Wasser und Taufe, das liegt ja auf der Hand. Aber muss die Taufe des Singener Jahrbuches deshalb gleich vom Regen durchweicht werden? Nach langem Verzicht auf analoge Begegnungen bei öffentlichen Kulturveranstaltungen hatten sich die Liebhaber und Autoren der Jahreschronik auf der Musikinsel versammelt, um zu hören, was im vergangenen Jahr außer Corona noch Thema war. Und das war viel mehr, als man unter den schweren Bedingungen der Pandemie erwarten konnte.

Alles war perfekt vorbereitet für die vorsichtige Rückkehr ins gesellschaftliche Leben. Fast eineinhalb Jahre mehr oder weniger Isolation hat die Menschen in der Pandemie hungrig gemacht auf Begegnung. Und nachdem im vergangenen Jahr wegen der raschen Verbreitung des Virus‘ an eine Buchtaufe mit viel Publikum nicht zu denken war, sollte der Neuanfang bei aktuell sehr niedriger Inzidenz unter freiem Himmel auf der Musikinsel zu einem lauschigen Sommerabend werden.

Vorsichtige Rückkehr zur alten Normalität unter Corona-Regeln

180 Teilnehmer waren für die Buchtaufe auf der Musikinsel zugelassen. Häppchen für den anschließenden Plausch? So weit sind wir noch nicht. Die aktuellen Corona-Regeln erlauben noch keine Verköstigung. Aber immerhin: Man darf sich wieder treffen.

Christina Marton und Etienne Häusler sorgen für die musikalische Gestaltung der Jahrbuchtaufe auf der Musikinsel. Im Hintergrund Stadtarchivarin Britta Panzer.
Christina Marton und Etienne Häusler sorgen für die musikalische Gestaltung der Jahrbuchtaufe auf der Musikinsel. Im Hintergrund Stadtarchivarin Britta Panzer. | Bild: Trautmann, Gudrun

Viel organisatorischer Aufwand war im Vorfeld zu leisten. Jeder Besucher musste angemeldet und einem nummerierten Sitzplatz zugeordnet sein. Pech für all jene, für die das Zeltdach oder der Sonnenschirm nicht groß genug waren. Doch die Singener sind nicht nur hart im Nehmen, sondern vor allem treue Fans des Singener Jahrbuchs. Viele andere Gemeinden beneiden die Stadt um diese Chronik.

„Das Jahrbuch schafft Wissen für die Nachwelt“, würdigte denn auch Oberbürgermeister Bernd Häusler die Publikation aus dem Stadtarchiv. Dass eine Vielzahl von Autoren das Jahresgeschehen aus ihrem Blickwinkel erzählt, gibt dem handlichen Nachschlagewerk eine besondere Note. Dazu kommen die akribisch vom Stadtarchiv zusammengetragenen Daten und Fakten auf fast 100 Seiten.

Einmal im Jahr tritt das Stadtarchiv mit seiner Chefin Britta Panzer aus dem Hintergrund ins Rampenlicht. Bei der diesjährigen Jahrbuchtaufe auf der Musikinsel spielte das Wetter aber nicht mit.
Einmal im Jahr tritt das Stadtarchiv mit seiner Chefin Britta Panzer aus dem Hintergrund ins Rampenlicht. Bei der diesjährigen Jahrbuchtaufe auf der Musikinsel spielte das Wetter aber nicht mit. | Bild: Trautmann, Gudrun

Die Musikinsel war in diesem Jahr für die Buchtaufe ausgewählt worden, weil auch hier mittlerweile 50 Jahre Geschichte geschrieben wurden. Dankbar blickte Hausherrin Annette Tinius-Elze auf die Arbeit ihrer Vorgänger Fritz Dobler und Alain Ohl zurück, die mit stetiger öffentlicher Förderung und großem Einsatz die Basis für eine gut funktionierende, ambitionierte Jugendmusikschule geschaffen haben.

