Der Singener Christian Siebold ist alarmiert: Er habe diesen Monat mehrere englischsprachige Bandanrufe bekommen, bei denen ihn eine Computerstimme gebeten habe, die Taste eins für einen Rückruf zu drücken, erzählt er. Der Gemeinschaftsleiter des Verbands Wohneigentum der Siedlergemeinschaft Singen vermutet, dass dahinter die Europol-Betrugsmasche steckt. Der Ausdruck Europol steht für die Europäische Polizeibehörde, die mit der Betrugsmasche selbstverständlich nichts zu tun hat. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesen Falschanrufen? Und wie können sich Betroffene schützen?

Auf Anfrage des SÜDKURIER klärt Nicole Minge, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Konstanz, über die Betrugsmasche auf. Der Ablauf der Anrufe sei häufig ähnlich. Erst erfolge eine Ansage durch eine Computerstimme, die vorgebe, persönliche Daten der Betroffenen zu verwenden. Dann gebe es eine Aufforderung, die Taste eins zu drücken, um an einen angeblichen Sachbearbeiter weitergeleitet zu werden. Dieser führe dann das Gespräch auf englischer Sprache, erklärt die Pressesprecherin.

Lügen und Manipulation, um an Geld zu kommen

Christian Siebold hat also alles richtig gemacht. Denn er berichtete, dass er den Anruf nicht weiter verfolgt habe. Stattdessen habe er direkt aufgelegt, da ihm dies suspekt vorgekommen sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Nicole Minge erklärt, wie die Betrüger vorgehen, sollten Angerufene die Taste eins drücken. Die Betrüger geben teilweise vor, die persönlichen Daten der Angerufenen seien im Ausland für Straftaten benutzt worden. Sie drohen dann zum Beispiel damit, dass die Betroffenen bald verhaftet werden. Anschließend fordern sie Geld von ihren Opfern, indem sie ihnen vorgaukeln, es sei für einen Rechtsanwalt. Oder sie sagen, sie würden im Gegenzug für Geld von einer Verhaftung absehen, erklärt die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Konstanz.

Das könnte Sie auch interessieren

In einzelnen Fällen sei es laut Nicole Minge vorgekommen, dass sich die Täter als Polizeibeamte oder Mitarbeiter von Europol ausgeben, um an persönliche Daten der Angerufenen zu kommen. Falls diese nicht genannt werden, sei es laut der Pressesprecherin auch schon dazu gekommen, dass die Betrüger mit einer Haftstrafe von fünf Jahren drohen.

In Singen nimmt die Betrugsmasche ab

Der Polizei sei diese Art von Betrug mit vorgeblichen Polizisten oder Europol-Mitarbeitern schon seit einiger Zeit bekannt, so Nicole Minge. In Singen seien solche Fälle in den vergangenen Jahren allerdings seltener geworden. Zwischen 2018 und 2019 sei es deutlich häufiger vorgekommen, dass Singener sich bei der Polizei gemeldet haben, nachdem Betrüger am Telefon Geld von ihnen verlangt hatten.

So gab es im Jahr 2018 insgesamt 30 Anzeigen – allerdings im Jahr 2020 nur sechs, berichtet die Pressesprecherin. Auch in den Jahren 2021 und 2022 sei es zu weniger Anzeigen in Singen gekommen. „In allen in Singen angezeigten Fällen haben die Angerufenen die Betrugs-Masche erkannt. Wie hoch jedoch das tatsächliche Dunkelfeld ist, kann nicht beantwortet werden“, fügt sie hinzu.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie kann man sich schützen?

Das Polizeipräsidium Konstanz weiß laut Nicole Minge nicht, wie die Täter die Rufnummern auswählen. Doch es seien alle Altersgruppen von der Betrugsmasche betroffen. Die Pressesprecherin rät zu Vorsicht. Wer so einen Anruf bekommt, solle auf keinen Fall reagieren, sondern direkt auflegen. Sie betont, man solle keine persönlichen Daten am Telefon nennen und auch keinen anderen Anweisungen nachgehen.

Eins ist laut der Pressesprecherin klar: Die Polizei oder in diesem Fall Europol fordere Personen nicht übers Telefon auf, Geld zu überweisen oder Wertsachen auszuhändigen. Betroffene sollen sich in kein Gespräch verwickeln lassen, wenn ihnen der Anruf suspekt vorkomme. Falls man doch Geld überweise und später merke, dass es ein Betrug war, sollte der Betroffene direkt Kontakt mit der Bank aufnehmen und den Anruf bei der Polizei anzeigen.