Eigentlich hat Matthias Egersdörfer das Publikum in sein Wohnzimmer, diesmal in der Singener Gems, eingeladen, um sein „Manifest des idealen Sonntag“ vorzutragen. Doch es soll noch zweieinhalb Stunden dauern, bis es schließlich soweit ist. Denn zuvor muss der grantelnde Franke den Frust über seine Nachbarn loswerden, die ihm gehörig auf die Nerven gehen.

Ob Frau Schlitzbier aus dem Vorderhaus, die hustet, dass die Gläser bei ihm im Schrank wackeln, und ihn mit einem norddeutschen „Da nicht für“ fast in den Wahnsinn treibt. Oder der Spitzbart über ihm, der von morgens bis abends rumpelt. Oder auch die Großfamilie mit den fünf, sieben, neun oder 21 Kindern, die für ihn nur eine Drecksbrut sind.

Skurrile Sketche

Nein, der Egersdörfer nimmt kein Blatt vor dem Mund. Und wenn dann noch die verstorbene Mutter als Handpuppe auftaucht, geht es tief hinab in die seelischen Abgründe des ewigen Grantlers. Denn sie hat einst wie ein Tsunami gewütet – ihren Matthias, ihr Bubile, aber wie ein rohes Ei behandelt, gerne auch mal mit zwei Wollmützen auf einmal. Und zum Protest gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackerdorf hat sie ihn auch nicht fahren lassen.

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Frauen scheinen den Berufscholeriker überhaupt zu beschäftigen, findet er ihr Verhalten doch ähnlich seltsam wie jenes von Tiefseefischen. Und wenn die Apothekerin ihn beim Abholen seiner Psychopharmaka fragt, ob sie sonst noch etwas für ihn tun kann, geht die Fantasie komplett mit ihm durch.

Das Publikum bekommt sein Fett weg

Und dann wäre noch das Publikum selbst, das es dem mit mehreren Kleinkunstpreisen Ausgezeichneten nicht recht machen kann. Gerade die Damen und Herren, die es gewagt hatten, in der vordersten Reihe Platz zu nehmen, bekommen ihr Fett weg. Mal gibt das Publikum keine Antworten, dann wieder die falschen.

Mal wird gelacht, wenn nicht gelacht werden soll, oder es wird geredet, wenn es nicht gefragt ist. Der Egersdörfer hat‘s schon schwer. Eigentlich sei er ja ein Dünnhäuter, ein „papierener Poet“, vom Charakter her ein braver Bernhardiner und wäre froh, wenn er sich nicht so aufregen müsste. Und freundlicher zu den Menschen sein könnte. Aber dann wäre er einfach nicht mehr der Egersdörfer.