Selbstverständlich fährt David Vincent Wieters mit einem Elektroauto vor das Singener Rathaus. Das Modell Zoe E.50 von Renault, das derzeit das am meisten verkaufte Elektroauto in Europa ist, gibt es auch im Fuhrpark der Stadtverwaltung. Der neue Beauftragte für E-Mobilität kennt das kleine Auto wie seine Westentasche.

Bei einem Vortrag, den die Klimaschutzbeauftragte Johanna Volz organisiert hatte, berichtet Wieters von seinen persönlichen Erfahrungen und gibt wertvolle Tipps, die bei der Entscheidung zur Anschaffung eines Elektroautos helfen können. Einem Ehepaar half er damit bei der Entscheidungsfindung, denn der Stromer soll bald bestellt werden.

Zuwachs von 24 Prozent

Seit März arbeitet David Vincent Wieters (26) als Beauftragter für E-Mobilität bei der Energieagentur des Landkreises Konstanz. „Im vergangenen Jahr hat sich der Bestand an Elektroautos im Landkreis um 143 Prozent erhöht“, so Wieters. Allein im vergangenen Monat sei ein Zuwachs von 24 Prozent an Neuzulassungen zu verzeichnen.

Die Energieagentur Kreis Konstanz

Reine Elektrofahrzeuge unter einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro erhalten 6000 Euro Förderung vom Bund und 3000 Euro vom Hersteller, bei Fahrzeugen über 40.000 Euro sind es noch 5000 plus 2250 Euro. Der Herstellung der Batterien für Elektroautos laste bekanntlich ein sogenannter Klimarucksack an.

Diese Klimakosten würden im Betrieb langsam durch die CO2-Einsparungen im Vergleich zu den Verbrennern abgebaut, so Wieters. Nach Studien der Technischen Universität Eindhoven erreichten Batterien eine Laufzeit von rund 250.000 Kilometern, bei noch moderneren Technologien auch bis zu 500.000 Kilometer. Etwa ab dem Jahr 2017 seien Elektroautos mit Anschaffungskosten zwischen 30.000 und 40.000 Euro bezahlbar geworden und auch die Reichweiten werden immer besser.

So lädt man ein E-Auto

Das Laden eines E-Fahrzeugs auf weiten Strecken funktioniere heute meist über Ladekarten oder über eine App. Beides sei derzeit aber nicht unbedingt erforderlich, denn man könne auch mit einem QR-Code und Bezahlung über PayPal an Ladesäulen unterwegs Strom tanken. Beim Aufbau eines dichteren Ladenetzes tut sich derzeit viel.

Am günstigsten für das Laden zuhause sei die so genannte Wallbox, die ab 700 Euro erhältlich ist. Wallboxen bis zu einer Leistung von 11 Kilowatt seien förderfähig. Wer eine Solaranlage hat, kann für das Laden den eigenen Strom verwenden. Wieters nennt zwei Beispiele für das Normalladen: ein VW ID3 Pro mit einer Batterie von 58 Kilowattstunden Leistung und einer 11-Kilowatt-Wallbox werde innerhalb von sechs Stunden und 15 Minuten geladen. Beim Renault Zoe E.50 dauere das Laden bei einer Batterie von 52 Kilowattstunden Leistung und einer 22-Kilowatt-Wallbox drei Stunden.

Nach seinem Vortrag beantwortet David Vincent Wieters (Mitte) Fragen rund um die Nutzung eines Elektrofahrzeugs.
Nach seinem Vortrag beantwortet David Vincent Wieters (Mitte) Fragen rund um die Nutzung eines Elektrofahrzeugs. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Immer wieder werde die Reichweite als Kriterium genannt, sich kein Elektrofahrzeug anzuschaffen, sagt Wieters. „Reichweite ist nicht alles, wichtig ist auch die Ladeleistung.“ Wieters ist dabei zuversichtlich: „Irgendwann wird das Laden so schnell gehen wie Tanken.“ Er selbst fährt auch weite Strecken. Das sei alles eine Frage der Planung der Ladepausen.

Energieberatung berät vor dem Kauf

Über den Kauf eines Autos denkt jeder genauer nach. An diesem Punkt setzt Wieters Beratung an „Wer sich ein Elektroauto anschaffen will, sollte sich überlegen, wo lade ich, brauche ich eine Schnellladung, welche regelmäßigen Strecken fahre ich und bin ich mit dem jetzigen Stand der Technik zufrieden oder möchte ich lieber noch warten?“, sagt Wieters. Er biete über die Energieagentur kostenlose und damit hersteller-unabhängige Beratungen an.

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Unter dem Titel „Erfahre die Elektromobilität am Bodensee“ organisiert die Energieagentur vom 1. bis 19. September übrigens eine „Self-E-Tour“. In dieser Zeit können Interessierte Elektro-Autos kostenlos probefahren und mit Fotos ihren Fahrspaß in den sozialen Medien dokumentieren – als Anregung für andere.

„Neben unseren kostenfreien Elektromobilitätsberatungen für Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen, wollen wir vor allem die Elektromobilität für die Menschen erfahrbar machen sowie die Ladeinfrastruktur nachhaltig fördern,“ erläutert Wieters.