In den vergangenen Jahren gab es bei Kauf- und Mietpreisen für Immobilien in Singen nur eine Richtung: nach oben. Die Nachfrage nach Wohnungen zur Miete oder zum Kauf ist in der Hohentwiel-Stadt wegen des knappen Angebots weiterhin hoch. Um den Druck etwas vom Wohnungsmarkt zu nehmen, realisiert die Baugenossenschaft Oberzellerhau (BGO) gleich drei millionenschwere Bauvorhaben. In den kommenden Jahren sollen in der Wehrd- sowie in der Karl-Schneider-Straße und auf dem ehemaligen Kunsthallenareal rund 240 neue Mietwohnungen gebaut werden. Dadurch entstehen etwa 20.000 Quadratmeter Wohnfläche bei einer Gesamtinvestition der Oberzellerhau von rund 65 Millionen Euro. „Die Nachfrage in Singen ist immens hoch, der Preisdruck ist da“, macht Thomas Feneberg, geschäftsführender Vorstand, beim Spatenstich zum Vorhaben in der Wehrdstraße deutlich.

Vor dem Bauen muss geschippt werden (von links): Oberbürgermeister Bernd Häusler, Daniel Burkhard, Leiter Filialentwicklung Aldi Süd, Markus Oswald von Oswa und Thomas Feneberg, geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft Oberzellerhau, beim Spatenstich in der Wehrdstraße.
Vor dem Bauen muss geschippt werden (von links): Oberbürgermeister Bernd Häusler, Daniel Burkhard, Leiter Filialentwicklung Aldi Süd, Markus Oswald von Oswa und Thomas Feneberg, geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft Oberzellerhau, beim Spatenstich in der Wehrdstraße. | Bild: Matthias Güntert

Die Bagger rollen in der Wehrdstraße

Das neuste Projekt der BGO ist das in der Wehrdstraße zwischen der Rielasingerstraße und der Maggi-Straße. Dort sollen in vier Gebäuden 86 neue Wohnungen entstehen – 40 davon barrierefrei. Das Bauprojekt ist Teil des städtebaulichen Rahmenplanes „Zukunft Singen Süd“.

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Die Wohnungsgrößen belaufen sich auf 42 bis 154 Quadratmeter und sollen alle Segmente von der 1,5-Zimmer- bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung umfassen. „Das Wohnkonzept ist generationenübergreifend und ist sowohl für Familien als auch für Singles oder Menschen mit Mobilitätseinschränkung angedacht“, so Thomas Feneberg weiter.

Thomas Feneberg, geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft Oberzellerhau, erklärte, dass man durch das Vorhaben in der Wehrdstraße zur Entspannung auf dem Singener Wohnungsmarkt beitragen wolle.
Thomas Feneberg, geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft Oberzellerhau, erklärte, dass man durch das Vorhaben in der Wehrdstraße zur Entspannung auf dem Singener Wohnungsmarkt beitragen wolle. | Bild: Matthias Güntert

Neben den Wohnungen wird auch ein Lebensmittelmarkt in das Projekt integriert. Hinzu kommen 185 Parkmöglichkeiten für die Wohnungen und das angesiedelte Gewerbe. Die Investitionssumme beläuft sich laut Feneberg auf rund 36 Millionen Euro. „Es handelt sich dabei um die größte Einzelinvestition der Oberzellerhau“, betont Thomas Feneberg. Auch

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Oberbürgermeister Bernd Häusler zeigte sich beim Spatenstich erfreut, dass eine weitere Brache in der Singener Innenstadt nun aus dem Dornröschenschlaf geweckt werde. „Viele Jahre ist auf diesem Grundstück nichts passiert“, so der Singener Rathauschef. Er zeigte sich davon überzeugt, dass sich das Quartier „Zukunft Singen Süd“ durch das Bauvorhaben der BGO nochmals qualitativ weiter entwickle und aufgewertet werde: „Das ist ein tolles Projekt für die gesamte Stadt.“

Jetzt rollen die Bagger an: Die Bauarbeiten in der Wehrdstraße haben begonnen. Neben Mietwohnungen soll hier auch eine Aldi-Filiale eröffnen.
Jetzt rollen die Bagger an: Die Bauarbeiten in der Wehrdstraße haben begonnen. Neben Mietwohnungen soll hier auch eine Aldi-Filiale eröffnen. | Bild: Matthias Güntert

OB Häusler lobte vor allem die rasante Umsetzung im „Höchsttempo“. Wie schnell tatsächlich hinter den Kulissen geplant und gearbeitet wurde, rechnet Thomas Feneberg vor: Erst im Jahr 2019 habe die BGO das Grundstück gekauft. Davor war die GVV Städtische Wohnbaugesellschaft Singen GmbH Eigentümerin des Areals.

