Während der Eucharistiefeier, sozusagen die Hochform eines Gottesdienstes und eines der heiligen Sakramente der katholischen Kirche, erfolgt die Wandlung von ungesäuertem und aus Weizenmehl bestehendem Brot in das Fleisch Jesu Christi. Gefeiert wird die Menschwerdung Gottes, mit der geweihten Hostie ist für gläubige Katholiken Jesus Christus gegenwärtig.

Ein Geheimnis des Glaubens

Nach der Wandlung verkündet der Priester dieses Geheimnis des Glaubens, das schwer zu verstehen und zu begreifen ist, doch immer wieder aufs Neue daran erinnert, dass Jesus und mit ihm Gott bei der Eucharistiefeier anwesend sind. Äußerlich mag diese Hostie ein kleines Stück flaches Brot sein, für gläubige Katholiken ist es der wahre Leib Jesu Christi, den man ehrfürchtig zu sich nimmt.

Auch wenn die Zutaten einer Hostie nach der Wandlung dieselben sind, ändert sich laut der katholischen Lehre dessen Wesen. Vor diesem Allerheiligsten machen die Gläubigen eine Kniebeuge. So etwas per Post zu versenden sei undenkbar, erklärt Dekan Matthias Zimmermann vom Dekanat Hegau.

„Geistige Kommunion„ wird aktuell

Dieses Geheimnis kann aktuell aufgrund des Infektionsschutzgesetzes und dem damit verbundenen Verbot von Gottesdiensten und Versammlungen nicht entdeckt werden. Dass mit den Kirchengemeinden keine Eucharistiefeiern gefeiert werden könnten, darunter würden alle leiden, so Zimmermann.

Und niemand würde in der aktuellen großen Corona-Not lieber Gottesdienste feiern als die Priester selbst. „Der Begriff der geistigen Kommunion wird in diesen Tagen wieder ganz aktuell“, erklärt Pfarrer Thorsten Gompper von der Seelsorgeeinheit Hohenstoffeln-Hilzingen.

Im Glauben verbunden

Dieser Begriff stammt aus einer Zeit, in der nicht alle Gottesdienstteilnehmer regelmäßig die Kommunion empfangen hätten. Dabei ginge es darum, sich geistig im Glauben zu einer Gemeinschaft zu verbinden.

Wenn er als Priester aktuell alleine die Eucharistie feiern würde, wisse er sich dabei eingebunden in die Gebete vieler Menschen, die darauf vertrauen würden, dass sich nicht nur am Altar die Wandlung vollzieht, sondern dass mit Gott auch eine Gemeinschaft entsteht, die sich selbst über große Entfernungen und ohne den Empfang einer Kommunion als solche erfahren lässt. Das Wissen, dass die Eucharistie in den Kirchen weiter gefeiert wird, stärkt dabei die Gläubigen zu Hause.

Gott findet auch andere Wege

Auch Erzbischof Stephan Burger empfiehlt die geistige Kommunion. Dies bedeute, sich im Gebet mit Jesus Christus so zu vereinen, dass dadurch der Wunsch nach dem tatsächlichen Empfang der Kommunion ersetzt wird. „Gott schenkt sich uns im Zeichen des Brotes“, lautet das Fazit von Verena Kreutter, Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit Aachtal. Dabei ist sie sich sicher, dass er dafür auch andere Wege in diesen schweren Zeiten findet.

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„Den Empfang der heiligen Kommunion kann man mit nichts kompensieren“, so Thomas Fugel aus Engen. Für ihn und seine Frau Christine ist die Feier der Eucharistie aber nur ein Teil des sonntäglichen Gottesdienstes. Vielmehr geht es ihnen dabei auch um das Zusammenkommen der Gemeinde. „Umso mehr freuen wir uns darauf, wenn das gemeinsame Feiern der Eucharistie wieder möglich sein wird“, sind sich die Eheleute Fugel einig. Dann würde man bestimmt dem Pfarrer noch aufmerksamer zuhören als vor der Corona-Krise.

Gläubige freuen sich auf Gottesdienste

„Ich vermisse das Feiern der Eucharistie mit den anderen Gemeindemitgliedern“, nimmt Simone Schröter aus Rielasingen zu diesem Thema Stellung. Auch vermisse sie den Friedensgruß, diese kleine und freundliche Kontaktaufnahme zu den Menschen um einen herum, während des Gottesdienstes. Doch sieht auch sie im aktuell notwendigen Verzicht eine Chance auf mehr Wertigkeit,

„Ich freue mich schon jetzt auf den ersten Gottesdienst, den ich hier gemeinsam mit der Gemeinde nach der Corona-Krise feiern darf. Gib mir bis dahin Kraft, selber stark zu bleiben, um für andere da sein zu können“, betet Dekan Matthias Zimmermann in einem Video in einem sozialen Netzwerk im Internet, nachdem er ganz alleine die sonntägliche Eucharistie in der leeren Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Engen gefeiert hatte, stellvertretend für die vielen Menschen im Hegau und auf der ganzen Erde. Diese einsame Eucharistiefeier sei kein Privileg für ihn, sondern eine Verpflichtung, erklärt der Dekan.

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