Der Hegau hat am Donnerstag Abschied genommen vom ehemaligen Kreisarchivar Dr. Franz Götz. Zahlreiche Weggefährten wie Frank Hämmerle, Manfred Sailer und Hans-Peter Jehle begleiteten Franz Götz in Singen auf seinem letzten Weg. Aufgrund der Abstandsvorschriften der Corona-Verordnung fanden nicht alle Trauergäste in der Trauerhalle Platz.

In dieser Trauerfeier, so Klinikseelsorgerin Waltraud Reichle, nehme man Abschied vom vertrauten gewohnten Zusammensein mit Franz Götz, man erinnere sich an viele Begegnungen, alte und neue, und man sage Gott Danke für diesen Menschen, der uns geschenkt war. Ihren Dank an Vater, Schwiegervater und Opa drückten die Familienmitglieder mit persönlichen Erinnerungen aus.

Christlicher Glaube prägte sein Leben

Drei Enkel umrahmten die Trauerfeier musikalisch und die Texte aus der Heiligen Schrift sowie Gebete wurden ebenfalls von der Familie vorgetragen. Dabei erfuhren die Trauergäste, dass Franz Götz, dessen Leben von einem tiefen christlichen Glauben geprägt war, den Spruch seiner Todesanzeige selbst ausgewählt hatte.

Der Vater habe sein Lebensalter oft mit einem Fußballspiel verglichen. Die reguläre Spielzeit und die Verlängerung seien abgelaufen, und wann die Nachspielzeit ende, bestimme der Schiedsrichter, erzählte einer der drei Söhne.

„90 Jahre, es ist nicht alles schlecht gelaufen“, schrieb Götz

Aus dem Resümee über sein Leben, geschrieben am 5. Mai, wurde unter anderem diese Feststellung von Franz Götz zitiert: „90 Jahre, es ist alles nicht schlecht gelaufen.“ Wolfgang Kramer, seinem Nachfolger als Kreisarchivar, hatte Götz schon zu Lebzeiten die für Kramer ehrenvolle und schmerzvolle Aufgabe übertragen, über ihn eine Ansprache zu halten.

Zahlreiche Trauergäste begleiten Franz Götz auf seinem letzten Weg auf dem Waldfriedhof Singen.
Zahlreiche Trauergäste begleiten Franz Götz auf seinem letzten Weg auf dem Waldfriedhof Singen. | Bild: Elisabeth Stauder

Mit den Worten „Der Hegau ist ärmer geworden“, eröffnete Kramer seinen Nachruf. Als Praktikant habe er Götz vor fast 50 Jahren kennengelernt. Kramer erinnerte an die Jugendjahre von Götz als Sohn des Münstermesners im Schatten des Freiburger Münsters.

„Die Kirche hätte einen solchen wie Dich gut gebrauchen können“, sagt Wolfgang Kramer

Seine Karriere bis zum Hofministranten sei einzigartig gewesen und hätte auch ins Priesteramt führen können. „Die Kirche hätte einen solchen wie Dich gut gebrauchen können“ führte Kramer aus.

Götz habe die Archivarbeiten von der Pike auf gelernt. 1956 kam er in den Hegau und 1959 wurde er Kreisarchivar und damit zum ersten festangestellten Kreisarchivar im badischen Landesteil. Im Kollegenkreis war Götz hoch anerkannt. Von einem Kollegen sei Götz bei seiner Verabschiedung als „Leitfossil der Kreisarchivare“ bezeichnet worden.

Große Anerkennung in der Fachwelt

„Deine stets paraten Kenntnisse über Geschichte und Kultur der Region, deine enorme Zielstrebigkeit, dein großer Fleiß, deine erstaunliche Offenheit auch für das Fremde, deine rhetorische Gewandtheit, dein Sinn für Land und Leute, dein fast schon sprichwörtlicher Humor und ein festes Stehen auf dem Fundament der christlichen Werte und Kultur und der katholichen Kirche – all das hat dazu beigetragen, dass aus dem Kreisarchivar Dr. Franz Götz eine Institution im Hegau wurde“, so Kramer.

Mehr als 60 Jahre lang habe Götz im Hegau gewirkt, viele Orden und Ehrenzeichen bis zum Bundesverdienstkreuz erhalten.

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