Bereits seit zwei Jahren lernt Laura Horstkötter Klavier an der Singener Jugendmusikschule. Bei „Jugend musiziert“ ist sie schon mehrfach angetreten, bisher jedoch immer mit ihrer Geige. Nun wollte sich die 14-Jährige einer neuen Herausforderung stellen: gemeinsam mit ihrer Schwester als Duo teilnehmen. Die neunjährige Anna spielt nämlich Cello und hat bereits selbst schon Erfahrungen bei dem deutschlandweiten Musikwettbewerb sammeln können. Die Klavierbegleitung durch Laura war nun aber eine Premiere.

Aber auch sonst gab es viele Veränderungen zu den Vorjahren. Normalerweise wäre der Regionalentscheid im Februar an der Singener Musikschule durchgeführt worden. Nachdem im Herbst die Corona-Infektionen im Landkreis Konstanz jedoch wieder in die Höhe schossen, wurde dies aus Sicherheitsgründen abgesagt. Familie Horstkötter ließ sich davon allerdings nicht entmutigen. Stattdessen beschloss sie, über Verwandte an der Musikschule Böblingen teilzunehmen. „Dort sind scheinbar die Zahlen niedriger“, bemerkt Mutter Sonja Horstkötter.

Große Vorfreude auf einen „richtigen“ Auftritt

Während der Großteil der Mitwirkenden bereits im März Videoaufnahmen ihrer musikalischen Darbietungen eingesandt hatte, mussten Laura und Anna noch warten. Da sie zusammen in Alterskategorie II fielen, gehörten sie zu den wenigen, die auf eine Veranstaltung vor Ort hoffen durften. So viel wie möglich in Präsenz, so viel wie nötig digital: Das war das diesjährige Motto der Organisatoren. Immerhin 1760 Teilnehmer sandten in dieser ersten Runde bereits ihre Ergebnisse ein. Die Jüngsten waren da noch in Präsenz vorgesehen.

Die Vorfreude, endlich wieder einmal einen richtigen Auftritt vor Publikum zu haben, war groß bei den Schwestern. Zuschauer hätte es natürlich keine gegeben, aber immerhin die Juroren – mit der angemessenen Distanz. Aber ob dies tatsächlich so umgesetzt werden könne, war aufgrund der Pandemie von Anfang an mit viel Ungewissheit verbunden. Der geplante Termin am 17. April wurde bereits auf Mai verschoben.

Schwestern-Duo im Vorteil gegenüber anderen Ensembles

Die Mutter der beiden war daher skeptisch: „Man weiß ja nie, ob man vielleicht gar nicht anreisen darf, weil man aus einem Risikogebiet kommt oder was sich noch ändert“. Schlussendlich behielt sie recht, der Termin wurde endgültig abgesagt. In der heimischen Musikschule wurde unter den geltenden Corona-Auflagen stattdessen nun doch ein Video ihrer gedreht.

Neben diesen organisatorischen Unsicherheiten war aber auch die Vorbereitung erschwert. Während andere Ensembles wegen der Kontaktbeschränkungen möglicherweise gar nicht mitmachen konnten, waren die Schwestern im Vorteil. Als ein Haushalt sind sie von solchen Regelungen nicht betroffen. Dass der Duopartner zum Proben immer schon vor Ort ist, war ein weiteres Plus. „Ich hatte den Eindruck, dass sich in der aktuellen Lage besonders viele Geschwister angemeldet haben“, so Mutter Sonja.

Klavierlehrerin schaut über Whatsapp genau hin

Ein weiteres Manko war die seit Dezember für die Öffentlichkeit geschlossene Musikschule. Beim Instrumentalunterricht musste daher improvisiert werden. Die Cellostunden finden aktuell per Skype statt. Die Klavierlehrerin schaut über Whatsapp genau hin. Gerade mit einem Streichinstrument, dass viel Geschick für die Intonation fordert, ist das nicht immer leicht – selbst wenn es keine Probleme mit der Datenübertragung gibt. Um die schlechte Tonqualität zu umgehen, gab es daher auch mal eigens eingespielte Aufnahmen der Stücke vom Lehrer zugesandt. Dass Mutter Sonja ebenfalls musikalisch ist, war zusätzlich hilfreich.

Die Singenerin spielt Klavier und Geige, da konnte sie schon mal unterstützen. Trotzdem meint sie: „Vor allem mit der Motivation war es schwieriger in diesem Jahr. Wenn die Kinder den ganzen Vormittag für die Schule vor dem PC sitzen und ich schon mit Hausaufgaben Druck machen muss, möchte ich das dann nicht zusätzlich bei ihrem Hobby tun“. Umso wichtiger war es für die Laura und Anna, die wenigen Möglichkeiten einmal ihr Programm vorspielen zu können, zu nutzen. An Weihnachten konnten sie es immerhin den engsten Verwandten präsentieren und als besonderen Höhepunkt gab es sogar ein Onlinekonzert der Klavierklasse.

Der Traum, beim Regionalwettbewerb vor der Jury zu spielen, ist geplatzt

Ansonsten wurde eben jede Gelegenheit genutzt. Da wurde Besuchern schon mal schnell ein Vorspiel geboten. Der Traum, beim Regionalwettbewerb vor der Jury zu spielen, ist mittlerweile geplatzt. Mit einem 1. Preis hat sich das viele Üben aber sicherlich gelohnt. Die Hoffnung, dass sie im Sommer ihr Programm endlich wieder vor einem richtigen Publikum spielen können, bleibt trotzdem bestehen.