Den Gläubigen der Katholischen Pfarrgemeinde St. Pankratius in Bohlingen bleibt nichts erspart. Durch die Corona-Pandemie sind ohnehin nur begrenzt Besucher zu den Gottesdiensten zugelassen, jetzt wurde auch noch das rechte Seitenschiff abgesperrt.

Ein Riss zwischen den bleiverglasten Glaselementen und dem Eisenrahmen klafft immer mehr auseinander.
Ein Riss zwischen den bleiverglasten Glaselementen und dem Eisenrahmen klafft immer mehr auseinander. | Bild: Rolf Hirt

„Es ist Gefahr in Verzug“, schildert Pfarrer Arthur Steidle den akuten Ernstfall in der Kirche, denn die acht kunstvollen Farbfenster sind teilweise beschädigt und drohen schlimmstenfalls ins Kircheninnere zu fallen. An einem der Dreiecksfenster – es stellt das Sakrament der Buße dar – ist bereits ein Baugerüst aufgestellt, gut sichtbar ist im unteren Bereich eine starke Wölbung nach innen und an anderer Stelle ein millimeterdicker Riss.

Grund ist die Sonneneinstrahlung

„Die bleiverglasten Fensterbilder vor allem auf der Südseite der Kirche verformen sich durch die Sonneneinstrahlung und Hitze extrem, und lösen diese Beschädigungen aus“, erklärt Markus Krotz auf dem Gerüst die missliche Situation. Als Pfarrgemeinderat und stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates hat er zusammen mit Pfarrer Arthur Steidle die Denkmalschutzbehörden informiert, eine genaue Analyse hat in den vergangenen Tagen bereits stattgefunden.

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Dabei wurde aufgrund der vorhandenen Schäden eine Dringlichkeit zur Reparatur und Sanierung aller acht Dreiecksfenster empfohlen, die Erzdiözese Freiburg als zuständiger Bauherr hat die Maßnahme unterdessen genehmigt. „Jetzt sollen die Fenster einzeln ausgebaut, in einer Glaswerkstätte in Überlingen am See repariert und dann mit einer speziellen Hinterlüftung zwischen den Scheiben wieder eingebaut werden“, sagt Markus Krotz über die anstehenden Maßnahmen, welche zeitnah in diesem Jahr abgewickelt werden sollen.

Sanierung vor zwölf Jahren

Bereits vor zwölf Jahren hatte es eine ähnliche Sanierung gegeben, nachdem Ausbuchtungen der Scheiben infolge von Hitze nach außen festgestellt wurden. Im Zuge der jetzigen Sanierung soll deshalb zusätzlich zur Hinterlüftung eine Sonnenschutz-Verglasung berücksichtigt werden, damit bei Sonneneinstrahlung eine Überhitzung der bleiverglasten Farbfenster künftig verhindert werde.

Das Baugerüst in der Bohlinger Kirche ist schon aufgebaut. Die prächtigen Dreiecksfenster haben durch die starke Sonneneinstrahlung und ...
Das Baugerüst in der Bohlinger Kirche ist schon aufgebaut. Die prächtigen Dreiecksfenster haben durch die starke Sonneneinstrahlung und Hitze Schäden und Verformungen erlitten und werden nun zur Renovierung ausgebaut. | Bild: Rolf Hilft

Die Bohlinger Kirche wurde in den Jahren 1978 bis 1980 grundlegend renoviert und umgebaut. Dabei war man bestrebt, sowohl den neuen liturgischen Erfordernissen gerecht zu werden, als auch den Denkmalschutz zu berücksichtigen. Dem Kirchenschiff wurden zwei moderne, durch Spitzgiebel gegliederte Seitenschiffe angefügt, die an einen gotischen Kapellenkranz erinnern.

Beeindruckend sind die eingefügten acht großen Dreiecksfenster nach Entwürfen des einheimischen Künstlers und Bildhauers Robert Seyfried (1905-1991). Die Glasfenster entstanden damals in Zusammenarbeit von Robert Seyfried mit der Glaswerkstätte Nikolaus Dierig in Überlingen am See. Die Weihe der neuen Pfarrkirche erfolgte am 23. März 1980 durch den aus Bohlingen stammenden Weihbischof Karl Gnädinger (1905-1995).