Steinschlag verhinderte das Hohentwielfest 2019. Hier liegt Felsmaterial auf dem Hauptzugang zur Festungsruine. Mittlerweile sind die Sicherungsarbeiten durch Spezialkletterer abgeschlossen. Nach der Bauabnahme wird die Festung nach über einem Jahr im Sommer wieder für Besucher zugänglich sein.
Steinschlag verhinderte das Hohentwielfest 2019. Hier liegt Felsmaterial auf dem Hauptzugang zur Festungsruine. Mittlerweile sind die Sicherungsarbeiten durch Spezialkletterer abgeschlossen. Nach der Bauabnahme wird die Festung nach über einem Jahr im Sommer wieder für Besucher zugänglich sein. | Bild: Gudrun Trautmann

Zuerst brach ein gigantischer Stein aus der Felswand; dann kam das neuartige Corona-Virus: Das Hohentwiel-Jubiläum – als rauschendes Fest für die Singener Bürger und die ganz Region geplant – steht unter keinem guten Stern. Schon 2019 war die Planung für die Organisatoren von Kultur und Tourismus Singen (KTS) eine einzige Zitterpartie, nachdem ein Gesteinsbrocken auf den Hauptweg zur Burgruine gestürzt war. Fieberhaft versuchten Spezialkletterer, die Wand zu sichern. Doch die Arbeiten verursachten einen erneuten Steinschlag. Die Hoffnung auf ein stilvolles Burgfest an zwei Tagen mit 150 Stunden Programm auf 13 Bühnen war begraben. Alle Planungen für die Tonne, die Kleinkünstler und Musiker ohne Gage. Mit mittelalterlichen Vorführungen wollte man an die Geschichte der Burg erinnern. Aber der Stein zerschlug alles.

Spektakulär: Industriekletterer sichern mit Felsnägeln und Stahlnetzen den Fels am Hohentwiel. So sollen die Besucher der Ruine vor weiterem Steinschlag geschützt werden.
Spektakulär: Industriekletterer sichern mit Felsnägeln und Stahlnetzen den Fels am Hohentwiel. So sollen die Besucher der Ruine vor weiterem Steinschlag geschützt werden. | Bild: Gudrun Trautmann

Weil die Singener aber ein pragmatisches Völkchen sind, war man sich schnell darüber einig, das Jubiläum der Übergabe der Burg an die Stadt um ein Jahr zu verschieben. Das Motto lautete 50 + 1. Die meisten Künstler zogen mit und sagten Auftritte für das Burgfest 2020 zu. So konnten der KTS-Chef Roland Frank und seine Mitarbeiter bei der Organisation aus den Vollen schöpfen. Was die Sicherung des Felsen anging, lief alles wie am Schnürchen. Auch Dieter Bös vom Konstanzer Konzertveranstalter Kokon freute sich über einen guten Vorverkauf für die drei Festivalkonzerte auf der Karlsbastion. Und die Vereine rechneten sich schon aus, wie sie mit ihren kulinarischen Angeboten endlich wieder etwas Geld erwirtschaften könnten. Doch dann kam Corona.

Da war das Hohentwielfest noch gesichert: Dieter Bös von Kokon, KTS-Chef Roland Frank, Oberbürgermeister Bernd Häusler und Xhavit Hyseni von Kokon (von links) schauten im Februar optimistisch in die Zukunft.
Da war das Hohentwielfest noch gesichert: Dieter Bös von Kokon, KTS-Chef Roland Frank, Oberbürgermeister Bernd Häusler und Xhavit Hyseni von Kokon (von links) schauten im Februar optimistisch in die Zukunft. | Bild: Tesche, Sabine

Zwischen Hoffen und Bangen

Welche schmerzlichen Auswirkungen die Virus-Bekämpfung haben würde, erlebten als erste die Kulturschaffenden. Doch bis zum Hohentwielfest wäre ja noch Zeit, sprachen sich die städtischen und freien Träger gegenseitig Mut zu. Selbst die Rechtsverordnung des Landes, die Großveranstaltungen bis 31. August untersagt, ließ noch nicht alle Hoffnung schwinden. Man warte auf die genaue Definition von Großveranstaltung, hieß es bei der Stadt. Doch die Nervosität wuchs. In der Stadthalle waren längst alle Veranstaltungen abgesagt. Die zweite Zitterpartie nach dem Felssturz hatte begonnen. Bis Mitte Mai wolle sich die Stadt mit der Entscheidung Zeit lassen, ob das Fest stattfinden werde, so Roland Frank noch im April.

