So hatte sich der Hegau-Geschichtsverein seine Jahrbuchtaufe eigentlich nicht vorgestellt. Ursprünglich sollte die Buchtaufe im Saal von St. Elisabeth stattfinden. Erstmals wurde das Jahrbuch den Mitgliedern und Interessierten jedoch coronabedingt digital präsentiert.

Vor dem Überblick über die Buchbeiträge durch den Vorsitzenden Wolfgang Kramer referierte Reiner Ruft über das Leben von Julius Maggi. Ihm ist sein Beitrag im Jahrbuch gewidmet.

Julius Maggi hatte es nicht einfach

Am 9. Oktober jährte sich der Geburtstag von Julius Maggi zum 175. Mal. Geboren 1846 in Frauenfeld, kam Maggi mit 41 Jahren nach Singen. Was davor und danach geschah, hat Reiner Ruft, der bis zu seiner Pensionierung Lehrer am Hegau-Gymnasium war, in seinem Beitrag zum Jahrbuch akribisch recherchiert.

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Julius Maggi habe es als jüngstes Kind mit fünf Schwestern und einem Stiefbruder nicht leicht gehabt. Nach einer kaufmännischen Lehre in Basel und dem Militärdienst in der Kavallerie habe Julius Maggi ein Auslandspraktikum in Budapest bei dem aus Winterthur stammenden Karl Haggenmacher gemacht. Dort habe er viel Technisches gelernt, da dieser Mahlmaschinen hatte.

Eine Suppe, die Personal spart

Mit 23 Jahren übernahm Julius Maggi die Hammermühle seines Vaters in Kemptthal bei Winterthur. „Sein Start-Up waren die Leguminosenmehle“, sagte Ruft. Diese Vorläufer der Fertigsuppe seien durch die Zusammenarbeit mit dem Arzt Fridolin Schuler entwickelt worden, um für Arbeiter eine billige, proteinreiche Nahrung anbieten zu können.

„Die Suppe hatte aber auch Erfolg im Bürgertum, weil so Personal gespart werden konnte“, so Ruft.

In der Niederhof-Siedlung an der Ecke Rielasinger Straße/Langestraße wohnten schon früher Maggi-Beschäftigte
In der Niederhof-Siedlung an der Ecke Rielasinger Straße/Langestraße wohnten schon früher Maggi-Beschäftigte | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Für seinen Beitrag über Julius Maggi hat Reiner Ruft auch Gebäude ins Visier genommen, die mit der Maggi zu tun haben. Dazu zeigte er viele historische und aktuelle Fotos. Wie die ehemalige Direktorenvilla an der Rielasinger Straße 21, die zeitweilige Villa Hefti, die nach einem früheren Maggi-Direktor benannt wurde.

Das Mädchenheim an der Ecke Langestraße/Maggistraße habe ab dem Jahr 1902 Wohnraum für unverheiratete Arbeiterinnen geboten. Noch wie früher sieht die Niederhof-Siedlung gegenüber des ehemaligen Mädchenheims aus.

Auch das kleine Fachwerkhaus im Innenhof des Areals, wo in den 1950er Jahren Italiener wohnten, sieht aus wie damals. Durch die Ansiedlung einer Säuglingsmilch-Küche habe Julius Maggi viel Gutes für Singen getan, denn dadurch sei die Säuglingssterblichkeit gesunken.

Großherzogin Luise von Baden hat vor über 100 Jahren die Säuglings-Milchküche, die Julius Maggi nach Singen holte, besichtigt.
Großherzogin Luise von Baden hat vor über 100 Jahren die Säuglings-Milchküche, die Julius Maggi nach Singen holte, besichtigt. | Bild: Deutsche Milchwirtschaft

„Es gibt zwei hervorragend bebilderte und inhaltlich hochinteressante Bücher zu Julius Maggi – aber nur auf Französisch“, so Ruft. Eines dieser Bücher ist von Elisabeth Sermier im Mai 2021 unter dem Titel „Maggi, l‘arôme d‘une vie“ erschienen. Beide Bücher seien in der Hegau-Bibliothek vorhanden.

320 Seiten über die Geschehnisse am Bodensee und im Hegau

„Im Hegau und am See“ – so lautet der Titel des neuen Jahrbuchs, das 320 Seiten umfasst, berichtete Wolfgang Kramer. Abgesehen von dem Beitrag über Julius Maggi erfährt der Leser viel darüber, was rund um den Bodensee und im Hegau geschah.

Unter anderem Wissenswertes über den Schmuggel am westlichen Bodensee. Außerdem kann er von der Gründung des Gaienhofener Klosters oder der Grabplatte der Engener Stadtkirche lesen. Thema sind auch die Villen an der Seestraße in Konstanz mit ihrem Prachtstück, der Villa Prym. Und es geht auch um das Leben der Brüder Friedrich, Leonhard und Karl Wolf aus Wangen, die Opfer des Euthanasie-Programmes wurde.