Das Aktionsbündnis Demenz Singen/Hegau macht seit zehn Jahren die Krankheit zum Thema. Durch Informationen wollen die Bündnismitglieder pflegende Angehörige unterstützen. Demenz soll kein Tabuthema mehr sein – sondern es soll mitten in der Gesellschaft ankommen.

Betreuende kommen täglich an ihre Grenzen

Ein blasses Gesicht blickt dem pflegenden Ehemann aus dem Spiegel des Bades entgegen. Er hat heute Nacht kaum geschlafen, weil seine Frau mindestens zehnmal aufstehen wollte, sich die Küchenschürze umgebunden hat und Mittagessen kochen wollte. Soweit ein Beispiel. Ein zweites Beispiel: Die Altenpflegehelferin beißt die Lippen zusammen. Denn ein 54-Jähriger ist ins Heim gezogen. Er leidet an einer sogenannten frontotemporalen Demenz – eine seltene Form, die sich von der alterstypischen Alzheimererkrankung unterscheidet. Aber: Was genau sind hier die Unterschiede?

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Menschen mit Demenz und die, die diese betreuen, kommen täglich an ihre Grenzen – oder überschreiten diese sogar. Durch Überforderung kann zusätzliches Leid entstehen. Dies weiß Gabriele Glocker, Pflegewirtin im Seniorenbüro Singen. Und darum macht sie sich für das Aktionsbündnis Demenz Singen/Hegau stark. „Wir sind ein loser Zusammenschluss, der gezielt über Demenz aufklären möchte“, fasst Glocker zusammen.

Woher kommt Hilfe? Mit diesem Armband können die Bewohner eines Singener Pflegeheimes Hilfe holen, wenn sie zum Beispiel gestürzt sind. Das Aktionsbündnis Demenz Singen/Hegau will Betroffene, Angehörige und Pflegende unterstützen.
Woher kommt Hilfe? Mit diesem Armband können die Bewohner eines Singener Pflegeheimes Hilfe holen, wenn sie zum Beispiel gestürzt sind. Das Aktionsbündnis Demenz Singen/Hegau will Betroffene, Angehörige und Pflegende unterstützen. | Bild: Uli Zeller

Soziale Dimension von Demenz steht im Vordergrund

Ziel sei, dass sich die Gesellschaft mit dem Thema Demenz auseinandersetzen kann. Betroffene sollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und Angehörige sollen entlastet und unterstützt werden. Im Leitbild des Bündnisses wird das Wort „Krankheit“ als Beschreibung von Demenz vermieden, eher wird die soziale Dimension von Demenz als Zustand in den Vordergrund gerückt.

Reinhard Zedler, Leiter des AWO-Kreisverbandes Konstanz, erläutert: „Wir wollen als Aktionsbündnis Angehörige unterstützen.“ Dies geschehe beispielsweise durch Dankeschön-Tage, bei denen die Angehörigen ins Zentrum gerückt werden. Bei solchen Tagen sollen Angehörige aus dem Meer der Demenz auftauchen und durchatmen können. Danach haben sie neue Kraft, um wieder zu ihren Angehörigen ins Meer der Demenz einzutauchen.

Praktische Tipps für Angehörige geben

Bei einer solchen Veranstaltung kann ein Angehöriger etwa hilfreiche Praxisideen für Alltagssituationen mitnehmen. Der Ehemann, dessen Ehefrau nachts immer kochen wollte, hat aus so einer Gruppe die Idee mitgenommen, den Herd nachts von der Energiequelle zu trennen und seine Frau dann gewähren zu lassen. So konnte sich die Frau beschäftigen, ohne Schaden anzurichten – und ihr Mann fand schließlich zu etwas mehr Schlaf. Weiter biete das Aktionsbündnis Fortbildungen für Pflegepersonal.

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Vortrag im September zur frontotemporalen Demenz

„Wir haben bereits drei große Demenzkongresse mit international bekannten Experten in Singen durchgeführt“, so Zedler. In diesem Jahr soll es noch einen Vortrag über frontotemporale Demenz geben. Referent sei Gabriel Richter, Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie des Zentrums für Psychiatrie Reichenau. Am 21. September ist diese Aktion geplant. Das Datum ist kein Zufall. Es ist der Weltalzheimertag und der zehnte Geburtstag des Aktionsbündnisses Demenz Singen/Hegau.

Der lose Zusammenschluss des Aktionsbündnisses hat bereits drei große Demenzkongresse durchgeführt. Das Archivbild vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie zeigt in der ersten Reihe Gabriele Glocker vom Seniorenbüro und Reinhard Zedler, Leiter des AWO-Kreisverbandes Konstanz. Zusammen haben beide vor zehn Jahren das Aktionsbündnis ins Leben gerufen.
Der lose Zusammenschluss des Aktionsbündnisses hat bereits drei große Demenzkongresse durchgeführt. Das Archivbild vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie zeigt in der ersten Reihe Gabriele Glocker vom Seniorenbüro und Reinhard Zedler, Leiter des AWO-Kreisverbandes Konstanz. Zusammen haben beide vor zehn Jahren das Aktionsbündnis ins Leben gerufen. | Bild: Archivbild: Uli Zeller