Wer nicht mitbestimmt, über den wird bestimmt – so lautet ein Sinnspruch, der sich auch auf Wahlen anwenden lässt. Wer selbst nicht abstimmt und damit eine Entscheidung für ein politisches Programm trifft, muss damit leben, dass andere diese Entscheidung treffen. Zu beobachten ist dabei, dass das Interesse an Wahlen abnimmt, je näher die politische Ebene bei den Menschen liegt: Für die Bundestagswahl 2017 verzeichnet das Statistische Landesamt eine Wahlbeteiligung von 68,4 Prozent in der Stadt Singen. Bei der Landtagswahl in diesem Frühjahr lag der Wert bei 48,5 Prozent, bei der Gemeinderatswahl 2019 bei 43,1 Prozent. Bei der sehr spannenden und äußerst knappen Oberbürgermeisterwahl vor acht Jahren gaben im entscheidenden zweiten Wahlgang 47,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Und acht Jahre zuvor lag die Wahlbeteiligung bei der OB-Wahl bei 43,6 Prozent.

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Das lässt für die Abstimmung am kommenden Sonntag nicht auf höhere Werte hoffen. Und das ist eigentlich erstaunlich, denn kaum irgendwo kommt Politik den Bürgern näher als im Kommunalen. Spielplätze, Sporthallen, Schulen – all das kommt direkt den Menschen vor Ort zugute. Und es ist die Aufgabe einer Stadtverwaltung, eines Gemeinderats und schließlich auch eines Oberbürgermeisters.

Um dieses Gebäude geht es am Sonntag: Die Singener wählen ihren Oberbürgermeister.
Um dieses Gebäude geht es am Sonntag: Die Singener wählen ihren Oberbürgermeister. | Bild: Tesche, Sabine

Genau diese Aufgaben sind wichtig für ein Gemeinwesen – und bei einer Wahl können die Bürger mit bestimmen, wer sie wie erfüllen soll. Dass die Mobilisierung von Wählern wichtig ist, zeigt sich auch daran, wie knapp die beiden zurückliegenden Oberbürgermeister-Wahlen in Singen ausgingen. 2005 hatte Oliver Ehret einen Vorsprung von 138 Stimmen vor seiner Konkurrentin Verena Göppert. Und als wäre das nicht knapp genug, entschieden beim Wahlkrimi acht Jahre später sogar nur 72 Stimmen darüber, dass der heutige Oberbürgermeister Bernd Häusler seinen Vorgänger Oliver Ehret ablösen konnte.

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Was will uns das alles sagen? Es sagt zum Beispiel, dass es auf jede Stimme ankommt. Wer sich darauf verlässt, dass ohnehin klar ist, wie die Wahl ausgeht, könnte sich noch wundern. Und deswegen sollte man diese Entscheidung nicht einfach den anderen überlassen – denn die kommunale Politik ist eben nicht egal. Ein Kreuz auf einem Wahlzettel zu machen, erzeugt auch keine Schmerzen. Und es wäre auch einfach nur schön, wenn Singen am Sonntagabend einen höheren Wert in der Spalte Wahlbeteiligung vorweisen könnte. In diesem Sinne: Bestimmen Sie bei der OB-Wahl mit, sonst tun es andere.