Die Absage kommt früher

Das Aus kam früher. Bereits am 8. Mai teilte Oberbürgermeister Bernd Häusler sein Bedauern darüber mit, „dass auch in diesem Jahr auf unserem Hausberg keine Konzerte und kein Burgfest stattfinden können, doch der Gesundheitsschutz der Bürger hat natürlich oberste Priorität.“ Ersatztermin ist der Juli 2021.

Veranstalter halten am Festivalort fest

Die Band Flogging Molly hat ihren Auftritt beim Hohentwielfestival 2021 bereits zugesagt.
Die Band Flogging Molly hat ihren Auftritt beim Hohentwielfestival 2021 bereits zugesagt. | Bild: Stadthalle Singen

Unterdessen wächst in Teilen der Bevölkerung die Befürchtung, dass das Hohentwielfest mit seiner einmaligen Atmosphäre für alle Zeiten vom Hohentwiel verschwinden könnte. Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass die Künstler für die ausgefallenen Konzerte bereits jetzt konkrete Terminzusagen für das Hohentwielfestival 2021 gemacht haben. Und zwar auf der Karlsbastion. Schon früh hatte Dieter Bös von Kokon von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, bereits erworbene Konzertkarten in Gutscheine umzuwandeln, um Luft für sein Unternehmen zu bekommen. „Wir planen jetzt für 2021“, sagt Bös. Er will sich seinen Optimismus nicht nehmen lassen. „Es gibt noch keinen Anlass zu einem Notruf, auch wenn die Reserven schmelzen wie Butter in der Sonne. Wir sind eine leistungsfähige Nation und haben schon andere Schwierigkeiten gemeistert.“ Die Kulturschaffenden treffe es besonders hart, weil es in diesem Jahr keine größeren Festivals oder Gastspiele mehr geben werde. Mit Sparmaßnahmen und Einschränkungen will er das junge Unternehmen durch die Krise führen.

Herber Schlag für die Vereine

„Für die Vereine ist es besonders hart, dass das Burgfest zum zweiten Mal in Folge ausfällt“, sagt Roland Frank. „Das ist normalerweise deren Haupteinnahmequelle.“ Anders als der freie Konzertveranstalter erstattet die Stadt die Kosten für bereits gekaufte Burgfest-Tickets oder entfallene Veranstaltungen des regulären Kulturbetriebs. Tickets für verschobene Veranstaltungen in der Stadthalle behalten ihre Gültigkeit.

Ruine bald wieder zugänglich

Zwei bis drei Meter werden die Felsnägel in das Gestein getrieben. An ihnen wird das Stahlgeflecht befestigt, das herabfallende Steine auffangen soll. Ela Dünkelsbühler, beim Land für die Instandhaltung der Festungsruine zuständig, überwacht nun auch die Sicherung des Felsen.
Zwei bis drei Meter werden die Felsnägel in das Gestein getrieben. An ihnen wird das Stahlgeflecht befestigt, das herabfallende Steine auffangen soll. Ela Dünkelsbühler, beim Land für die Instandhaltung der Festungsruine zuständig, überwacht nun auch die Sicherung des Felsen. | Bild: Gudrun Trautmann

Auch wenn die Pechsträhne am Hohentwiel nicht abzureißen scheint, so gibt es gute Nachrichten für den Tourismus. Die Sicherung des Felsens ist nach über einem Jahr abgeschlossen. Allerdings steht die Abnahme durch die Geologen des Freiburger Regierungspräsidiums noch aus. „Kleinere Mängel an Verankerungspunkten müssen noch nachgebessert werden“, sagt die leitende Architektin Ela Dünkelsbühler vom Landesamt für Vermögen und Bau in Konstanz. Einen Blick auf die alten Gemäuer konnte sie schon werfen. Dabei kam sie zu dem Schluss: „Die Ruine ist in einem vernünftigen Zustand. Gartentechnisch besteht Handlungsbedarf.“ Einen genauen Termin für die Freigabe will sie nicht nennen. „Wir gehen einer schnellen Erledigung der Restarbeiten nach“, schiebt das Landesamt in einer Mitteilung nach.