und Ordnung in Rattlingen. Bild: Sandra Bossenmaier

Das verspricht der Verurteilte für die Zukunft:

Doch der Verurteilte lobte Besserung. "Hoch und heilig verkünde ich, in Zukunft werdet ihr mein Wohnmobil in Worblingen finden. Auf dem Campingplatz am Naturbad", lautete der Eid des Verurteilten. Die Amtsgewalt ist dem Bürgermeister bis Aschermittwoch entzogen, der Schlüssel zum Rathaus befindet sich sicher in der Hand der Narren. Ehrt der Schultes die Fasnet, dann lässt der Junker Milde walten und Ralf Baumert kann nach Aschermittwoch wieder im Rathaus schalten.

Ein gemeinsamer Sonntag

Der Fasnet Sunntig beginnt mit einer Narrenmesse um 10.15 Uhr in der St. Stephan Kirche in Arlen. Ab 13.11 Uhr veranstalten die drei Narrenvereine der Doppelgemeinde unter Beteiligung vieler Gruppen aus der Gemeinde einen Gemeinschaftsumzug. Das Motto lautet "Narriwo reist um die Welt". Der Umzug beginnt vor der Arlemer Gems und endet an der Talwiesenhalle. Dort wird im Anschluss ein Kindernarrenbaum aufgestellt. Bei einer günstigen Wetterprognose bietet sich ein gemeinsames Vesper an Junkers großen Tafelrunde vor der Halle an. Jeder darf mitbringen, nach dem es gelüstet. Die Kinderfasnet beginnt dann um 14 Uhr im Festsaal der Talwiesenhallen.