Die Ära der Hammer-Brüder in Bohlingen ist zu Ende gegangen. Am 28. März ist Andreas Hammer im 81. Lebensjahr unerwartet verstorben, mit seinen bereits vor einigen Jahren verstorbenen Brüdern Jakob und Stefan prägten sie ein halbes Jahrhundert als vorbildliche Idealisten den Sportverein des Aachtaldorfes. Neben ihrem Fleiß und handwerklichem Geschick in vielen ehrenamtlichen Projekten gehörten die Brüder Hammer in den 1950-er und 1960er Jahren auch zu einer Fußballmannschaft des Sportverein Bohlingen, welche in dieser Zeit große Erfolge feiern konnten. Andreas Hammer war damals ein junges Stürmertalent, der in der Bodenseeregion einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte.

Andreas Hammer aus Bohlingen war ein großer Vereinsmensch und erfolgreicher Fußballspieler. Vor wenigen Tagen ist er unerwartet verstorben.
Andreas Hammer aus Bohlingen war ein großer Vereinsmensch und erfolgreicher Fußballspieler. Vor wenigen Tagen ist er unerwartet verstorben. | Bild: Rolf Hirt

„Aufpassen, der Hammer hat`nen Hammer“. Dieser Ausspruch des Torwartes eines Bodenseevereins zu seinen Vorderleuten spiegelte das herausragende Format des wohl besten Fußballers vom Sportverein Bohlingen wieder. Der kleine und quirlige Mittelstürmer, den man aufgrund seiner enormen Schusskraft „Killer“ nannte, sorgte schon mit 17 Jahren in der A-Klasse Bodensee (heute Bezirksliga) für Furore. „In zwölf Spielen der Rückrunde 1957 erzielte ich alleine 48 Tore“, erinnerte sich Andreas Hammer noch vor wenigen Monaten anlässlich seines 80. Geburtstages. Da erzählte er mit Begeisterung aus früheren Zeiten, von fünf Toren beim Sieg in Hilzingen, fünf Toren gegen den VfR Engen und sieben Toren beim 13:0 Rekordsieg in der A-Klasse in Überlingen am Ried.

Ein „Killer“ mit enormer Torausbeute

Die Torausbeute des „Killers“ vom Aachtal war damals enorm, er brachte so manche Mannschaft zur Verzweiflung. Andreas Hammer wusste auch von einem beachtlichen Coup zu berichten, als in dieser Ära der große SC Pfullendorf als ungeschlagener Herbstmeister nach Bohlingen kam und eine empfindliche 6:1 Niederlage einstecken musste. „Auch zu diesem sensationellen Sieg steuerte ich fünf Treffer bei“, erinnerte sich Andreas Hammer schmunzelnd.

Schnell wurden damals andere Vereine auf die Torjägerqualitäten des jungen Bohlinger Fußballers aufmerksam. Ein Spielerbeobachter aus Amerika wollte Andreas Hammer zu einem Club nach Chicago mitnehmen, ein bekannter Verein aus Köln hatte ebenfalls Interesse an dem Talent Andreas Hammer aus Bohlingen. Doch der junge Fußballer aus dem Hegau zögerte damals noch, erst in der Saison 1962 zog es ihn für ein Jahr zum Schweizer A-Nationalligist FC Schaffhausen mit Trainer Werner Zehner. Hammer erinnerte sich an eine schöne, aber auch sportlich anstrengende Zeit, als bis zu 7000 Zuschauer im Stadion auf der „Breite“ in Schaffhausen die Spiele gegen Grashoppers Zürich, Servette Genf und gegen den FC Basel verfolgten.

Ein hilfsbereiter Vereins- und Familienmensch

Nach seiner Rückkehr zu seinem Heimatverein war Andreas Hammer jahrelang Spielertrainer beim Sportverein Bohlingen und nebenbei Schiedsrichter im Bezirk Bodensee. Das Herz des Ehrenmitgliedes schlug bis zuletzt für den Fußball auf dem heimischen Aachtal, dem Verein stand er als erfahrener Ratgeber immer zur Seite. Als liebenswerter und hilfsbereiter Vereins- und Familienmensch war Andreas Hammer in der Einwohnerschaft von Bohlingen sehr angesehen. Mit seinen besonderen Fähigkeiten als Zauberer (er war Mitglied des Magischen Zirkels Konstanz) erfreute er gelegentlich an Zusammenkünften die Mitglieder des Sportvereins. Andreas Hammer hinterlässt seine Ehefrau Brigitte und Tochter Corinna mit Familie.