Es ist ein großer Tag für das 30-köpfige Team der Übungsfirma „Agentur Gerwig“. Schüler des kaufmännischen Berufskollegs der Robert-Gerwig-Schule haben die elfte internationale Bodensee-Schülerfirmen-Messe (IBS) in der Singener Stadthalle organisiert. Ein halbes Jahr haben sie auf diese Veranstaltung hingearbeitet. Sie konnte nach einem Jahr Corona-Pause mit online-Veranstaltung wieder real stattfinden und warb deshalb auch mit einem „Messeerlebnis mit allen Sinnen“.

Esat Haklaj und Liss Gjokaj (von links) waren bei der Organisation der Messe für die Sponoren zuständig und sprachen spontan mit den ...
Esat Haklaj und Liss Gjokaj (von links) waren bei der Organisation der Messe für die Sponoren zuständig und sprachen spontan mit den Pressevertreterinnen. | Bild: Tesche, Sabine

Die Schüler Liss Gjokaj (17) und Esat Haklaj (18) von der Agentur stehen selbstbewusst in gebügelten, dunkelblauen Hemden im Foyer der Stadthalle, und der Stolz darüber, dass die Messe Realität geworden ist, ist ihnen anzumerken. Die größte Herausforderung bei der Organisation der Messe sei gewesen, dass sie nicht wussten, ob sie stattfinden könne, sagen sie. „Wir haben zu Beginn des Schuljahres im September mit der Übungsfirma begonnen und die Corona-Vorschriften haben sich ständig geändert“, berichtet Esat Haklaj, der auch Schülersprecher ist. Die beiden jungen Männer waren für den Bereich Sponsoring zuständig, andere Teams kümmerten sich um die Messeorganisation oder das Catering.

Weniger Firmen als zuvor

Die Pandemie ist ihrer Meinung nach auch der Grund, warum sich weniger Übungsfirmen als in den Jahren zuvor angemeldet haben. 16 Übungsfirmen mit rund 300 Teilnehmern kamen in diesem Jahr. Der internationale Charakter der Messe, mit Firmen aus der Schweiz, war nicht gegeben, die Teilnehmer kamen aus dem Südwesten. Die Suche nach Sponsoren sei vor diesem Hintergrund ebenfalls nicht einfach gewesen. „Wir haben viele Firmen angeschrieben und konnten dann drei Sponsoren gewinnen“, sagt Haklaj.

Schönheit ist ihr Geschäft: Die Schüler der Beauty Dimension GmbH aus Singen haben sich bei ihrem Outfit und der Standgestaltung Mühe ...
Schönheit ist ihr Geschäft: Die Schüler der Beauty Dimension GmbH aus Singen haben sich bei ihrem Outfit und der Standgestaltung Mühe gegeben. | Bild: Tesche, Sabine

Auch wenn die Messe in diesem Jahr kleiner ausfalle, sei es doch toll, dass es geklappt habe. „Die Atmosphäre, wenn man sich sehen kann, ist einfach eine andere“, so Liss Gjokai und blickt auf das geschäftige Treiben der Schüler, die ihre Stände aufbauen. Die Mitglieder jeder Firma haben ein gemeinsames Outfit und sich teilweise viel Mühe bei der Gestaltung ihres Messestandes gemacht. Was die beiden bei ihrer Übungsfirma gelernt haben? „Organisation, Zusammenarbeit und sich trotz der Situation zu motivieren und durchzuhalten“, erklären die beiden Schüler. Gut fanden sie auch, dass nicht nur jeder in seiner Gruppe gearbeitet habe, sondern man sich auch gegenseitig unterstützte, wenn Hilfe nötig war.

Eren Su von der Übungsfirma Rewo aus Rottweil im Gespräch mit einer Kundin.
Eren Su von der Übungsfirma Rewo aus Rottweil im Gespräch mit einer Kundin. | Bild: Tesche, Sabine

Außerdem lerne man auch, sich spontanen Herausforderungen zu stellen, wie zum Beispiel die Pressevertreterinnen über die Messe zu führen. Jessica Ellensohn von der Übungsfirma Beauty Dimension GmbH hat besonders das praktische Arbeiten gefallen. „Wir mussten Buchungen vornehmen, Rechnungen und Mahnungen schreiben“, erklärt die Robert-Gerwig-Schülerin. Das sei schon etwas anderes, wenn man das wie in einem echten Unternehmen machen müsse. Die Firma verkaufte in Kooperation mit einem Drogeriemarkt Schönheitsprodukte.

Zu Gast aus Rottweil von der Nell-Breuning-Wirtschaftsschule (von links) Katrin Bauer, Justin Wirt, Eren Su und Valeria Abermet.
Zu Gast aus Rottweil von der Nell-Breuning-Wirtschaftsschule (von links) Katrin Bauer, Justin Wirt, Eren Su und Valeria Abermet. | Bild: Tesche, Sabine

Verena Märkle, Lehrerin an der Nell-Breuning-Wirtschaftsschule Rottweil, ist mit ihren Kollegen und zwei Klassen angereist. Eine Klasse arbeitet am Messestand, die Schüler der anderen sind als Besucher unterwegs. Die Schüler in orangen T-Shirts vertreten die Firma Rewo GmbH, Reisen und Wohnen. Eren Su erweist sich als besonders geschäftstüchtig und kommt mit potentiellen Kundinnen ins Gespräch. Verena Märkle findet es indes schade, dass nicht so viele Firmen teilnehmen. „Sonst war die Halle immer mit Schülern und Ständen voll“, erinnert sie sich. Aber auch sie ist der Meinung, dass eine kleine Messe besser sei als keine.

OB Bernd Häusler begrüßt zur Übungsfirmen-Messe, gemeinsam mit den Lehrern Marina Bußmann und Stefan Klocke, die Betreuer der Klasse, ...
OB Bernd Häusler begrüßt zur Übungsfirmen-Messe, gemeinsam mit den Lehrern Marina Bußmann und Stefan Klocke, die Betreuer der Klasse, die die Messe organisierten. | Bild: Tesche, Sabine

Der Hausherr der Stadthalle Singens, OB Bernd Häusler, freute sich ebenfalls über die Begegnungen in der Stadthalle und kam ins Gespräch mit den Schülern. Er begrüßte die Teilnehmer der Messe: Es sei toll und keine Selbstverständlichkeit, dass Schüler die Möglichkeit haben, ihre Ideen in der Stadthalle zu präsentieren. Die beiden Lehrer Marina Bußmann und Stefan Klocke von der Robert-Gerwig-Schule standen den Schülern der Agentur Gerwig als Betreuer und Coaches zur Seite. Auch Klocke sprach von der Unsicherheit, ob die Messe überhaupt stattfinden könnte. Doch „Gott sei Dank“ hätten sie den Mut gehabt, die Veranstaltung durchzuziehen. Das Ergebnis könne sich sehen lassen. „Jetzt ist es halt eine kleine, feine Messe geworden“, so Klocke.