Fridolin hat eine große und vor allem eine freche Schnauze und zottelige Haare. Mit seinen runden Augen und seiner offenen Art erobert das drollige Kerlchen die Herzen der Kinder – und vermutlich auch die der Eltern. Er duzt Pfarrer Werner Mühlherr und fragt ihn hemmungslos aus.

Fridolin findet den Pfarrer gewieft und unterhält sich mit ihm über den alten, verstaubten Beichtstuhl in der Kirche. Für diesen besonderen Gesprächstermin hat er sich sogar extra schick gemacht und trägt Krawatte. Er fühlt dem Pfarrer auf den Zahn und kitzelt allerlei aus ihm heraus. Und der Pfarrer wiederum nimmt ihm ganz nebenbei die Beichte ab.

Gelb, zottelig und direkt: die Handpuppe Fridolin mit Erfinderin Anna-Maria Maier. Links steht Gemeindereferentin Nicole Tutuianu.
Gelb, zottelig und direkt: die Handpuppe Fridolin mit Erfinderin Anna-Maria Maier. Links steht Gemeindereferentin Nicole Tutuianu. | Bild: Sandra Bossenmaier

Fridolin hatte nämlich seinen besten Freund ausgelacht und fühlt sich deshalb schlecht. „Es tut mir so leid“, spürt er im Herzen. Und schon geht es ganz leicht und ratzfatz mit der Beichte. Pfarrer Mühlherr, Fridolin und Gott werden sich superschnell einig.

Die Handpuppe Fridolin begleitet die Erstkommunionkinder der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hegau auf dem Weg zu ihrer Erstkommunion. Gespielt wird die Handpuppe von Maria-Anna Maier, deren Sohn Maxi ein Kommunionkind ist. Maria-Anna Maier hat die Handpuppe auch erfunden.

Glauben erleben in Pandemiezeiten

„Wegen Corona erleben wir eine komplett andere Kommunionvorbereitung“, berichtet Nicole Tutuianu, Gemeindereferentin in der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hegau. Gemeinsam mit Maria-Anna Maier hatte sie überlegt, wie man Glaubensthemen kindgerecht aufbereiten kann. Besonders in einer Zeit, in der wegen der Pandemie ein enger und persönlicher Kontakt nicht möglich ist.

Mit dem lustigen Fridolin entstanden tolle Videos, in denen Themen zur Erstkommunion aufbereitet werden. Sie regen mit Sicherheit auch manche Eltern zum Nachdenken an.

Maria-Anna Maier nimmt mit Fridolin schweren Themen, beispielsweise der Beichte, das Gewicht und gibt ihnen mit dem Handpuppenspiel etwas Leichtes mit. „Die Chance bei der Beichte ist, wieder neu mit Gott anzufangen“, so Maria-Anna Maier. Gott lösche sozusagen das Konto und feiere mit einem Versöhnung. Das möchte sie den Kindern mit auf den Weg geben.

Die drei Säulen für die Erstkommunion

In der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hegau basiert die Kommunionvorbereitung auf drei Säulen, wie Nicole Tutuianu berichtet. Die erste Säule ist das Gebet, welches wieder mehr in die Familien einkehren soll.

Die zweite Säule sind in diesem Jahr die Eltern als Hauptkatechesen und die Onlinetreffen der Kinder via Internet.

Die dritte Säule sind Familiengottesdienste unter Beachtung strenger Hygiene- und Abstandsregeln.

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„Diese Gottesdienste sind ein in der Not geborener Schatz, den wir weitertragen möchten“, berichtet Tutuianu. Denn man habe diese Stunden in der Kirche voller Begeisterung erlebt.

Auch wenn der Weg zur Erstkommunion unter den Rahmenbedingungen von Corona anders ist als sonst, hat die Gemeindereferentin das Gefühl, diese Zeit mit den Kindern und Familien intensiver als sonst zu erleben. Auch wenn manchmal sinnbildlich eine Mauer des Abstandes zwischen ihnen stehe, sei der Funke übergesprungen.

Kirchengemeinden reagieren flexibel

Normalerweise wird an den Sonntagen noch Ostern Erstkommunion gefeiert. In diesem Jahr stellte die Pandemie die Planungen zum zweiten Mal auf den Kopf, wenn auch nicht mehr mit dem Überraschungseffekt wie im vergangenen Jahr.

Die Seelsorgeeinheiten stellten sich darauf ein, dass Feiern unter Pandemiebedingungen in einem kleinen Rahmen stattfinden müssen. Und die Kirchengemeinden zeigen sich flexibel, feiern in kleinen Gruppen und gehen auf die Terminwünsche der Familien ein.

In Bohlingen überraschen Kinder mit einem Plakat

In St. Pankratius in Bohlingen erhielten die ersten Kommunikanten Ende April ihre Erstkommunion. Die Kommunionkinder, die sich für einen späteren Termin im Sommer entschieden haben, begleiteten den Gottesdienst und gaben ihren Freunden liebe Wünsche mit auf den Weg. Vor der Kirche überraschten sie die Kommunikanten mit einem selbstgebastelten Plakat mit Herzen und der Aufschrift: „Wir sind eine große Gemeinschaft“.

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Anstrengend sei der Weg zur Erstkommunion für die Kinder gewesen. Diakon Carmelo Vallelonga verglich die Situation mit der göttlichen Verklärung Christi. So wie Jesus drei Jünger mit auf den Berg Tabor genommen hatte und sich ihnen dort göttlich gezeigt hatte, nimmt er die Erstkommunionkinder mit an den Altar, um sich ihnen dort als gewandeltes Brot zu zeigen.

Gemeinschaft steht auch in Hilzingen im Mittelpunkt

Auch in der Katholischen Kirche Hohenstoffeln-Hilzingen feierte eine erste Gruppe traditionell am Weißen Sonntag, während die zweite Gruppe im Sommer feiern wird. Auch dort stand während der Vorbereitung auf diesen Tag das Erleben der Gemeinschaft im Mittelpunkt.

„Wie Gemeinschaft anders erlebt werden kann, da mussten wir in diesem Jahr experimentieren“, berichtet Gemeindereferentin Simone Meisel.

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Die Vorbereitung sei in der Familiengemeinschaft und in der Dorfgemeinschaft gelaufen. Es habe Impulse für die Familien und zu bergende Schätze in der Dorfkirche gegeben. „Dabei haben die Kinder nebenbei etwas über den Glauben gelernt und den Raum der Kirche erlebt“, so Simone Meisel.

Da man sich zu Gottesdiensten treffen durfte, hatte man eine Katechese in liturgischer Form entwickelt. Mit Abstand und Maske wurden die einzelnen Rituale der Eucharistiefeier in Gottesdiensten vermittelt.

„In der Kirche, in den vielen kleinen Gottesdiensten, ließ sich wie von selbst die Gemeinschaft mit Gott erleben“, beschreibt Simone Meisel ihren Kommunion-Höhepunkt für das Jahr 2021.