Frau Schwarz, Sie haben ein intensives Jahr hinter sich.

Ja, das stimmt. Im März waren mein Mann und ich – wie schon öfter – auf Fuerteventura im Urlaub. Damals hat er gesagt: „Wer weiß, wie oft uns noch ein gemeinsamer Urlaub vergönnt ist.“ Dann ging alles schnell. Er litt unter Appetitlosigkeit und Geschmacksverlust, war müde und antriebslos. Es folgten Wortfindungsstörungen und Schwindel. Diagnose: Hirntumor. Dann Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Zunächst ging es ihm kurz besser. Schließlich ging es rapide abwärts. Schnell war klar, dass er nicht mehr gesund wird. Zuerst kam er in die Kurzzeitpflege. Dann wurde er vom Team des SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung) betreut. Er war vier Wochen stationär im Hospiz und ist dort verstorben.

Im November hätten Sie goldene Hochzeit gefeiert. Wie kommen Sie mit dem schnellen Tod klar?

Zunächst war ich in einem regelrechten Schockzustand. Aber ich bekam auch von allen Seiten viel Unterstützung. Mein Mann fehlt mir nach seinem Tod sehr. Ich merke es zum Beispiel, wenn ich morgens den Tag nicht mit ihm planen kann – oder an langen Abenden, wenn ich meine Gedanken nicht mehr mit ihm teilen kann. Und, ja, weiß ich nicht, wie es mir an Gedenktagen gehen wird. Wir hätten im November goldene Hochzeit gefeiert. Und da kommt Weihnachten.

Welche Rolle spielt da Ihre Familie?

Meine Familie ist für mich da. Meine Schwester wohnt wie ich in Bietingen und ist für mich der Fels in der Brandung. An Weihnachten hatte ich mir überlegt, im Pflegeheim Zeit mit den Senioren zu verbringen. Aber meine Tochter hat gesagt: „Du gehörst zu uns. Wir feiern Weihnachten zusammen.“ Manchmal hilft Trauernden eine so klare Ansage.

Sie haben sich ja an den SÜDKURIER gewandt, weil Sie positiv überrascht waren, wie viele Menschen Ihnen in der letzten Zeit zur Seite gestanden sind.

Ja. In meiner Wahrnehmung stimmt es nicht, dass berufliche Helfer nie Zeit haben. Zum Beispiel Ärzte. Ich habe als Angehörige viel Interesse gezeigt und erlebt, dass sich Ärzte viel Zeit für sachliche Gespräche genommen haben. Das habe ich in Villingen-Schwenningen und in Singen erlebt. Die Ärzte haben mir ausführlich das Für und Wider verschiedener Therapien erklärt. Natürlich drängen sich die Ärzte einem nicht auf für so ein Gespräch. Man muss schon hingehen, nachfragen und manchmal hartnäckig sein. Aber da habe ich kein Problem damit.

Gibt es weitere positive Beispiele beruflich tätiger Helfer?

Ja, viele. Zum Beispiel die Informationen, die ich von der Telefonberatung der Krankenkasse bekommen habe, waren hilfreich. Auch Sachbearbeiter von Behörden und Ämtern haben mir geholfen. Die Betreuung in der Kurzzeitpflege im Servicehaus Sonnenhalde, die ambulante und stationäre Betreuung durch das Hospiz war für mich eine enorme Hilfe. Auch die Betreuung durch die Hausärztin und die Psycho-Onkologie war super.

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Was hilft Trauernden Ihrer Erfahrung nach sonst noch?

Wissen über die Krankheit, Familie und Freunde, ein beständiges soziales Netzwerk – aber auch eine Struktur im Alltag. Es hilft mir, wenn ich eine Struktur in meinem Alltag habe. Ich mache regelmäßig Gymnastik und Nordic Walking. Mein sozialer Einsatz im Servicehaus Sonnenhalde gibt mir selbst auch Struktur. Ich mache einen Wochenplan und schaue, dass es dort Höhepunkte gibt, um mich durch die Woche zu schlängeln: Zum Beispiel ein Ausflug mit einer Freundin auf die Mainau. Oder ich backe einen Apfelkuchen. Oder meine Schwester kommt zum Kaffee.

Woher haben Sie dieses Wissen und Ihre Erfahrung?

Vieles hab als ich als Leiterin einer Angehörigengruppe für Menschen mit Demenz, in der Sterbebegleitung und durch die Tätigkeit als Trauerbegleiterin erworben. Aber es ist ein ganz anderes Kapitel, wenn man persönlich vom Tod des Ehemannes betroffen ist.

Und die sozialen Kontakte?

Am meisten hilft, wenn die Familie, Freunde und Angehörige den Kontakt nicht abbrechen, sondern Zeit für einen haben. Es ist nicht schlimm, wenn sie unsicher sind. Auch nicht, wenn einem die Worte fehlen oder man gemeinsam weint. Schlimmer ist es, nichts zu machen – und dem Trauerndem aus dem Weg zu gehen. Es muss auch nicht immer ein langer Besuch sein. Schon, wenn das Mobiltelefon piepst und ich sehe: Wenn mir jemand ein Bild geschickt oder geschrieben hat, „Ich denke an dich“, ist das ein Lichtblick. Ich gehe offen auf mein Umfeld zu und sage, dass ich Hilfe brauche. Das fällt mir schwer, da ich immer anderen geholfen habe. Man muss sich trauen.