Die Siedlergemeinschaft schließt ihre Vereinsgaststätte „Siedlerheim„ nach 44 Jahren. Wir sprachen mit Gemeinschaftsleiter Christian Siebold und Udo Engelhardt, der als Vertreter der Initiative „Stark im Süden“ in den vergangenen Jahren ebenfalls stark in die Veranstaltungen auf dem Gelände der Siedlergemeinschaft eingebunden war.

Im Siedlerheim stehen – wegen des geforderten Abstands von 1,50 Metern – jeweils zwei Tische mit der Längskante aneinander. Dadurch hätten Besucher theoretisch den geforderten Mindestabstand. Doch gemütlich ist anders. „Ich könnte unter diesen Bedingungen so nur rund 20 Personen reinlassen“, erklärt Christian Siebold. Doch viele Gruppen, die sich regelmäßig im Siedlerheim treffen, sind größer. Seit dem Beginn der Corona-Krise konnten keine Treffen mehr stattfinden.

2019 rund 200 Veranstaltungen

Dabei fanden noch 2019 im Haus und auf dem Gelände des Siedlerheims rund 200 Veranstaltungen statt. Nicht nur Seniorengruppen oder Vereine schätzen das Gelände und die Bewirtung im Siedlerheim. Seit 2016 boten die Siedler einmal monatlich ein Senioren-Mittagessen an, zu dem bis zu 50 Gäste kamen. Nun schließt der Treffpunkt, der in Singen zuletzt die noch einzige selbst bewirtschaftete öffentliche Vereinsgaststätte war, neben anderen Gründen auch aus Rücksicht auf die überwiegend zur Risikogruppe zählenden Besucher.

Seit einigen Jahren ist auch die Initiative „Stark im Süden“ stark in das Geschehen auf dem Siedlerheim-Gelände eingebunden. „Durch die Öffnung für Vereine und Initiativen hat die Siedlergemeinschaft eine neue Rolle bekommen“, sagt Udo Engelhardt. Es seien viele neue Projekte entstanden, woraus sich ein großes Netzwerk entwickelt habe. „Was hier aufgebaut wurde, darf nicht wieder kaputt gemacht werden“, so Engelhardt. Denn es gibt weitere neue Ideen, wie einen Kleiderflohmarkt oder ein Hochbeetprojekt. Sogar ein Freiluftkino kann Engelhardt sich vorstellen. Auch soll das Backhaus bald wieder in Betrieb gehen. „Wir könnten hier gut mit Kindergarten- oder Grundschulkindern Projekte durchführen“, meint Christian Siebold.

Kein „Markt der Möglichkeiten“

Wegen der Corona-Krise fällt der „Markt der Möglichkeiten“, der am 4. Juli zum fünften Mal stattfinden sollte, aus. Über 1000 Leute waren letztes Jahr dort und es zeigte sich, dass viele Altersgruppen aus dem Quartier das Gelände annehmen und sich einbringen. Auch der Weihnachtsmarkt Ende November 2019 war mit rund 300 Besuchern an einem Abend ein großer Erfolg.

Beim 4. Markt der Möglichkeiten im vergangenen Juli waren über 1000 Menschen zum Siedlerheim gekommen, darunter auch viele Familien mit Kindern, denn es war ein buntes Programm geboten.
Beim 4. Markt der Möglichkeiten im vergangenen Juli waren über 1000 Menschen zum Siedlerheim gekommen, darunter auch viele Familien mit Kindern, denn es war ein buntes Programm geboten.

Antrag zur Quartiersarbeit

Für die Entwicklung der Quartiersarbeit hatte es im Januar 2020 einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen der SPD, der Grünen, der Freien Wähler und der SÖS gegeben, nach dem ein gesamtstädtisches Grundlagenkonzept erarbeitet werden solle. Eigentlich sollte am 10. Juli hierzu eine Klausurtagung stattfinden. Diese entfällt wegen Corona.

Die Quartiersarbeit, die seit Jahren in der Südstadt geleistet wird, müsse fortgesetzt werden, heißt es in dem Antrag. Allerdings wird sich die Erarbeitung eines Konzeptes nun verschieben. „Wir werden nach der Sommerpause über ein Konzept diskutieren“, sagte Bürgermeisterin Ute Seifried auf telefonische Anfrage.

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Einen Ort wie das Siedlerheim würde die Stadt ungern verlieren, so Seifried. Das Gelände gehört der Stadt und das Siedlerheim dem Verein und das Gelände ist über Erbpacht an die Siedlergemeinschaft vermietet. „Wir müssen wissen, was die Siedler wollen“, sagt Seifried. Bis es ein Gesamtkonzept geben wird und alles durch die Gremien ist, werden allerdings noch Monate vergehen. Im Zusammenhang mit dem Konzept ist auch die Gründung eines Bürgervereins angedacht.

Pavillon wird von der Tafel genutzt

Die Siedlergemeinschaft möchte möglichst bald wieder Veranstaltungen für das Quartier anbieten. Aktuell werden unter dem großen Pavillon der Siedlergemeinschaft einmal wöchentlich Lunchpakete für Tafel-Besucher ausgegeben. Dies sei gut angelaufen und man überlege, es nicht nur mittwochs, sondern vielleicht an einem weiteren Wochentag anzubieten, so Udo Engelhardt, auch Vorsitzender der Singener Tafel.

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