Sagen Sie mal, Herr Kohlhepp, was reizt Sie an der Bühne?

Die Magie der Bühne habe ich schon mit vier Jahren gespürt. Ich habe als kleiner Bub jede Möglichkeit genutzt, auf Familienfesten etwas vorzutragen. Eine Zeit lang wollte ich sogar Hochseilartist werden.

Sie sind ein vielseitiger Künstler, machen Kabarett, Musik, Filme, waren Sprecher bei der „Sendung mit der Maus“, und pünktlich zur Weihnachtszeit erscheint Ihr E-Book. Auf welches neue Terrain würden Sie sich gerne noch begeben?

Im Augenblick arbeite ich an einer Live-Quizshow. Ich habe mich nun auch an eine Hamlet-Übersetzung für Herrn Hämmerle gemacht.

„Für das Studium habe ich kein Feuer gefangen“

Sie studierten Germanistik, Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaften. Haben Sie das Studium abgeschlossen?

Nächste Frage bitte. Nein, im Ernst: Obwohl ich ein ziemlich guter Schüler war, habe ich für das Studium kein Feuer gefangen. Ich habe dann lieber für die Tageszeitung geschrieben und mit dem Straßentheater begonnen. Darüber bin ich heute sehr froh.

Zu welchem Berufsziel sollte Ihr Studium ursprünglich führen?

Im Grunde wollte ich immer das werden, was ich heute bin. Uli Boettcher hat mal gesagt: Ohne Bühne ist der Kohlhepp gar nicht lebensfähig. Das trifft es irgendwo.

„Ich habe Freude an besonderen, unvorhergesehenen Ereignissen auf der Bühne“

Apropos Uli Boettcher: Mit dem Ravensburger Stand-Up Künstler haben Sie drei Kabarett-Stücke geschrieben und erfolgreich aufgeführt. Was zeichnet Ihre Zusammenarbeit aus?

Blindes gegenseitiges Vertrauen und die Freude an besonderen, unvorhergesehenen Ereignissen auf der Bühne. Es ist auch ein kleiner Wettstreit bei uns: Jeder möchte den Kollegen gut aussehen lassen.

„Canale Grande“, Ihr Debut-Film, ist im Januar dieses Jahres erschienen. Wovon handelt der Film?

Herr Hämmerle erfährt, dass der Mann, der sich als sein Vater ausgab, nicht sein Vater ist. Vermutlich ist es – halten Sie sich fest – ein italienischer Gondoliere. Und so macht er sich auf nach Venedig, diesen ausfindig zu machen.

„Herr Hämmerle ist ein Mann mit Prinzipien. Sie sind allerdings flexibel, je nach Situation“

Wo kann man den Film sehen?

„Canale Grande“ hatte 2019 in Stuttgart im Kino Metropol Premiere. In einer Version als Film- und Bühnenstück mit einem Musiker war ich damit auf einigen kleineren Kulturbühnen und in Programmkinos unterwegs. Dieser Tage habe ich den Film online gestellt. Man sieht ihn in vier Teilen auf kohlhepp.wordpress.de. Das ist eine Seite, auf der ich Hintergründe meiner Arbeit darstelle. Zum Film gibt es auch ein nettes Quiz.

Eine Ihrer Paraderollen ist die des „Herrn Hämmerle“. Mit diesem Charakter haben Sie seit 1998 verschiedene Kabarettprogramme gespielt. Wie würden Sie diesen Mann beschreiben?

Herr Hämmerle ist ein Mann mit Prinzipien. Sie sind allerdings flexibel, je nach Situation. Hämmerle erklärt nicht die Welt, er gestaltet sich die Welt nach seinem Geschmack. Wo‘s klemmt, wird es passend gemacht. Ein echter schwäbischer Eigenbrötler, aber auf liebenswerte Weise, sehr gewitzt und raffiniert. Auf der Bühne ist er zuweilen charmant, kommt schnell ins Gespräch – vor allem mit den Damen – und erfährt so manches über die Zuschauer. Für mich als Kabarettist ist der Mann ein Geschenk! Der kann ja alles: singen, tanzen, dichten. Ich nenne ihn gerne mein „schwäbisches Taschenmesser“. Er ist scharf, praktisch und immer gut zu gebrauchen.

„Ich wollte unbedingt wieder in der Gems gastieren!“

Herr Hämmerle ist ja nun am 6. August dieses Jahres im Rahmen des Gems Open Air Sommers in Singen zu Gast. Warum sollte man ihn unbedingt kennenlernen?

Zunächst: Ich wollte unbedingt wieder in der Gems gastieren! Für mich ist es eine der wichtigsten Bühnen des Landes. Und wenn dann Herr Hämmerle auftritt, entsteht – in Verbindung mit anderen Figuren aus meinem Repertoire – ein unvergleichlicher, nicht wiederholbarer Abend. Denn jeder Spielort hat seine eigene Stimmung und Atmosphäre, auf die ich mich einlasse und versuche, mit dem Publikum eine Einheit herzustellen. Ich bin gespannt, was der „knitze Schwabe“ aus Bempflingen am Donnerstag in Singen für neue Lebensweisheiten ans Licht befördert. Wer nicht kommt, kann das nicht wiederholen! Allenfalls auf meiner Website nachlesen, was er verpasst hat.

Fragen: Nicola M. Westphal

 

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