Auch die Musikschule hat schon 50 Jahre auf dem Buckel

Besonders schwer hatte es die Musikschule im Corona-Lockdown. „Sechs Monate Fernunterricht hätte ich mir vor der Pandemie nie vorstellen können“, sagte die Schulleiterin. Dass es aber doch weiterging und digitaler Unterricht erfolgreich sein kann, bewies Etienne Häusler am Cello in Begleitung von Christina Marton am Klavier. Sie sorgten unter den schwierigen Wetterbedingungen für die festliche Note auf der Insel.

Daniela Schilhab ist froh, dass sie im Singener Jahrbuch eine Plattform für ihre Forschungsarbeit zu den italienischen Migranten in Singen gefunden hat.
Daniela Schilhab ist froh, dass sie im Singener Jahrbuch eine Plattform für ihre Forschungsarbeit zu den italienischen Migranten in Singen gefunden hat. | Bild: Trautmann, Gudrun

Neugierig auf die Themen des diesjährigen Jahrbuches machte Britta Panzer im Rahmen eines moderierten Gespräches. Dafür hatte sich die Chefin des Stadtarchivs drei junge Autoren auf die Bühne geholt, um sie zu ihrer Motivation und dem Thema ihres Beitrags zu befragen.

Tolle Idee: Drei junge Autoren kommen im moderierten Gespräch zu Wort

So berichtete Daniela Schilhab von ihrem Studium der Geschichte der italienischen Arbeitsmigranten bei Maggi, wie auch bei Schiesser. Die junge Frau legte ihren Forschungsschwerpunkt auf die Arbeitervertretung, arbeitete aber auch einen Vergleich zwischen den Städten Singen und Konstanz heraus. Dabei stellte sie heraus, dass Singen schon vor über 100 Jahren ein interessanter Standort war. Es freue sie, ihre Forschungsergebnisse über das Jahrbuch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen zu können.

Patrick Brosig erklärt die Bedeutung der Orgel für die Kirchenmusik und die Besonderheiten der restaurierten Orgel in St. Peter und Paul.
Patrick Brosig erklärt die Bedeutung der Orgel für die Kirchenmusik und die Besonderheiten der restaurierten Orgel in St. Peter und Paul. | Bild: Trautmann, Gudrun

Wie der Musikstudent die neue Orgel von St. Peter und Paul sieht

Patrick Brosig ist in seinem Beitrag auf die Renovierung der Kirchenorgel von St. Peter und Paul eingegangen. Die Orgel sei das einzige Instrument, das ohne elektrische Verstärkung mehrere Hundert Personen musikalisch begleiten könne. Die Singener Orgel in Peter und Paul sei im sächsisch-thüringischen Stil erbaut und von belgischen und französischen Orgelbauern in einer Weise saniert worden, „wie Johann Sebastian Bach sie unter den Fingern gehabt haben könnte“, erzählte Brosig begeistert.

Der Abiturient Michael Gotzmann hat das Thema Ditigalisierung an Schulen aufgearbeitet, das in der Corona-Pandemie einen großen Schub erfahren hat.
Der Abiturient Michael Gotzmann hat das Thema Ditigalisierung an Schulen aufgearbeitet, das in der Corona-Pandemie einen großen Schub erfahren hat. | Bild: Trautmann, Gudrun

„Digitalisierung am Hegau-Gymnasium aus der Sicht eines Schülers“, so lautet das Thema des 18-jährigen Abiturienten Michael Gotzmann im Jahrbuch. Ein Thema, das treffender nicht zu den Corona-Jahren passen könnte, in denen viele Schüler und Eltern im Home-Schooling-Unterricht an ihre Grenzen gekommen sind. Ohne die digitalen Hilfsmittel und die schuleigene Cloud, so das Fazit des Schülers, wäre der Unterricht nicht so effektiv gewesen. Die Mischung von analogem und digitalem Unterricht müsse stimmen.

Auch Traditionsschulen müssen digital up to date sein

„Um uns zukunftsfähig zu machen, muss uns die Schule auch digital ausbilden“, sagte er. Das habe er gerne im Jahrbuchbeitrag erzählt, um zu zeigen, was alles in einer geschichtsträchtigen Schule läuft. Für alle Autoren gab‘s zum Schluss der Buchtaufe ein frisches Exemplar und eine Kurzbeschreibung der Beiträge von Britta Panzer.

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