Sie waren laut, ließen sich nicht unterkriegen und trugen ihre existenzbedrohende Situation an die Öffentlichkeit. Seit dem 16. Dezember befanden sich rund 80.000 Friseursalons in Deutschland zum zweiten Mal im harten Corona-Lockdown, weswegen viele mit finanzieller Unsicherheit zu kämpfen hatten. Das hat nicht nur das Personal betroffen, das vielerorts neben den Einbußen durch das Kurzarbeitergeld auch noch auf die Einnahmen aus Trinkgeldern verzichten mussten, sondern auch die Inhaber der Friseursalons. „Die Not ist groß!“, formulierte Friseurmeisterin Concetta Vallelonga in einem Brief an den Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU). Gelte es doch, Beiträge zur Berufsgenossenschaft, zur Handwerkskammer und etlichen Versicherungen zu begleichen, ohne dass Einnahmen aus dem Friseurbetrieb verbucht werden können. „In unserer Branche sind bereits 20 Prozent Gewinneinbruch existenzgefährdend, da wir eine Gewinnmarge von weniger als 10 Prozent haben“, kalkuliert Vallelonga.

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Die Friseursalons seien seit dem ersten Lockdown alle mit den erforderlichen und verordneten Hygiene-und Sicherheitsauflagen umgerüstet worden. „Wir können also arbeiten und wir wollen wieder arbeiten können“, forderte Vallelonga noch kürzlich – und die Stimme der Friseure wurde erhört. Die bis vor Kurzem noch ausweglose Situation fand mit dem Monatsanfang ein Ende – Friseure dürfen wieder ran ans Haar. Und das nicht nur zur eigenen Freude. Für Furkan Kirmaci war der Öffnungsbeschluss der Bundesregierung für Friseursalons in allererster Linie eine Entlastung: „Die Freude war enorm als wir mitbekommen haben, wieder zur normalen Tagesordnung übergehen zu können. Denn ich denke, ich spreche im Namen aller Friseurinnen und Friseure, wenn ich sage, dass schwere Zeiten hinter uns liegen“, sagt Inhaber des Friseursalons „Dadae Berber“ in Singen. Der 24-Jährige bietet neben Haar- und Bartstyling für Männer auch Haarschnitt, Farbe, Strähnchen oder Haarverlängerungen für Frauen an. Auch kosmetische Behandlungen wie das Augenbrauen- und Wimpernfärben gehörten zu normalen Zeiten zum Alltagsprogramm des jungen Friseurmeisters – aktuell ist dies anders (siehe Infoanhang).

Das Dadae-Berber Team: (Von links) Abdullah Kirmaci, Ayhan Samandarov, Serpil Akkol, Nick Gibert und Furkan Kirmaci.
Das Dadae-Berber Team: (Von links) Abdullah Kirmaci, Ayhan Samandarov, Serpil Akkol, Nick Gibert und Furkan Kirmaci. | Bild: Anina Kemmerling

Nachdem vor wenigen Tagen die Wiedereröffnung der Friseursalons bekannt gegeben wurde, sei er von Terminanfragen überflutet worden. „Dass direkt Anfragen kommen, habe ich mir gedacht. Aber mit einem derartigen Ansturm hätte ich nicht gerechnet“, sagt er. Termine für die erste Öffnungswoche seien in kürzester Zeit vergeben gewesen. Jedoch ist die Öffnung der Salons mit strengen Hygienevorlagen der Regierung und der Handwerkskammer verbunden. Zu viel Normalität würde die sinkenden Infektionszahlen gefährden und eine erneute Schließung provozieren. So ist das Haare schneiden, färben und stylen wie gewohnt, mit tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und vorherigem Desinfizieren der Hände, erlaubt. „Bei der Wiedereröffnung arbeiten wir ausschließlich mit Terminen, so haben wir die Kontrolle über die Personenzahl im Laden“, erklärt Kirmaci. Sein Friseursalon in der Ekkehardstraße hat derzeit Platz für elf Personen. Nur so kann der Sicherheitsabstand eingehalten werden. Zur Gewährleistung der Hygienemaßnahmen geben Kirmaci und seine Mitarbeiter ihr Bestes: „Es geht nicht nur um uns. Das Gemeinwohl und die Gesundheit unserer Kunden steht an erster Stelle.“

„In unserer Branche sind bereits 20 Prozent Gewinneinbruch existenzgefährdend, da wir eine Gewinnmarge von weniger als 10 Prozent haben“, kalkuliert Friseursalon-Inhaberin Concetta Vallelonga.
„In unserer Branche sind bereits 20 Prozent Gewinneinbruch existenzgefährdend, da wir eine Gewinnmarge von weniger als 10 Prozent haben“, kalkuliert Friseursalon-Inhaberin Concetta Vallelonga. | Bild: privat

Die Regierung rechtfertigt den Beschluss der Friseureröffnung zum einen durch die sinkenden Coronavirus-Infektionszahlen. Zum anderen ginge es bei Friseurdienstleistungen, nach Angaben des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder, nicht nur um Hygiene, sondern um Würde. Friseure haben demnach Vorrang vor Kosmetikstudios oder der Gastronomie, selbst wenn diese auch über ein Hygienekonzept verfügen. Kirmaci bedauert diese Vorgehensweise: „Jeder Geschäftsbesitzer hat es momentan schwer. Die Beschlüsse finde ich in Abwägung zu anderem teilweise ungerecht – gerade weil Gastronomie und Kosmetikstudios bewiesen hatten, wie Gesundheitsvorkehrungen in ihren Lokalitäten eingehalten werden können.“ Während beider Lockdowns hatte der Singener Friseursalon hohe finanzielle Einbußen. „Es ist unmöglich den Verlust in nächster Zeit begleichen zu können“, sagt Kirmaci. Auf Hilfsgelder des Staates musste er lange warten. Vergangene Woche erhielt er etwa die Hälfte des versprochenen Geldes. Auch ein Umzug zur Ladenvergrößerung müsse nun warten. Trotzdem blickt er positiv in die Zukunft: „Ich bin Optimist und hoffe, meine Ideen für einen neuen Laden bald umsetzen zu können.“

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