Bis 2023 baut die Baugenossenschaft Oberzellerhau in der Wehrdstraße 86 neue Mietwohnungen.
Bis 2023 baut die Baugenossenschaft Oberzellerhau in der Wehrdstraße 86 neue Mietwohnungen. | Bild: Matthias Güntert

Im Höchsttempo soll es auch weitergehen: Der BGO-Geschäftsführer rechne damit, dass die ersten Bewohner bei optimalem Baufortschritt bereits Anfang 2024 in die Wehrdstraße einziehen können. Zehn Euro pro Quadratmeter – so hoch könnte die Kaltmiete in der Wehrdstraße ausfallen. „Das ist unser Ziel“, bekräftigt Thomas Feneberg. Allerdings hänge dieser Preis von den abschließenden Baukosten ab.

Das Singener Stadtbild verändert sich

Nach eigenen Angaben ist die Baugenossenschaft Oberzellerhau mit 1.440 Einheiten auf einer Fläche von rund 100.000 Quadratmetern der größte Wohnraumvermieter im Singener Stadtgebiet. Dies wird auch an zwei weiteren Bauvorhaben deutlich, die weitere Wohnungen auf den Markt spülen sollen: eines in der Karl-Schneider-Straße, das andere auf dem ehemaligen Kunsthallenareal. So sollen auf dem ehemaligen Kunsthallenareal Ecke Thurgauer Straße/Freiheitstraße in sieben Wohnhäuser weitere 84 Einheiten entstehen. Ein Teil der Wohnungen ist bereits bewohnt, der Rest solle laut Feneberg Ende des Jahres bezugsfertig sein. Das Vorhaben auf dem Kunsthallenareal kostet die BGO rund 22 Millionen Euro. Wie hoch der Druck auf den Singener Wohnungsmarkt tatsächlich ist, verdeutlicht Thomas Feneberg: Für eine Wohnung auf dem ehemaligen Kunsthallenareal habe es zwischen drei und 20 Anfragen gegeben.

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Bei den Neubauten in der Karl-Schneider-Straße 3,5,7 und 9 entstehen drei Mehrfamilienhäuser sowie ein Wohn- und Bürogebäude. 71 Wohnungen sind hier bis 2021/2022 geplant, 27 davon sollen öffentlich gefördert werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 16 Millionen Euro. Und auch der BGO steht nach der Fertigstellung des Vorhabens ein Umzug ins Haus: Da die Räumlichkeiten am Standort im Oberzellerhau 2 zu klein werden, wird die Baugenossenschaft nach Beendigung der Bauarbeiten ebenfalls umziehen. „Aber quasi nur quer über die Straße“, so Feneberg. Er rechne damit, dass die BGO im dritten Quartal 2021 ihre neuen Räumlichkeiten beziehen werde.

Aldi Süd zieht mit ein

Und auch das Geheimnis, welcher Lebensmittelmarkt in das Objekt in der Wehrdstraße mit einziehen wird, ist gelüftet: Aldi Süd wird in der Nähe der Maggi eine neue Filiale mit einer Verkaufsfläche von 1000 Quadratmeter eröffnen. Für Daniel Burkhard, Leiter Filialentwicklung bei Aldi Süd, sind Projekte wie in der Wehrdstraße, die der Zukunft: „Die Verbindung von Wohnen und Handel bietet sich an diesem Standort bestens an.“ Für Aldi sei es wichtig, in einer Stadt wie Singen mit zwei bis drei Standorten vertreten zu sein. Aldi betreibt bereits eine Filiale in der Industriestraße.