Aktuell läuft die Bauvorbereitung. „In wenigen Wochen wollen wir mit den Bauarbeiten starten“, sagt Ralf Maier. Er ist Geschäftsführer von Standex Electronics in Singen. Die Firma ist seit vielen Jahren im Singener Industriegebiet beheimatet. Aber diese Zeit wird bald enden: Denn mit dem Bau des neuen Firmensitzes wird das Unternehmen die Stadt Singen verlassen und in den Engener Stadtteil Welschingen umziehen. Dort soll im Industriegebiet in den kommenden Jahren ein neues Gebäude für Produktions-, Lager-, und Büroflächen entstehen. Und so sehen die Pläne des Mess- und Regeltechnik Herstellers aus.

Fertigung und Vertrieb unter einem Dach

„Wir investiert am Standort in Engen-Welschingen rund zehn Millionen Euro für Gebäude, Technik, Ausstattung und Grundstück“, sagt Holger Mankel, Leiter für Finanzen und Personal. Der Spatenstich soll noch im Juni erfolgen. „Der Neubau in der Friedrich-List-Straße 15 ist das erste Projekt in dieser Größenordnung“, sagt Geschäftsführer Ralf Maier im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Weshalb sich die Firma für einen Neubau entschieden habe, ist für Maier leicht zu beantworten: „Wir sind stetig gewachsen, irgendwann waren die Räumlichkeiten hier in Singen schlicht und ergreifend zu eng.“

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Der neue Firmensitz in Welschingen soll drei Bereiche umfassen: ein neues Zentrallager, Flächen für die Produktion und Büros für die Verwaltung. Das neue Gebäude soll eine Größe von knapp 5000 Quadratmeter haben und genügend Platz für die 110 Mitarbeiter schaffen. Das Lager wird dann eine Größe von 890 Quadratmeter haben, die Produktion inklusive Werkzeugbau, Technikräume, Edelstahlbearbeitung sowie Produktionsbüros erstreckt sich über 2200 Quadratmeter. Die Verwaltung mit Sozialbereich, Kantine, sowie Labor und Prüfbereich soll 1800 Quadratmeter umfassen. „Der Lagertrakt sieht auf den ersten Blick klein aus, jedoch muss berücksichtigt werden, dass wir ein Hochregallager planen mit über zehn Meter Höhe, um nicht wie bisher maximal zwei Paletten übereinander zu lagern, sondern bis zu sieben“, Betriebsleiter Dominik Rudolf. Standex Electronics habe sich im Laufe der Zeit hin zu einer Produktion von deutlich komplexeren Bauteilen entwickelt, die mehr Platz zur Fertigung und zur Produktion benötigen. Bisher hätten sich diese Bereiche auf unterschiedliche Gebäude verteilt. Dass nicht alle Abteilungen unter einem Dach seien, sei für das Unternehmen nicht ideal gewesen, betont Maier. Deshalb habe man sich für den Neubau entschieden.

Eine Rückkehr nach Welschingen

Laut Ralf Maier sei es übrigens nichts das erste Mal, dass Standex Electronics nach Welschingen zieht. Vor ein paar Jahren war der Vertrieb bereits für ein paar Jahre in Welschingen ansässig, passenderweise nur ein paar Hausnummern weiter in der Friedrich-List-Straße 6. „Aber die Trennung zwischen Singen und Welschingen war nicht ideal“, so Maier. Deshalb wurde der Firmenteil im Engener Stadtteil 2008 wieder aufgegeben und man zog zurück nach Singen. Das soll dieses Mal anders laufen: „Der Umzug der kompletten Firma ist für Ende 2022 anvisiert“, sagt Vertriebsleiter Daniel Küchler. Einen Rückzug nach Singen wird es voraussichtlich nicht geben. Denn der jetzigen Firmensitz im Singener Süden sei bereits verkauft. Geschäftsführer Maier rechne im Idealfall mit einer Bauzeit zwischen 18 und 24 Monaten, sodass ein Einzug im Oktober 2022 rechnerisch möglich sei.

Technikfirma könnte weiter wachsen

Laut Ralf Maier habe man sich auch in Singen Grundstücke angeschaut, aber es sei nicht das passende dabei gewesen. „Wir haben uns in Singen nicht unwohl gefühlt“, macht Maier deutlich. Für Welschingen haben aber dennoch viele Punkte gesprochen. Zum einen der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und die nahegelegene Autobahn. „Die Lage des neuen Gebäudes war uns wichtig“, sagt Daniel Küchler. So sei ein Punkt bei der Entscheidung gewesen, dass die Mitarbeiter den neuen Firmensitz mit dem ÖPNV ohne Probleme erreichen können – auch mit Blick auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. „Wir haben einen bestens zugänglichen Bauplatz gesucht, der gut an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden ist und man schnell auf der Autobahn erreicht, um unserer Waren in Europa zu verteilen“, so Küchler.

Möglichkeit zu erweitern

Bei der Grundstücksauswahl habe man zukunftsorientiert gedacht. „Wir haben dieses Grundstück ausgesucht, weil es Erweiterungsflächen bietet“, so Ralf Maier. So sei es denkbar, etwa ein Geschoss auf den geplanten Neubau draufzusetzen oder es gar zu verlängern. „Wir sind hier in alle Richtungen offen“, so Maier. Die mögliche Erweiterungsfläche belaufe sich auf rund 4000 Quadratmeter. „Wir haben hierbei berücksichtigt, dass alle drei Gebäudetypen erweiterbar sind, um flexibel auf die zukünftigen Anforderungen agieren zu können, ohne dabei den Betrieb zu sehr zu stören“, erläutert Küchler.

Die Stadt Engen freut‘s

In den vergangenen fünf Jahren hat die Stadt Engen nach Angaben von Engens Bürgermeister Johannes Moser insgesamt 41.000 Quadratmeter Gewerbebauland verkauft. „In den letzten Jahren haben sich mehrere Unternehmen für den Standort Engen entschieden oder hier ihren Betrieb erweitert“, so der Enger Rathauschef. Die Zahl der Ansiedlungsanfragen sei immens hoch, die Grundstücksreserven der Stadt jedoch sehr beschränkt. Das Interesse am Welschinger Gewerbegebiet zeige laut dem Engener Rathauschef, dass Engen nicht nur zum Wohnen, sondern auch als Wirtschaftsstandort einiges zu bieten habe: „Wir müssen deshalb Interessenten leider überwiegend abweisen.“

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Die Ansiedlung von Standex Electronics sei deshalb ein besonderer Erfolg für Engen. „Der Umzug und im Prinzip auch die Rückkehr nach Engen bedeutet für uns natürlich einen spürbaren Zuwachs an Arbeitsplätzen. Standex zählt nach dem Umzug nach Engen zu den Top-Arbeitgebern in Engen – sowohl bei der Anzahl der rund 110 Mitarbeiter als auch der Qualität der Arbeitsplätze“, betont Moser. Natürlich zahle sich die Ansiedlung auch auf die Engener Außendarsteller als interessanten Wirtschaftsstandort aus. „Und, ganz ehrlich, erhoffen wir uns auch einen guten Gewerbesteuerzahler“, so Moser weiter. Für ihn sei die maximale Flexibilität bei den Bauflächen, eine sehr gute Verkehrsanbindung Kennzeichen des Welschinger Gewerbegebietes. Ein weiterer Pluspunkt sei unter anderem der großzügige Bebauungsplan, der vielfältige Nutzungsmöglichkeiten sowie eine schnelle Umsetzung von Bauvorhaben ermögliche.