Rund 70 Unterschriften genügen, um nach den Sternen zu greifen. 70 Menschen haben dafür unterschrieben, dass Michael Streitberger aus Aach bei der Bundestagswahl im September auf dem Stimmzettel im Wahlkreis Konstanz stehen wird. Der 65-Jährige ist nämlich nicht nur Stadtrat in Aach, sondern auch Spitzenkandidat der Partei Liberal-Konservative Reformer. Dank dieser 70 Unterschriften können Wahlberechtigte im Landkreis Konstanz bei der Bundestagswahl direkt hinter dem Namen Michael Streitberger ihr Kreuz machen. Doch nicht nur er und zwei weitere LKR-Vertreter stehen auf den Wahlzetteln ihres Wahlkreises.

Es kamen auch über 500 Unterschriften dafür zusammen, dass die kleine Partei LKR in ganz Baden-Württemberg auf dem Wahlzettel stehen. Ziel sind fünf Prozent, um als Opposition mitreden zu können. Daran war 2013 sogar die deutlich bekanntere FDP gescheitert.

Noch kennen nur wenige den Alfa-Nachfolger. Das soll sich ändern

Bekanntheit zu erlangen ist nun eine der großen Herausforderungen für Michael Streitberger und seine Partei. Denn noch kennen die wenigsten die kleine Partei, die ein AfD-Mitgründer einst ins Leben rief und die erst auf den Namen Alfa hörte, kurz für Allianz für Fortschritt und Aufbruch. Seit einigen Jahren firmiert die Partei unter dem Kürzel LKR, kurz für Liberal-Konservative Reformer (siehe Info). Für Streitberger startet nun die heiße Phase des Wahlkampfes.

Ab Mitte August will er mit Mitstreitern im ganzen Land unterwegs sein: „Mein Ziel ist, dass wir die größeren Städte wie Karlsruhe und Konstanz anfahren und da auch mal an Haustüren klingeln, um uns bekannter zu machen.“ Das werde sicher anstrengend, zeigt er sich realistisch, doch das sei klar gewesen.

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Ins Gespräch kommen sei unter Corona-Bedingungen schwierig

Auch die vergangenen Monate seien nicht ganz einfach gewesen: Eigentlich hätten mehr Kandidaten in den Wahlkreisen auf der Liste stehen sollen, doch in Tuttlingen seien beispielsweise nicht genügend Unterschriften zusammen gekommen. Streitberger führt das auch auf die Corona-Pandemie zurück: Die Zahl der nötigen Unterschriften sei zwar reduziert worden. Dennoch sei es als kleine Partei schwer, Kontakte zu knüpfen und Inhalte zu besprechen. Man könne kaum ins Gespräch kommen, bedauert Streitberger.

Das sei das Ziel für die nächsten Wochen: „Wir versuchen zu zeigen, dass es uns gibt und dass wir etwas zu sagen haben.“ Noch hätten viele Menschen keine Bilder im Kopf, wenn sie LKR hören. Künftig sollen sie daran denken, wofür die LKR stehen will. Streitberger nennt Schlagworte wie Freiheit, Werte, Zukunft.

Ein kleines Licht mit geringem Budget

Eine weitere Herausforderung als kleine Partei sei das Budget: „Wahlkampf kostet neben Engagement auch Geld und da können wir mit den Großen nicht mithalten“, sagt der 65-Jährige mit Verweis auf etablierte Parteien wie CDU und SPD. Da seien sie bislang ein kleines Licht.

Hoffnung darauf, dass ein bundesweiter Wahlwerbespot über die Bildschirme flimmern wird, macht er sich dennoch. Denn Fernseh- und Rundfunkanstalten müssen den an der Wahl teilnehmenden Parteien eine angemessene Sendezeit zur Verfügung stellen – allerdings entsprechend der Bedeutung der Partei, wie der Bundeswahlleiter feststellt. Bislang kann die LKR also kaum mit Sendezeit rechnen, das ist auch Michael Streitberger bewusst.

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Der Traum: Bundestag. Aber zwei oder drei Prozent der Stimmen wären auch viel erreicht

Dennoch macht sich der Landes-Spitzenkandidat für seine Partei stark. Er werde viele Termine nach Feierabend oder an den Wochenenden absolvieren. Außerdem werde er seinen Urlaub investieren – und sich gegebenenfalls auch unbezahlt freistellen lassen, um den Wahlkampf durchziehen zu können. „Wenn uns der Einzug in den Bundestag gelingt, werden wir den Weg gehen. Doch auch mit zwei oder drei Prozent der Stimmen hätten wir viel erreicht.“

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