Rund um den Singener Bahnhof wird gebaut, als hätte man einen Wettlauf zu gewinnen. Tatsächlich ist es ein Wettlauf mit der Zeit. Der Bahnhofsvorplatz ist so gut wie fertig. Das neue Einkaufszentrum Cano gegenüber, das am 19. November eröffnet wird, befindet sich im Endspurt. Und der Bahnhof selbst? Bei all den Aktivitäten ist die große Sanierung von Gleisen und Weichen im Singener Bahnhof fast geräuschlos vollzogen worden. Obwohl: Für die Anlieger waren die Arbeiten durchaus mit Lärm verbunden. Sie fanden hauptsächlich in den Nachtstunden und an Wochenenden statt.

Beobachtungen nur als Zaungast

Ein Besuch der Redaktion auf der Baustelle war leider nicht möglich. Als Beobachter musste man sich im wahrsten Sinne des Wortes mit der Rolle des Zaungastes begnügen. Dafür gibt es auf SÜDKURIER-Anfrage nun aber Auskunft aus der Stuttgarter Pressestelle der Deutschen Bahn AG. Und so erfährt man: Die Erneuerung der Gleise und Weichen hat nichts mit den allgemeinen Bautätigkeiten im Umfeld zu tun, sondern fand im Rahmen der regulären Instandhaltung statt. Schienen, Schwellen und Schotter waren alt und mussten ausgetauscht werden. „Oberleitungsarbeiten und Arbeiten an den Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik waren Bestandteil der Gleis- und Weichenerneuerungen“, teilt die Sprecherin mit.

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Schwergewichte

Die Zahlen zum Materialbedarf lesen sich beeindruckend: „Insgesamt wurden im Singener Bahnhof rund 3400 Meter Gleise und zwölf Weichen erneuert.“ Das bedeutet, dass die Arbeiter der Spezialfirma Leonhard Weiss mit ihrem schweren Gerät rund 6800 Meter Neuschienen verlegt haben. 4600 Gleisschwellen und 10 500 Tonnen Schotter seien außerdem erforderlich gewesen. Beim Blick über den Zaun kann man die neuen Weichen gut erkennen. Auch die frisch verlegten Gleise lassen sich anhand der hellgrauen Betonschwellen und dem frischen Schotter identifizieren.

Jede Menge Material steht zur Verarbeitung bereit. Mit Spezialmaschinen werden die auf Schwellen montierten Schienen abschnittsweise in das Gleisnetz eingefügt.
Jede Menge Material steht zur Verarbeitung bereit. Mit Spezialmaschinen werden die auf Schwellen montierten Schienen abschnittsweise in das Gleisnetz eingefügt. | Bild: Trautmann, Gudrun

So gut wie fertig

Am Montag sollen die Arbeiten, die bereits am 11. Juni begonnen haben, weitgehend abgeschlossen sein. Nach einer gewissen Zeit würden die erneuerten Bereiche nochmals geprüft, erklärt die Bahnsprecherin. Dies sei das übliche Verfahren nach Baumaßnahmen. Um den Zugverkehr für die Reisenden nicht zu beeinträchtigen, hätten die Arbeiten hauptsächlich nachts stattgefunden.

Einblick in die Abläufe

Die gesamte Baustelle hat das Singener Straßennetz praktisch nicht tangiert. Die Baustellentransporte wurden über die Schiene abgewickelt. So wurde das gebrauchte Material weggefahren und das neue angeliefert. Die Weichen wurden in Einzelteilen per Bahntransport angeliefert und an Ort und Stelle vormontiert. Dafür konnte bahneigenes Gelände in unmittelbarer Gleisnähe genutzt werden. Die montierten großen Weichenteile wurden dann mit einem Weichenbaukran zur Einbaustelle transportiert und eingebaut.

Die guten alten Holzschwellen haben im modernen Gleisbett ausgedient. Hier sieht man die auf Betonschwellen montierten Schienen gestapelt auf dem Bahngelände liegen. Im Hintergrund das historische Maggi-Gebäude und der Hegau-Tower.
Die guten alten Holzschwellen haben im modernen Gleisbett ausgedient. Hier sieht man die auf Betonschwellen montierten Schienen gestapelt auf dem Bahngelände liegen. Im Hintergrund das historische Maggi-Gebäude und der Hegau-Tower. | Bild: Trautmann, Gudrun

Holzschwellen haben ausgedient

Die 120 Meter lange Schienenteile, die für die Gleiserneuerung benötigt wurden, wurden ebenfalls über die Schiene angeliefert. Die Schwellen wurden entsprechend ebenfalls erneuert und Holzschwellen durch Betonschwellen ersetzt. „Mit einer kombinierten sogenannten Stopf- und Richtmaschine wurden die Gleise und Weichen millimetergenau in die geplante Endlage gebracht“, erklärt die Sprecherin der Bahn. „Zuletzt wurden dann die Gleise und Weichen ‚endlos‘ verschweißt.“

Zuletzt wurde noch weiter gestopft. Das war nötig, um Schotter, Weiche und Gleis in die richtige Lage zu bringen und letzte Unebenheiten auszugleichen. Zum Abschlus werden in der kommenden Woche die Schienen noch geschliffen. Danach können die Baucontainer und Maschinen abgebaut werden.

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