Kein Ball rollt, die sportlichen Bewegungen ruhen, die Hallen, Fußballplätze und Leichtathletik-Stadien sind verwaist. Die Verschärfungen der Corona-Verordnungen legen alle sportlichen Aktivitäten lahm. Das sorgt für Frust bei Funktionären, Aktiven, Jugendlichen und Kindern bei den Sportvereinen.

„Schlimm sind die Verbote vor allem für Kinder im Vorschulalter, die dringend Bewegung brauchen. So müssen nun alle turnerische Übungsangebote ausfallen“, erklärt Marita Kamenzin, Vorsitzende des Turnvereins Engen. Der Verein habe im September noch bewusst zugewartet, damit eine mögliche Infektionswelle nach den Sommerferien die Ausübung der Kurse nich belastet, sodass die erst im Oktober gestartet seien.

Marita Kamenzin, Vorsitzende und Übungsleiterin des TV Engen, freut sich schon darauf, ihre Schützlinge wieder trainieren zu können.
Marita Kamenzin, Vorsitzende und Übungsleiterin des TV Engen, freut sich schon darauf, ihre Schützlinge wieder trainieren zu können.

„Derzeit ist auch keine Kooperation wie üblich mit den Kindergärten möglich. Für Erwachsene bieten wir Kurse im Gesundheits- und Fitnessbereich, wie Zumba, Yoga oder Rücken-Fit, über Video-Schaltungen“, schildert Marita Kamenzin. Bei den Leichtathleten sei teils Einzeltraining möglich,aber nur außerhalb des gesperrten Stadions.

Vereinsjubiläum fällt aus

Die engagierte Engenerin hat auch Einblicke in andere Vereine. Sie spielt in der Stadtmusik Engen. Wie ihr Mann Peter Kamenzin, der zudem als Vorsitzender des Engener Schwarzwaldvereins fungiert. „Das für Mitte September geplante Jahreskonzert der Stadtmusik muss leider ausfallen. Auch der Auftritt des Militär-Blasorchesters des Bundes konnte im April coronabedingt nicht stattfinden“, berichtet Marita Kamenzin. Beide abgesagten Veranstaltungen sollten in die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Engener Stadtmusik eingebunden werden. „Die Proben, die gerade wieder so schön liefen, sind eingestellt. Unsere Vorsitzende Susanne Post versucht, wenigstens über Video die Bläsergruppen auszubilden“, sagt Marita Kamenzin. Der Engener Schwarzwaldverein habe alle Wanderungen abgesagt.

Volker Mussgnug, Vorsitzender des FC Singen 04, hofft, dass es bald weitergeht.
Volker Mussgnug, Vorsitzender des FC Singen 04, hofft, dass es bald weitergeht. | Bild: Lisa Jahns

„Wir harren der Dinge und warten ab“, beschreibt Vorsitzender Volker Mussgnug die Lage beim FC Singen 04. „Es war nicht ganz überraschend, dass es im Herbst zu einer zweiten Corona-Welle kommt. Damit, dass es so schlimm wird, konnte bei uns niemand rechnen“, sagt er. So liegt nun auch bei den Fußballern der Spiel- und Trainingsbetrieb mindestens einen Monat lang auf Eis. „Die Aktiven trainieren nach Plänen individuell. Die Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren sind aber am Boden zerstört, dass sie nicht mehr kicken dürfen. Dabei haben wir mit einem neuen Trainerteam große Begeisterung bei unserem Nachwuchs geweckt“, betont Mussgnug.

„Wir hoffen, dass es in diesem Jahr noch weitergeht. Zumal sich unsere erste Mannschaft als Tabellenführer der Landesliga bestens in Schwung befindet. Der Spielplan hat noch etwas Luft“, sagt er. Auch das ganze Vereinsleben des FC Singen 04 komme zum Stillstand. Die geplante Mitgliederversammlung habe verschoben werden müssen.

Großen Aufwand betrieben

Gedämpfte Stimmung herrscht auch beim Turn- und Sportverein (TuS) Gottmadingen, der ein vielfältiges und umfangreiches Angebot von Sport, Gesundheit und Fitness bietet. „Wir sind alle traurig, dass es nicht weitergeht“, sagt Volker Endres, der zweite Vorsitzende des Vereins. Er leitet auch Übungen beim Mädchenturnen. „In der Schule können die Kinder wenigstens noch Sport ausüben. Für die kleineren gibt es nun keine Möglichkeiten mehr, sich unter Anleitung in Gruppen zu bewegen“, zeigt Endres auf.

Vorläufig ausgesetzt: Volker Endres gibt Hilfestellung bei Turnübungen eines Mädchenteams der TuS Gottmadingen.
Vorläufig ausgesetzt: Volker Endres gibt Hilfestellung bei Turnübungen eines Mädchenteams der TuS Gottmadingen. | Bild: Tesche, Sabine

„Es hat uns volle Kanne erwischt. Auch wichtige Einnahmen brechen weg. Es geht nach dem Verbot im Frühjahr auch langsam an die Substanz des Vereins“, erklärt Endres. „Wir haben mit großem Aufwand die Verordnungen eingehalten. Bei sportreibenden Vereinen, wie dem TuS Gottmadingen, hat es auch in der jüngsten Zeit kaum Corona-Fälle gegeben“, so Endres.

Diese von Anita Riester angeleitete Übung geht derzeit beim TuS Gottmadingen höchstens über Video.
Diese von Anita Riester angeleitete Übung geht derzeit beim TuS Gottmadingen höchstens über Video. | Bild: Tesche, Sabine

„Wir versuchen, beim Gesundheitssport einzelne Kurse über Video-Übertragungen anzubieten. Auch solche werden von den Krankenkassen bezuschusst. Es ist aber nicht leicht, die Veranstaltungen zu kommunizieren. Viele ältere Menschen haben keine Möglichkeit, teilzunehmen, weil die digitalen Voraussetzungen fehlen.“

Enttäuschung beim FC Hilzingen

Ein trostloses Bild bieten auch die leeren Fußballplätze des FC Hilzingen. „Bei uns herrscht zwar Enttäuschung über die verordnete Einstellung der fußballerischen Aktivitäten, aber aufregen bringt nichts“, beschreibt Vereinvorsitzender Sebastian van Wambecke. Es wurme schon einige Verantwortliche des FC Hilzingen, dass auch das gesamte Nachwuchstraining verboten sei.

„Es war genug Zeit, sich auf die Verschärfung einzustellen, um auch mal was auszutesten. Wir hätten zumindest in kleinen Gruppen und ohne direkten Kontakte trainieren können“, erklärt van Wambecke. In der Schule und in den Bussen seien die Kinder ja auch zusammen“, betont er. Etwa 120 Aktive und 160 Junioren kicken beim FC Hilzingen, darunter auch ein erfolgreiches Damenteam.