Regisseurin Susanne Breyer und der Theaterverein Pralka schafften es, über zwei Stunden feine Unterhaltung mit wissenswerter Historie über die Stadt Singen – insbesondere deren raschen Wandel vom Bauerndorf zur Industriestadt – in Geschichten, Musik und Emotionen kreativ zu verpacken. Entstanden ist ein Theaterstück, in der Sozialdemokraten, Naturfreunde und unterschiedliche Gattungen von Singener Bürgern in den vergangenen 125 Jahren wichtige und zugleich unterhaltsame Rollen spielen.

„Mit Karacho in die Neuzeit – Singen wird Industriestadt“ feierte nun erfolgreich Premiere in der so genannten Skylounge des MAC Museum Art & Cars. Dass gerade dieses imposante Museumsgebäude zur Theaterstätte werden würde, hätte man sich beim Bau nicht ausdenken können, begrüßte Hermann Maier, Stifter und Vorstandsvorsitzender des MAC, die rund 50 zugelassenen Theaterbesucher. Dass beim Bau des Museums auf eine technisch hochmoderne Lüftung geachtet wurde, kam Pralka nun zu Gute. Denn in Zeiten von Corona ist es gar nicht so einfach, hochwertige Kultur – insbesondere auch Theater – anzubieten.

Die Frauen arbeiten in der Maggi und kochen die weltweit bekannte Würze.
Die Frauen arbeiten in der Maggi und kochen die weltweit bekannte Würze. | Bild: Sandra Bossenmaier

Weil die Bretter, die die Welt bedeuten, oder konkret die kleine Bühne in der Skylounge den Laiendarstellern nicht immer die Möglichkeit gibt, ausreichend Abstand einzuhalten, entschied man sich, mit Mund-Nasen-Schutz zu spielen. Dies erforderte eine hohe Konzentration und eine noch deutlichere Aussprache als üblich. Doch die Anstrengungen zahlten sich aus: Was an Mimik verloren ging, wurden mit Gestik, Stimmungen und einer ausdrucksstarken Ausstrahlung der Akteure und stimmiger Musik wett gemacht.

Das damit verbundene Erlebnis Theater, besonders in einer zwangsläufig kulturvernachlässigenden Corona-Zeit, verlor dadurch nicht im Geringsten an Wert. Der Schutz vor Corona und die Gesundheit von Schauspielern und Theaterbesuchern war der Regisseurin in dieser Situation wichtiger als ein Spiel ohne Maske und damit mehr sichtbarer Mimik.

Lea Jäckle und Devin Maier sind Berta und Reinhold, zwei Figuren aus dem Stück.
Lea Jäckle und Devin Maier sind Berta und Reinhold, zwei Figuren aus dem Stück. | Bild: Sandra Bossenmaier

„Mit Karacho in die Neuzeit“ erzählt vom rasanten Aufstieg des einstigen Bauerndorfs Singen zur Industriestadt, mit all den damit verbundenen Wünschen, Hoffnungen, Sorgen und politischen Unruhen. Die erste Szene spielt im Jahr 1895 auf dem Hohentwiel, auf dem sich mehrere tausend Menschen versammelt hatten, um dem SPD-Vorsitzenden August Bebel zuzuhören. Die Zeitreise führt durch die Georg-Fischer-Fabrik mit hart arbeitenden Männern und setzt sich bei der Maggi fort, wo die Frauen arbeiteten. Ferner zeigt das Stück einen gesellschaftlichen Wandel auf. Dabei geht es um Angst, Mut und das Gerangel um Menschenrechte.

Regisseurin Susanne Breyer, hier als überzeugender Punk in Singen.
Regisseurin Susanne Breyer, hier als überzeugender Punk in Singen. | Bild: Sandra Bossenmaier

Nicht fehlen dabei darf die legendäre Cola-Flasche, Mode und Musik. Durch die Jahrzehnte begleitet der Protagonist Reinhold aus Riedheim das Geschehen. Auf dem Hof seiner Eltern sah er keine Zukunft für sich und wanderte deshalb in die Stadt Singen aus, wo er in der Fabrik für gutes Geld hart arbeiten musste. Bei einem fröhlichen Ausflug mit den Naturfreunden und Sozialdemokraten nach Markelfingen lernt er seine Liebe Berta kennen. Deren Enkelin blickt am Ende des Abends auf Singen und gibt den Theaterbesuchern Nachdenkliches mit auf den Nachhauseweg. Dabei wird aufgezeigt, wie Singens Industrie sauber und klimaneutral sein und eine Wunschfirma aus Sicht der Mitarbeiter aussehen könnte.

Was wurde aus Singen und dem Hohentwiel? Antwort gibt es im Theater. „Mit Karacho in die Neuzeit“ erzählt vom rasanten Aufstieg des einstigen Bauerndorfs zur Industriestadt.
Was wurde aus Singen und dem Hohentwiel? Antwort gibt es im Theater. „Mit Karacho in die Neuzeit“ erzählt vom rasanten Aufstieg des einstigen Bauerndorfs zur Industriestadt. | Bild: Sandra Bossenmaier

Unter Einhaltung aller gültigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen soll es an den nächsten beiden Wochenenden weitere Aufführungen geben, Karten im Vorverkauf gibt es bei Buch Greuter in Singen. Informationen zu den Spielterminen sind im Internet nachzulesen: http://www.pralka.de